Sonntag, 5. September 2010

Herzstein



gefangen gefesselt
hält die Kette
Rost frisst sich blutig
durch ihre Glieder
zermürbt zerrissen

frei


.

Samstag, 4. September 2010

Notizen aus Dänemark (6)

Kunst und Design

Ein Regentag - selbst ein halber - hat auch einen Vorteil im Urlaub: Ich habe Holger in ein Museum in Kolding an der Ostsee geschleppt, und er hat das über zwei Stunden mitgemacht.
Das Kunstmuseum Trapholt liegt auf den Hügeln am nordöstlichen Rand von Kolding mit Blick aufs Meer. Ein Skulpturenpark umrahmt ein verschachteltes weißes Gebäude, das auf mehreren Ebenen Bilder, Skulpturen und Designobjekte ausstellt.

Von der Eingangshalle aus landeten wir zuerst in einem runden Gebäudeteil, wie ein dicker Turm mit einer Treppe, die sich um die Außenwand nach unten schlang. Dezente Beleuchtung, in der Außenwand kleine Vitrinen mit Informationen rund um dänisches Design, Schwerpunkt: Stühle. Dänische Designerstühle sind weltbekannt, viele von uns haben sicher schon auf den klassischen Bürostühlen mit der runden Rückenlehne und schmalen "Taille" gesessen. Stühle, die zum Teil mehrere Jahrzehnte alt sind, wirken immer noch aktuell und schön.

Malerei: Als wir dort waren, gab es eine Ausstellung einer dänischen Künstlerin, die im 20. Jahrhundert gelebt und gearbeitet hat, von verschiedenen Strömungen beeinflusst, und deren Entwicklung an einer Reihe von Exponaten dargestellt wurde. Ich habe mich nicht bei jedem Gemälde lange aufgehalten, weil mein Schatz sonst nervös geworden wäre. Aber die verschiedenen Perioden in einem Gesamtwerk zu sehen, fand ich spannend.
Ein weiterer Teil zeigte Werke dänischer Maler aus den 1970ern und 1980ern unter dem Titel "Colourful". Diese Bilder - sehr farbige, mit groben Pinselstrichen gemalte Motive, häufig Personen - gaben mir ein Gefühl, als habe der Künstler unter Drogen gestenden, so grell, schrill und drastisch waren sie.

Was mir an Trapholt allerdings sehr gut gefiel: es gibt dort für Kinder jede Menge Möglichkeiten, sich mit der Kunst auf spielerische Art auseinander zu setzen. Ecken, an denen sie Bilder nachmalen können, ihre eigene Interpretation davon geben. Ein Quiz, das sie durch das Museum führt und dazu bringt, genau hinzuschauen. In der Designabteilung Stuhlmodelle zum Benutzen, um die Wirkungen der unterschiedlichen Bauweise zu studieren, und "Grabbelwände", bei denen man in Löcher fasst, um die unterschiedlichen Materialien zu erspüren, bevor man sie auf der anderen Seite in Acrylglaskugeln sehen kann.

Und auch für große Spielkinder wie mich gibt es ein interessantes Projekt: Die Ausstellung der Woche.
In einer großen Halle stehen auf einer Seite eine Reihe unterschiedlichster Stühle, in der Mitte jede Menge Skulpturen und auf der anderen Seite ist die Wand behängt mit Bildern in allen Größen und Stilen.
Am Eingang zu dieser Halle findet man eine Menge Klemmbretter mit fünf "Aufhängern" darauf. An einem hängt bereits ein Kärtchen mit einem Gemälde.
Aufgabe: Man darf selber Museumsdirektor spielen und soll rund um dieses Gemälde eine Ausstellung gruppieren. Zu jedem der aufgebauten Werke gibt es kleine Kärtchen, die an die Aufhänger gepinnt werden. Ist die eigene Auswahl komplett, gibt man ihr einen Namen, schreibt auf dem Blatt kurz, was man sich dabei gedacht hat und kann an einem Computer noch passende Hintergrundmusik aussuchen. Dann noch Name und Mail-Adresse drauf und am Ende der Halle abgeben.
Dort steht gerade die Ausstellung der laufenden Woche und aus all den neuen Vorschlägen wird dann - ich vermute vom Chef des Ganzen - die Ausstellung der nächsten Woche ausgewählt.

Mit dieser Aufgabe haben wir die Zeit überbrückt bis zu einer Führung am Mittag durch "Arne Jacobsens Sommerhaus". Der Designer hat 1970 ein Konzept für ein wachsendes Haus entworfen. Würfelförmige Elemente mit einer Grundfläche von 10 x 10 Metern können zusammengestellt werden, so dass ein Paar mit einem kleinen Haus starten kann, es mit Kindern erweitert oder auch im Alter wieder verkleinert. Die komplette Inneneinrichtung ist ebenfalls von Jacobsen entwickelt und wirkt schlicht und funktional.
Der Prototyp wurde für eine Messe gebaut und ist bis heute das einzige Exemplar. Einerseits war es für den damaligen Geschmack anscheinend zu modern, andererseits auch etwas teuer für Durchschnittsverdiener. Dazu starb Jacobsen kurz nach der Messe und die mit ihm zusammen gegründete Produktionsfirma wurde aufgelöst.
Eigentlich schade, denn die Idee gefiel uns gut.

Insgesamt ein vielseitiges Museum, dass uns den Regentag angenehm verkürzt hat.
Und am Nachmittag kam dann wieder die Sonne heraus. Alles gut also.

Freitag, 3. September 2010

Notizen aus Dänemark (5)

Plötzlich überall

Ihr kennt sicher dieses Phänomen:
Ein Wort begegnet euch, und plötzlich hört ihr es ständig. Ein Thema berührt euch, und mit einem Mal wird überall darüber gesprochen und geschrieben. Als ob es genau in diesem Augenblick Mode geworden wäre.
Natürlich wurde das Wort auch vorher schon benutzt, das Thema immer wieder in den Medien diskutiert. Aber jetzt seid ihr sensibilisiert, habt eure Antennen ausgefahren und nehmt es war, selektiert es sozusagen aus der Informationsflut heraus.

Im Urlaub ging es mir genau so mit der Malerei. Zur Zeit beschäftige ich mich ja wieder intensiver damit, versuche meinen Weg in Aquarell und Acryl zu finden. Also war klar, dass ich unterwegs sicher verstärkt Kunst in allen Formen sehen würde.
Allerdings glaube ich, dass Dänemark beim Thema Galerien und Ausstellungen eine ganz besondere Rolle spielt.

Seit Jahren freue ich mich jedes Mal, wenn ich in Städten kleine Geschäfte entdecke, in denen Bilder verkauft werden. Und wenn Werke dabei sind, die mir gefallen (oft abstrakte Gemälde), dann versuche ich sie zu fotografieren. Entweder durch eine Fensterscheibe oder aus der Hüfte heraus im Geschäft, wenn keiner zuschaut. Nicht, dass ich ein Bild kopieren wollte, nein, einfach als Erinnerung und Inspiration. Ich habe die Fotos der letzten Jahre durchgesehen, hier und da sind einzelne Bilder-Aufnahmen dabei. Nichts Tolles, denn Fensterscheiben spiegeln und je nach Aufnahmewinkel sind die Kanten verzerrt, aber das ist ja egal für meine Zwecke.

In Dänemark kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. In jedem Dorf schien es eine kleine Galerie zu geben, an den Straßen überall Hinweisschilder auf Ausstellungen. Manch Leuchtturm kann nicht nur bestiegen werden gegen ein kleines Entgelt (zu entrichten in eine Kassette, keiner kontrolliert das), sondern in den ehemaligen Wohnhäusern finden heute Ausstellungen lokaler oder landesweiter KünstlerInnen statt.
Anscheinend ist Dänemark ein Land, in dem fast jeder einer kreativen Tätigkeit nachgeht, entweder beruflich oder in seiner Freizeit.
Ich glaube, in den drei Wochen hat es höchstens vier Tage gegeben, an denen ich mir nichts angeschaut habe.
Könnt ihr euch vorstellen, wie ich gestrahlt habe? Da waren so viele spannende Werke, so viele fantastisch gemalte Bilder, dass ich ganz tief atmen musste. Am liebsten hätte ich sofort an einer Staffelei gestanden und gearbeitet, alles ausprobiert, was ich hier an Anregungen sah. Das machte ganz kribbelig.
Ich habe dabei gespürt, wie wichtig mir die Malerei ist. Und ich bin froh, dass ich mich nicht zwischen Schreiben und Malen entscheiden muss.

Donnerstag, 2. September 2010

Abstrakte Malübung (01)

In meinem favorisierten Mal- und Zeichenforum hat sich eine Gruppe gebildet, die nach einem Buch vorgeht und die Übungen dann gemeinschaftlich anschaut und bespricht.
Da mir die Idee gut gefiel, habe ich mir das Buch ebenfalls geholt und angefangen, damit zu arbeiten.
Hier die erste Übung: Expressive Formen



Acryl auf Leinwand, 50 x 70 cm

Mittwoch, 1. September 2010

Lebenswichtig !

Habt ihr schon mal über das Thema Organspende nachgedacht? Wahrscheinlich schon, denn in den Medien wird ja immer wieder darüber berichtet, dass viel zu wenig Organe für Transplantationen zur Verfügung stehen.

Aktuell ging gerade der Fall Steinmeier durch die Presse. Herr Steinmeier zieht sich für einige Wochen aus der Politik zurück, um seiner Frau eine Niere zu spenden. Alle Achtung, dazu gehört nicht nur große Liebe sondern auch eine Riesenportion Mut, finde ich.

Rechtlich gibt es zwei grundverschiedene Regelungen (ich stelle das hier etwas vereinfacht dar):
Die Widerspruchsregelung: Jeder ist prinzipiell Spender, wenn er nicht ausdrücklich der Organspende widersprochen hat.
Die Zustimmungsregelung: Wer Organe spenden will, muss dieses ausdrücklich kund tun, in Deutschland mit einem Organspendeausweis.

Über 70 Prozent der Bevölkerung befürwortet Organspenden, aber weniger als 20 Prozent haben einen Organspendeausweis.
Bequemlichkeit ist wohl der Hauptgrund - war es auch bei uns. Irgendwann habe ich mal in der Apotheke zwei Ausweise mitgebracht, dann lagen die ewig irgendwo herum. Aber jetzt hat uns der WDR einen kräftigen Tritt in den Allerwertesten gegeben mit der Aktion "Ich hab's gemacht".

In der Aktuellen Stunde läuft seit ein paar Tagen der Aufruf, sich einen Organspendeausweis zu besorgen (z.B. per Download von der Internetsite), diesen auszufüllen und das per Bild oder per Gästebucheintrag zu bestätigen. Ziel: 5000 Organspender in 50 Tagen.
Inzwischen sind es schon über 1000 und mein Schatz und ich sind dabei.
Also: Rafft euch auf und macht auch mit bei dieser lebensrettenden Aktion.

Dienstag, 31. August 2010

Auf die Spitze getrieben

Fährt man Jütlands Nordseeküste immer weiter, erreicht man Skagen, Dänemarks nördlichste Stadt. Von unserem letzen Besuch vor rund fünfzehn Jahren hatte ich Skagen als gemütliche Kleinstadt mit lebendigem Hafen in Erinnerung. Lebendig ist die Stadt wirklich, inzwischen allerdings so touristisch, dass ich nicht mehr so begeistert wie damals war.
Die roten Fischerhäuser im Hafen, an denen wir früher in einfachen Läden Fisch gekauft hatten, sind heute zu Lokalen geworden, vor denen unter Schirmen und Pavillons lange Reihen Tische und Bänke auf Gäste warten. In Zentrum reihen sich Geschenkläden, Cafés und Boutiken aneinander. Ein breiter Strom Touristen zieht daran vorbei.
Wenn man allerdings die Fußgängerzone verlässt, macht ein Bummel durch die schmalen Gassen immer noch Spaß. Gelb gestrichene Häuser mit roten Ziegeldächern, weiße Holzzäune um blühende Gärten und über allem das Rufen der Möwen.
Bekannt geworden ist Skagen als Künstlerkolonie im 19. Jahrhundert. Die sogenannten "Skagenmaler" um Holger Drachmann, P.S. Krøyer und das Ehepaar Ancher malten gerne an freier Luft, naturalistisch und impressionistisch trifft ihren Stil wohl am besten.
Holger Drachmann, der auch Dichter war (ich mag diese Kombination von Malen und Schreiben), ist in den Dünen nördlich von Skagen begraben.
Auch heute noch leben viele Maler in Skagen und dem Umland. Das Licht dort oben ist anscheinend ganz speziell und die Landschaft, die kargen Dünengebiete, die Häuser und Schiffe sehr inspirierend.

In Skagen konnte ich meiner Liebe zu Leuchttürmen ausgiebig frönen, es gibt auf der Ostseeseite drei solche Seezeichen aus ganz unterschiedlichen Epochen.
Das älteste Leuchtfeuer überhaupt ist das Vippefyr von 1561, ein Holzgestell mit einem Feuerkorb, der an einem langen Arm auf und ab geschwenkt wurde (heute steht dort ein Nachbau).
Der "Weiße Turm" sieht aus, wie von einem Schachbrett entsprungen, stammt - wenn ich das richtig gelesen habe - aus dem 18. Jahrhundert und wurde noch mit Feuer beleuchtet.
Im 19. Jahrhundert baute man dann den "Grauen Turm", der mit 46 m Höhe der zweithöchste Leuchtturm Dänemarks ist.

Vor dort aus ist es nur noch ein kleines Stück, bis zur Halbinsel Grenen, der Spitze Jütlands, an der Skagerrak und Kattegat zusammenprallen.
Von einem Parkplatz aus wandern wir durch die Dünen, vorbei an Drachmanns Grab, und am Wassersaum entlang über den Sand. Hauptsaison, Menschenmassen auf der schmaler werdenden Landzunge. Alle wollen - genau wie wir - dort vorne stehen, am besten mit einem Fuß in der Nord-, mit dem anderen in der Ostsee. Wer nicht laufen kann oder möchte, fährt mit dem "Sandormen", dem "Wattwurm", einem traktorgezogenen Waggon. Was für ein Gedränge! Kaum schaffe ich es, ein Bild der hoch schlagenden Wellen zu machen, ohne dass Menschen mir vor die Linse kommen.

Wir bleiben nicht lange. Wir bleiben auch nicht in Skagen, wir fahren an der Ostseeküste langsam nach Süden und machen Stippvisiten in Aalbaeks Hafen (lecker geräucherter Fisch!) und in Saeby, einem malerischen Ort mit weißer Kirche, bunten Häusern und einem Hafen, dessen Wahrzeichen eine riesige Meerjungfrau ist.

Ein paar Impressionen von Skagen und der Weiterfahrt gibt's hier.

Montag, 30. August 2010

Schöne Aussichten

.

Warum muss der August schon herbstlich kommen?
Die Tage düstergrau, verkühlt und nass,
mit Überschwemmungen, Tornados. Das
hat letztes Sommerfühlen uns genommen.

Ist's das gewesen?, stelle ich die Frage.
Vorbei mit Sonne, Wärme, Licht
für dieses Jahr, ich glaub' es einfach nicht
und hoffe auf Septembers gold'ne Tage.


.

Sonntag, 29. August 2010

Großkampftage in Mittelagger

Unser Dorfverein hatte an diesem Wochenende Sommerfest, und das zum ersten Mal in der Geschichte bei schlechtem Wetter.

Trotz mehr als reichlichem Regen in den letzten Tagen habe einige Tapfere (mein Schatz auch) am Freitag den Aufbau für ein Wikingerfest auf matschiger Wiese geschafft.
Wir hatten Gäste, die mit ihren Zelten und ihrer Ausrüstung auf der Wiese des Spielplatzes lagerten, haben die Besucher bewirtet und für die Kinder wie üblich einen Spieleparcours organisiert.
Eigentlich sollte heute bis zum Nachmittag ebenfalls noch gefeiert werden, aber das ist im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Wegen zu viel Regen haben wir abgesagt und schon über Mittag alles abgebaut.

Ich habe gestern wieder reichlich fotografiert, inzwischen schon ein Album zusammengestellt und auch einen kleinen Text geschrieben. Wer mag, schaut einfach auf unserer Dorf-Homepage.

Ich bin jedenfalls ziemlich platt und werde heute nichts Gescheites mehr machen. Und morgen startet wieder der richtige Alltag, denn dann sind bei uns die Sommerferien zu Ende.

Auf Travellers Pfaden

unterwegs durch Prosa und Lyrik

Wolkenlicht und Meeresatem

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