Kunst und Design
Ein Regentag - selbst ein halber - hat auch einen Vorteil im Urlaub: Ich habe Holger in ein Museum in Kolding an der Ostsee geschleppt, und er hat das über zwei Stunden mitgemacht.
Das
Kunstmuseum Trapholt liegt auf den Hügeln am nordöstlichen Rand von Kolding mit Blick aufs Meer. Ein Skulpturenpark umrahmt ein verschachteltes weißes Gebäude, das auf mehreren Ebenen Bilder, Skulpturen und Designobjekte ausstellt.
Von der Eingangshalle aus landeten wir zuerst in einem runden Gebäudeteil, wie ein dicker Turm mit einer Treppe, die sich um die Außenwand nach unten schlang. Dezente Beleuchtung, in der Außenwand kleine Vitrinen mit Informationen rund um dänisches Design, Schwerpunkt: Stühle.
Dänische Designerstühle sind weltbekannt, viele von uns haben sicher schon auf den klassischen Bürostühlen mit der runden Rückenlehne und schmalen "Taille" gesessen. Stühle, die zum Teil mehrere Jahrzehnte alt sind, wirken immer noch aktuell und schön.
Malerei: Als wir dort waren, gab es eine Ausstellung einer dänischen Künstlerin, die im 20. Jahrhundert gelebt und gearbeitet hat, von verschiedenen Strömungen beeinflusst, und deren Entwicklung an einer Reihe von Exponaten dargestellt wurde. Ich habe mich nicht bei jedem Gemälde lange aufgehalten, weil mein Schatz sonst nervös geworden wäre. Aber die verschiedenen Perioden in einem Gesamtwerk zu sehen, fand ich spannend.
Ein weiterer Teil zeigte Werke dänischer Maler aus den 1970ern und 1980ern unter dem Titel
"Colourful". Diese Bilder - sehr farbige, mit groben Pinselstrichen gemalte Motive, häufig Personen - gaben mir ein Gefühl, als habe der Künstler unter Drogen gestenden, so grell, schrill und drastisch waren sie.
Was mir an Trapholt allerdings sehr gut gefiel: es gibt dort für Kinder jede Menge Möglichkeiten, sich mit der Kunst auf spielerische Art auseinander zu setzen. Ecken, an denen sie Bilder nachmalen können, ihre eigene Interpretation davon geben. Ein Quiz, das sie durch das Museum führt und dazu bringt, genau hinzuschauen. In der Designabteilung Stuhlmodelle zum Benutzen, um die Wirkungen der unterschiedlichen Bauweise zu studieren, und "Grabbelwände", bei denen man in Löcher fasst, um die unterschiedlichen Materialien zu erspüren, bevor man sie auf der anderen Seite in Acrylglaskugeln sehen kann.
Und auch für große Spielkinder wie mich gibt es ein interessantes Projekt: Die Ausstellung der Woche.
In einer großen Halle stehen auf einer Seite eine Reihe unterschiedlichster Stühle, in der Mitte jede Menge Skulpturen und auf der anderen Seite ist die Wand behängt mit Bildern in allen Größen und Stilen.
Am Eingang zu dieser Halle findet man eine Menge Klemmbretter mit fünf "Aufhängern" darauf. An einem hängt bereits ein Kärtchen mit einem Gemälde.
Aufgabe: Man darf selber Museumsdirektor spielen und soll rund um dieses Gemälde eine Ausstellung gruppieren. Zu jedem der aufgebauten Werke gibt es kleine Kärtchen, die an die Aufhänger gepinnt werden. Ist die eigene Auswahl komplett, gibt man ihr einen Namen, schreibt auf dem Blatt kurz, was man sich dabei gedacht hat und kann an einem Computer noch passende Hintergrundmusik aussuchen. Dann noch Name und Mail-Adresse drauf und am Ende der Halle abgeben.
Dort steht gerade die Ausstellung der laufenden Woche und aus all den neuen Vorschlägen wird dann - ich vermute vom Chef des Ganzen - die Ausstellung der nächsten Woche ausgewählt.
Mit dieser Aufgabe haben wir die Zeit überbrückt bis zu einer Führung am Mittag durch
"Arne Jacobsens Sommerhaus". Der Designer hat 1970 ein Konzept für ein wachsendes Haus entworfen. Würfelförmige Elemente mit einer Grundfläche von 10 x 10 Metern können zusammengestellt werden, so dass ein Paar mit einem kleinen Haus starten kann, es mit Kindern erweitert oder auch im Alter wieder verkleinert. Die komplette Inneneinrichtung ist ebenfalls von Jacobsen entwickelt und wirkt schlicht und funktional.
Der Prototyp wurde für eine Messe gebaut und ist bis heute das einzige Exemplar. Einerseits war es für den damaligen Geschmack anscheinend zu modern, andererseits auch etwas teuer für Durchschnittsverdiener. Dazu starb Jacobsen kurz nach der Messe und die mit ihm zusammen gegründete Produktionsfirma wurde aufgelöst.
Eigentlich schade, denn die Idee gefiel uns gut.
Insgesamt ein vielseitiges Museum, dass uns den Regentag angenehm verkürzt hat.
Und am Nachmittag kam dann wieder die Sonne heraus. Alles gut also.