Freitag, 3. Juli 2009

Ab geht's in den Urlaub

Ihr Lieben!

Für uns geht es morgen früh in den 3-Wochen-Sommerurlaub. Ursprünglich wollten wir ja nach Dänemark und eine Jütland-Rundtour machen. Allerdings sieht es wettertechnisch im Norden für die nächste Woche übel aus: regnerisch und kalt. Also haben wir gestern Abend beschlossen, die Richtung zu ändern und fahren an die nordspanische Atlantikküste mit Schwerpunkt Galizien. Das ist schon länger ein Wunschziel, weil diese keltische Gegend so ganz anders sein soll als das übrigen Spanien.

Das Wohnmobil ist weitgehend gepackt, die Blumen sind gegossen und heute Abend hängen wir noch ein bisschen vor dem Fernseher. In den nächsten drei Wochen ist dann nix mit TV, aber das vermisse ich im Urlaub auch nicht. Den PC dann schon eher, weil mir der Kontakt zu euch schon ein bisschen fehlt. Aber das ist eben Urlaub.

Neben Reiseführer und Karten habe ich einen dicken Stapel Bücher eingepackt, Schreibzeug, Malzeug, Strickzeug und Fotoapparat. Mal sehen, wann ich wozu Lust habe. Ich werde es genießen, nichts wirklich zu müssen.

Liebe Grüße und bis Ende Juli,
Eure Uta

Donnerstag, 2. Juli 2009

Verspielt (6)

"Ich könnte kotzen!"
Heike war aufgesprungen und hatte dabei ihr Glas umgestoßen. Der Rotwein bildete eine blutige Lache auf den Steinfliesen.
"Du hast schon damals alles kaputt gemacht", fuhr sie Corinna an und schlug mit der Hand auf die Lehne der Ledercouch. "Du hast immer nur getan, was du wolltest. Ohne Rücksicht auf Verluste. Immer nur Ich, Ich, Ich."
Sie schnaufte und holte tief Luft. Die anderen starrten sie sprachlos an.
"Beruhige dich doch, Schatz", murmelte Manfred und verstummte unter Heikes Blick. Dirk studierte betreten das Teppichmuster. Nur Corinna lehnte sich entspannt zurück.
"Endlich kommst du aus dir raus", sagte sie und nippte an ihrem Wein. "Hast du all die Jahre diese Wut auf mich mit dir herum getragen? All die Jahre?" Sie hob die Augenbrauen. "Ich dachte, du hättest mir die Sache mit dem kleinen Bozo verziehen."
"Es geht nicht um Bozo", fauchte Heike. "Nicht nur. Es geht um Verantwortung. Ein Begriff, der anscheinend nicht zu deinem Wortschatz gehört."
Corinnas Augen funkelten.
"Jetzt kommen wir der Sache also näher. Verantwortung."
"Ja, Verantwortung. Du hast immer nur gespielt. Wenn es ernst wurde, hast du gekniffen und bist abgehauen. Wie damals nach dem Abi."
Heike warf einen Blick auf Dirk, der den Schlagabtausch der Frauen inzwischen gespannt beobachtete.
"Ich will dir mal was sagen, Heike." Corinnas Stimme vibrierte dunkel. "Wenn ich gespielt habe, dann mit offenen Karten. Ich habe jedem klar gemacht, dass ich meinen Weg gehen will. Meinen, verstehst du? Jeden Schritt habe ich getan, weil ich das wollte. Nicht, weil es so üblich ist oder weil ich dadurch Ansehen gewinne oder Geld oder ..."
Sie trank ihren Wein aus und stand auf.
"Ich glaube, ich gehe jetzt besser. Manfred, danke dir für die Einladung. Es tut mir leid, dass ich euch den Abend versaut habe."
Manfred reichte ihr die Hand.
"Du hast den Abend nicht versaut, Corinna. Wir haben den Sinn des Spieles anscheinend aus den Augen verloren. Ich zumindest sehe jetzt Ziel und Regeln wieder deutlicher."
Heike drehte sich um und verließ mit steifen Schritten den Raum.



* * E N D E * *

Mittwoch, 1. Juli 2009

Verspielt (5)

"Schon wieder in den Knast!"
Dirk stöhnte und setzte seine grüne Spielfigur in das Monopoly-Gefängnis.
"Bin ich eigentlich der Einzige, dem das passiert? Mir ist es ein Rätsel, warum ihr immer nur zu Besuch vorbei kommt."
Er schaute Trost heischend zu Corinna. Die würfelte gerade, zog sieben Felder weiter und jubelte: "Schlossallee! Schlossallee!"
Blitzschnell zählte sie Geld ab, nahm von Heike die Besitzkarte entgegen und erklärte:
"Ich baue Häuser. Je zwei auf die Parkstraße und die Schlossallee. Und dann werden wir sehen, wer zuerst Miete zahlen muss."
Sie zwinkerte Manfred zu, dessen Spielfigur nur wenige Felder von Corinnas Besitztümern entfernt stand.
"Übernimm dich nicht", zischte Heike, zählte sorgfältig das Geld und warf der früheren Freundin vier kleine, grüne Häuschen hin.
"Hättest doch mitspielen sollen", meinte die, stellte die Klötzchen in eine Reihe und reichte die Würfel an Manfred weiter.
Eine Weile hörte man nur das Klicken der Würfel und das Tippen der Spielfiguren. Ab und zu ein "Ich kaufe" oder "Miete bitte". Dirk wanderte aus dem Gefängnis auf ein Gemeinschaftsfeld, sollte seine Häuser renovieren und lachte, weil er noch keine besaß.
Die Weinflasche leerte sich schnell und Manfred öffnete eine neue.
"Wie lange wollen wir eigentlich spielen?", wollte Heike wissen. "Wir haben gar nichts ausgemacht."
"Bis ich gewonnen habe", kokettierte Corinna. "Oder muss einer von euch morgen früh aus den Federn?"
Dirk und Manfred schüttelten den Kopf. Heike seufzte.
"Sagt mal, hat das immer schon so lange gedauert? Haben wir uns wahrhaftig die Nächte um die Ohren geschlagen für ein albernes Spiel?"
"Haben wir. Früher haben wir dabei von der Zukunft geträumt", sagte Dirk. "Von unseren Karrieren und wie wir die Welt verändern wollen."
"Und dann hat die Welt uns verändert", ergänzte Manfred bitter. "Abschied von all den Träumen und hehren Zielen. Puff, und schon bist du in der Wirklichkeit angekommen."
"Ist aber eine recht komfortable Wirklichkeit, oder?", fragte Corinna und sah sich im Raum um.
Manfred nickte. "Um den Preis von viel Stress, wenig Freizeit und noch weniger Freiheit."
Er sah Corinna direkt in die Augen.
"Ich glaube, du hast das besser gemacht als wir."
Mit einem Klirren zerbarst Heikes Weinglas auf dem Schieferboden.

Dienstag, 30. Juni 2009

Verspielt (4)

Heike pustete imaginären Staub von der Schachtel, ehe sie den Deckel öffnete.
"Ich übernehme die Bank. Ich mag heute nicht um Grundstücke und Häuser schachern."
Sie klappte den Spielplan auseinander, während die drei zukünftigen Immobiliengroßgrundbesitzer die Gläser auf dem Tisch zur Seite räumten.
"Ich möchte bitte die rote Figur", sagte Corinna und sah die beiden Männer an, ohne wirklichen Widerspruch zu erwarten.
"Grün oder Blau?" Manfred hielt die Holzmännchen in die Höhe.
"Grün ist die Hoffnung, oder?", grinste Dirk und griff zu.
Heike legte die Stapel mit den Ereigniskarten in die Spielfeldmitte und breitete die Geldscheine vor sich aus.
"Du bekommst so ein gieriges Glitzern in die Augen", stichelte Dirk und Heike verzog die Lippen.
"Um was spielen wir?", wollte Corinna wissen und die anderen sahen sie verblüfft an.
"Stimmt", meinte Manfred, "früher hatten wir immer einen Jackpot. Irgendwie hat das den Reiz erhöht."
Heike neigte den Kopf und überlegte kurz.
"Ich hätte da was." Sie verschwand kurz aus dem Zimmer und kam mit einem Briefumschlag zurück.
"Ein Gutschein. Ich verrate euch nicht, wofür und wieviel er wert ist. Aber ich garantiere euch, er ist noch gültig. Ich stifte ihn als Preis für den Sieger dieser Partie Monopoly."
Corinna, Dirk und Manfred starrten sie an, dann griff Corinna zu den Würfeln.
"Lasst uns beginnen!"

Montag, 29. Juni 2009

Verspielt (3)

"Ich ... ich glaub's nicht!", stammelte Dirk, als Corinna in den Raum rauschte.
Sie war fast 1,80 Meter groß, schlank und trug die schulterlangen Haare offen. Die dunklen Locken wippten bei ihren federnden Bewegungen. Sie streckte die Hand aus, als sie Dirk erreichte.
"Hi, wie geht's dir? Schön euch alle zu treffen."
In ihr Deutsch mischte sich ein englischer Akzent.
Dirk ließ ihre Hand erst los, als Manfred ihn von der Seite anstieß.
"Willkommen, Corinna", sagte er, "setz dich doch. Was möchtest du trinken?"
Er füllte ein Glas mit Wein, ein zweites mit Wasser und reichte beide der früheren Schulfreundin.
Heike brach das Schweigen, das sich nach dem Anstoßen zwischen ihnen ausgebreitet hatte wie zäher Teig.
"Hast du dich schon wieder eingelebt hier? Nach all den Jahren?"
Corinna schüttelte den Kopf.
"So schnell geht das nicht. Es ist schon ein Unterschied, ob du zu Besuch hier bist oder ob du wieder in dieser Stadt leben willst. Ich bin zuerst zu meiner Mutter gezogen, damit ich in Ruhe nach einer Wohnung suchen kann."
"Bei mir im Haus wird demnächst eine frei", sagte Dirk und wurde ein bisschen rot, als Corinna ihn anlächelte.
"Fein, die schaue ich mir gerne mal an."
Dann sah sie Manfred in die Augen.
"Nächsten Monat ist die Abi-Revival-Feier. Ich habe gleich zugesagt, als ich den Brief in den Händen hatte. Ihr geht doch bestimmt auch alle hin, oder?"
"Mal sehen", mischte sich Heike ein. "Wir haben uns noch nicht entschieden."
Manfreds Kopf ruckte erstaunt zur Seite.
"Wäre schon toll, wenn viele kämen", plauderte Corinna unbefangen. "Ich habe bei Mama gestern in unserer alten Abi-Zeitung gestöbert. Sie hat sie wirklich aufgehoben. Diese Fotos damals! Erinnert ihr euch noch an Bozo?"
"War das der Kleine mit den strubbeligen Haaren?", wollte Heike wissen und Dirk musste lachen.
"Strubbelige Haare hat er immer noch, allerdings inzwischen deutlich weniger."
"Die Mutprobe mit dem Seil wäre fast schief gegangen", sagte Manfred nachdenklich. "So eine verrückte Sache, vom Schuldach runterzuklettern. Verdammt, das waren drei Stockwerke. Er hätte sich das Genick brechen können."
Die anderen schwiegen verlegen. Sie alle erinnerten sich, für wen der kleine Bozo damals den Helden spielen wollte.
"Beim Aufräumen habe ich das alte Monopoly wieder gefunden", versuchte Heike einen Themenwechsel.
"Meine Güte, das haben wir gespielt bis zum Umfallen. Ist uns nie langweilig geworden, oder?" Corinna sah von einem zum anderen. "Ich weiß gar nicht, ob ich das heute noch könnte."
"Na los!" Manfred grinste seine Frau an. "Hol die Kiste schon her. Tun wir so, als wären wir wieder achtzehn."

Sonntag, 28. Juni 2009

Sie sind da !



Gestern kamen sie mit der Post. Und sie sind soooo schön geworden !

Meine Mama hat gleich eins gekauft. Sie will die Bücher nie geschenkt haben, und ich habe natürlich nichts dagegen. ;-)

Ein ganz dickes Danke an den hs-Literatuverlag !

Samstag, 27. Juni 2009

Verspielt (2)

"Habt ihr auch eine Einladung bekommen?"
Dirk räkelte sich im Sessel und schaute von Manfred zu Heike.
"Ja, kam gestern mit der Post", sagte Manfred. "Gehst du hin?"
Dirk zuckte mit den Schultern.
"Weiß ich noch nicht. Irgendwie albern, die alten Schulkollegen zwanzig Jahre nach dem Abi zusammenzutrommeln. Ich glaube nicht, dass man sich da mehr zu sagen hat als: 'Wo wohnst du? Was machst du?' Zwanzig Jahre, da gibt's doch kaum noch Berührungspunkte."
"Ich bin schon neugierig, wie die anderen jetzt wohl sind." Heike reichte Manfred eine Weinflasche und den Korkenzieher. "Und die Klausuren bekommen wir auch ausgehändigt. Erstaunlich, was man damals alles über die deutsche Romantik oder über Exponentialfunktionen wusste."
Manfred zog mit einem leisen Plopp den Korken aus der Flasche und roch daran.
"Keine Ahnung, ob ich davon heute noch irgendetwas könnte. Aber das brauche ich ja auch nicht."
Er schenkte zuerst sich einen kleinen Schluck ein, dann füllte er die anderen Gläser und goss zuletzt sich selber nach. Heike hob ihr Glas und prostete den Männern zu.
"Auf die Schule, und dass wir sie lange hinter uns gelassen haben!"
"Auf die Schule!", antworteten Manfred und Dirk.
Die Türglocke meldete einen weiteren Gast.

Freitag, 26. Juni 2009

Verspielt (1)

Endlich habe ich die Kurzgeschichte angefangen, zu der ihr mir hier die Stichworte gegeben habt. Heute ist noch keins dabei, aber das kommt schon noch ..."

* * * * * * * * * *

"Du bist doch nicht sauer, oder?"
Manfred sah seiner Frau zu, wie sie Teller aus der Spülmaschine holte und in den Schrank räumte. Das Porzellan klirrte vernehmlich.
"Wie kommst du darauf?"
Heike stellte die Kaffeebecher in eine Reihe, schloss die Schranktür und drehte sich grinsend zu ihrem Mann um.
"Versuch's nicht mit Geschirrpsychologie, Schatz."
Manfred grinste zurück.
"Ist schon ein witziger Zufall, dass ich Corinna heute in der Stadt getroffen habe. Sie ist gerade mal drei Monate aus Glasgow zurück. Fast zwanzig Jahre haben wir sie nicht mehr gesehen, ich musste sie einfach einladen."
"Du brauchst dich nicht zu rechtfertigen." Heike lehnte mit dem Rücken am Küchenschrank. "Ob wir heute Abend zu dritt oder zu viert sind, ist doch egal."
Sie runzelte die Stirn.
"Sag mal, war Dirk nicht damals wahnsinnig in Corinna verknallt? Der wird Augen machen, wenn er gleich kommt."
Manfred zog die Luft durch die Nase ein.
"Au weia, das hatte ich komplett vergessen. Muss kurz vor dem Abi gewesen sein. Wenn wir nicht in alle Himmelsrichtungen ausgeflogen wären, das hätte noch was gegeben mit den beiden."
"Fast zwanzig Jahre." Heike zupfte an einem grauen Haar und riss es entschlossen aus. "Da besteht bestimmt keine Gefahr mehr. Stell doch schon mal Gläser auf den Couchtisch, ich suche was zum Knabbern."
Der Dreiklang-Gong rief sie stattdessen zur Haustür.

(Fortsetzung folgt)

Auf Travellers Pfaden

unterwegs durch Prosa und Lyrik

Ins Wolkenlicht geschrieben

Cover-Lyrikband

Mein erster Lyrikband ...

... ist Mitte Juni im hs-Literaturverlag, Wien, erschienen. Bestellungen sind bei mir möglich (signiert und/oder mit Widmung, wenn gewünscht) oder über die Verlagsseite. genaueres findet ihr hier

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