Donnerstag, 15. Mai 2008

Spukt es oder spukt es nicht? (Forts.)

Bei unserem ersten Besuch in der Pfalz haben mein Vater und ich aus einer Laune heraus beschlossen, ein paar Informationen über die Burgen bei Dahn herauszufinden. Wir sind in den Ort, genauer gesagt in die Bahnhofsgaststätte gegangen und haben uns mit dem Wirt unterhalten.
Der stammte aus Norddeutschland, aber wie es mit Zugereisten meist so ist, hatte er sich ausgiebig für seine neue Heimat interessiert und mit der Geschichte beschäftigt. Er erzählte uns ein paar nette Details aus der Geschichte der Burgherren. Allerdings waren die rundum harmlos. Wir hatten aber vor, eine Moritat zu dichten, Papa und ich. Also haben wir uns beim Wirt bedankt, sind zum Campingplatz zurückgefahren und haben uns selber etwas ausgedacht. Das Ergebnis könnt ihr morgen lesen.

Aber wir wären nicht wir gewesen, wenn uns das reimen gereicht hätte. Zur Moritat mussten passende Bilder her. Also sind wir am Tag vor unserer Abreise nochmal zur Burg hinauf gekraxelt. Bepackt mit einem weißen Bettlaken, einem blauschimmernden Schal, Schminkutensilien und Penaten-Creme (diese fette, weiße, die man Babys an den Hintern schmiert).
In einer geschützten Ecke habe ich mich in das Gespenst eines bösen Burgfräuleins verwandelt. Die Haare zusammengebunden, das Gesicht mit der Creme totenbleich gefärbt. Kajal schafft dunkle Augenringe und Lippen, blauer Lidschatten kann die Wangen herrlich hohl erscheinen lassen. Das Bettlaken eng um den Kopf befestigt, den Schal darüber wehen lassen und schon konnte ich spuken
Am hellichten Tag und bei blauem Himmel bin ich heulend aus Türnischen geschwebt, habe grausam in die Ferne geblickt und allerlei schaurige Grimassen gezogen. Und Papa hat ein Bild nach dem anderen gemacht.
Plötzlich hörten wir Stimmen, eine Familie stieg die Wendeltreppe hinauf. Ich verschwand wieder in meiner Nische. Und als Vater, Mutter und Sohn in das Gewölbe traten, konnte ich meine Verkleidung auf Wirksamkeit testen.

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