Dienstag, 2. November 2010

Nicht mal ein Grinsen ...

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... war zu sehen von Maurice, dem Kater. Er war komplett unsichtbar. In meinen Augen stand blanke Panik, der Adrenalinspiegel schwang sich zu ungeahnten Höhen auf und mein Herzschlag trommelte schneller als die Füße beim Flamenco.
War mir der Kater nach draußen entwischt? In die unbekannte, bedrohliche Welt jenseits der Hausmauern? Das konnte nicht sein. Wie denn? Ich hatte die Kellertür fest hinter mir geschlossen, als ich den Müll hinaus brachte. Und auch die Haustür, als ich mit den Gemüseabfällen zum Kompost ging. Oder war sie nur angelehnt und Maurice hatte sich Ausgang verschafft? Ich wusste es nicht mehr genau, ich wusste nur: der Kater war verschwunden.
Zuletzt hatte ich ihn im Keller gesehen, in der Nähe der Treppe. Ich ging davon aus, dass er nach oben gehuscht war und entweder im Arbeitszimmer oder ein Stockwerk höher in irgendeiner Ecke hockte. Also suchte ich das Haus von der Speichertreppe bis zur Kellertür ab, begleitet von Katze Amélie, die mit ihrem steten Maunzen den Kater zu rufen schien. Ich schaute hinter jede Tür, in jede Ecke, unter Treppenstufen und Heizkörper, auf Schränke und Regale. Nichts. Ich lockte, lauschte, wartete. Nichts. Ich öffnete Zimmertüren, die seit Stunden verschlossen waren. Ich öffnete Schranktüren und stierte hinein. Nichts. Woher auch. Aber wo war Maurice?
Ich schaute auf die Uhr. In fünf Minuten kam meine erste Nachhilfeschülerin für diesen Nachmittag. Also Tee gekocht und ab an den Schreibtisch. Katze Amélie ließ sich auf einem Kissen nieder und hielt ihren Schönheitsschlaf. Ich versuchte, mich auf Matrizenrechnung und Vektoren zu konzentrieren. Bei jedem leisen Knacken oder Knirschen fuhr ich auf. Kein Kater. Dann ein leises Klacken auf dem Flur. Als ich die Tür öffnete, sah ich gerade Maurice' buschigen Schwanz durch die Katzenklappe verschwinden. Mein erleichtertes Seufzen war vermutlich bis zu den Nachbarn zu hören. Der Kater war im Haus, egal wo er sich versteckt hatte, er war nicht draußen, er hatte sich nicht verirrt, er war in Sicherheit.

Am Abend erzähle ich meinem Schatz von dieser nervenaufreibenden Episode. Er geht natürlich ebenfalls auf Kater-Suche und entdeckt ihn im Keller. Auf dem Kühlschrank, also etwa in unserer Augenhöhe. Da war er am Nachmittag garantiert nicht, aber egal. Ich freue mich einfach, dass er da ist.
Etwas später hockt unter der Kellertreppe und ich beschließe, ihn mit Futter ins Erdgeschoss zu locken. Ich gehe nach oben, fülle den Napf mit frischem Dosenfutter und gehe zurück in den Keller. Wo ist der Kater? Nein, nicht schon wieder! Ich weiß, er muss da sein. Irgendwo da unten. Er ist nicht durch die Katzenklappe in den Flur gekommen.
Holger sieht meinen irren Blick, schüttelt den Kopf und gemeinsam machen wir uns wieder auf die Suche nach Maurice. Was haben wir da für ein Zaubertier aus dem Heim geholt? Die Türen zu Vorrats- und Heizungskeller und zur Garage sind fest verschlossen, im offenen Kellerbereich gibt es kaum Möglichkeiten sich zu verstecken. Der Kater muss sich unsichtbar gemacht haben
Da fällt unser Blick auf das Schränkchen unter dem Kühlschrank. Eine halboffene Holzkiste, selbstgebaut, damit man sich nicht so bücken muss, wenn man Getränke aus dem Kellerkühlschrank holt. Wir schauen uns an. Wie sieht die Kiste eigentlich von hinten aus? Kann man da drunter? Kater kann. Mit Spiegel und Taschenlampe entdecken wir in der kleinen Höhle seine grünen Augen im wilden Fell. Wir lassen ihn in Ruhe und hoffen, dass er irgendwann heute Abend Hunger bekommt und sich wieder blicken lässt.

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