Montag, 28. Februar 2011

Fragment

.

Atempause unter freiem Himmel. Die Sterne funkeln, das wird eine eisige Nacht. Wie meistens, denn nur selten haben wir eine dünne Schleierwolkendecke, die etwas von der Hitze des Tages zurückhält.
Ich lege den Kopf in den Nacken, so weit es mein Anzug und die Kappe zulassen. Der Mond hüllt mich in sein Licht. Ich starre blanken Auges hinauf und genieße den Anblick der hellen Scheibe, dieses Spiegels, der es erlaubt, das ich ihn ansehe.
Nicht so wie seine Herrin, die Sonne, die jeden erblinden lässt, der es wagt, in ihr grelles Strahlen auch nur hinein zu blinzeln. Die Sonne, die Tag um Tag unsere dünne Atmosphäre zum Kochen bringt und uns in unsere Schutzanzüge zwingt, wenn wir uns außerhalb der abgeschirmten Gebäude bewegen wollen.
Wenn es nur die Anzüge wären, könnte ich damit leben. Aber das ständige Tragen der Kappen mit den dunklen Visieren macht mich langsam verrückt. Wenn du mit einem Gegenüber sprichst, kannst du die Augen nicht sehen, nur dieses spiegelnde Visier, diese Klappe, die dich ausschließt. Alle sehen gleich aus, verwechselbar, auswechselbar.
Immer sind sie um dich herum, diese Masken, immer gleich, als ob du dich in einem Spiegelkabinett vertausendfachst.
Hier draußen auf dem Dach bin ich allein, jedenfalls für eine kleine Weile. Hier kann ich die Augen freilassen, kann ihren Blick von den Sternen zum Mond schicken, vom Mond zu den Kakteen auf der Dachterrasse, diesen stacheligen Karikaturen von Bäumen, und wieder zum Nachthimmel hinauf.
Was haben die Menschen sich eingebrockt! Früher hieß es: "Man kann dem anderen nicht hinter die Stirn schauen." Seit der großen Explosion, seit der Verschiebung der Strahlenspektren, seit der Veränderung nicht nur unserer Umwelt sondern auch unserer Augen heißt es: "Man darf dem anderen nicht hinter die Stirn schauen."
Wir alle müssen Schutzmasken tragen. Schutz vor unerbittlichen Sonnenstrahlen und Schutz von den Blicken der anderen. Wahrung der Privatsphäre und Isolation gleichermaßen.
Ich höre Schritte, Stimmen im Treppenhaus. Die Tür zur Dachterrasse wird sich jeden Moment öffnen und Kollegen ausspeien. Ich klappe mein Visier herunter.



Das war der letzte Beitrag zum Thema "Masken", dem Schwerpunktthema für Februar.

Auf Travellers Pfaden

unterwegs - Geschichten, Gedichte und Bilder

Wolkenlicht und Meeresatem

Buchcover

Meine Bücher ...

... können am einfachsten über mich bestellt werden. Auf Wunsch signiere ich sie gerne. Schickt mir einfach eine Mail an: uta (ät) loeskenweb (punkt) de

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Auf zu neuen Ufern !
. Der Frühling steht vor der Tür und mit...
Uta-Traveller - 1. März, 08:34
Fragment
. Atempause unter freiem Himmel. Die Sterne funkeln,...
Uta-Traveller - 28. Februar, 13:53
ehrenWORT: Platzmangel!
Nochmal erst am Dienstag alle Beiträge dann...
Uta-Traveller - 27. Februar, 16:28
Zu Hause in Venedig
Vor zwei Wochen gab es im Fernsehen einen Dokumentarfilm,...
Uta-Traveller - 26. Februar, 20:01
Gelb-Rot-Blau
Mischtechnik auf Leinwand, jeweils 20 x...
Uta-Traveller - 25. Februar, 13:01

Achtung !

Texte und Bilder unterliegen - soweit nicht anders vermerkt - meinem Urheberrecht und dürfen nicht ohne vorherige Nachfrage kopiert, verändert oder verwendet werden. Wenn Interesse an einem Text oder Bild besteht, bitte ich, mich anzuschreiben.

AN ALLE KURT-FANS

Kurt soll noch viele Geschichten erleben. Kurt soll noch vielen Menschen begegnen. Habt Ihr Ideen für Kurt's Geschichten? Dann schreibt mir eine E-Mail an: uta at loeskenweb dot de

Suche

 

Status

Online seit 3804 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 8. August, 02:00

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page

twoday.net AGB


Advent 2009
Advent 2010
Advents-Geschichte
AMidP
Bilder
Bücher
ehrenWORT
Erlebtes
erzählt
Gereimtes
japanisch inspiriert
Kritzeleien
kurz und prosaisch
Kurzkrimis
Limericks
Lyrik
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren