Haus am Meer

Chateau

Ein Haus am Meer, ein Schloss mit wuchtigen Mauern aus graubraunen Natursteinen. Die Zinnen des Bergfrieds überragen Türmchen mit spitzen Hüten, wie sie die Frauen im Mittelalter getragen haben. Als Schleier eine Fahne.
Eine kleine Burg auf einer Felsnase, an drei Seiten von Wasser umgeben. Abstand zur Straße, auf der im Sommer die Touristen in Scharen vorbeiziehen.
Blicke aus Fenstern mit weißen Rahmen und weißen Läden.
Blicke aufs Land, auf dürre Wiesen mit wildem Fenchel und Disteln, auf struppige Hecken und windgedrückte Bäume.
Blicke entlang der Küste, über Steine, Felsen, Klippen und Strände.
Blicke aufs Meer, das nicht enden will am Horizont, das täglich, stündlich, von Minute zu Minute sein Aussehen ändert, freundlich blau gekräuselt, dann wieder graugrün und aufgewühlt unter den Schaumkronen.
Im Sommer Rückzug vom Lärm des Alltags, vom Stress, manchmal auch von den Menschen. Nachdenken, in sich hinein hören, auf die Natur hören. Das Kreischen und Lachen der Möwen, das Raunen und Flüstern des Meeres, das Knirschen von Kies und Sand unter den Füßen beim Strandspaziergang.
Und im Winter? Wenn das Meer mit voller Wucht gegen die Felsen schlägt, wenn die Wellen brechen und die Gischt spritzt bis ans oberste Fenster, wenn Salzringe zurückbleiben, nachdem das Wasser vom steten Wind getrocknet wurde? Was wird im Winter, wenn die Touristen fort sind, wenn Nebel und Regen den Spaziergang am Strand zur ungemütlichen Pflicht machen, wenn der Wind um die Zinnen des großen Turms heult? Einsamkeit?
Geborgenheit. Außen die Natur, die vergeblich gegen die Mauern anrennt, innen ein gemütlich prasselndes Feuer im offenen Kamin. Zeit für Bücher, Zeit für Menschen. Treffen mit Freunden, ein ausgiebiges Abendessen und lange Gespräche mit einem guten Glas Wein in der Hand.
Ein schöner Traum. My home, my castle, mon chateau.

(© U.L., August 2005; ist schon älter)

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