Freitag, 8. Februar 2008

Dünenwanderung

Schnurgerade zieht sich der Weg vom Parkplatz nach Westen. Auf beiden Seiten sanft gewellter Boden, die struppigen Sanddornsträucher noch kahl vom Winter. Gelbes Gras weht im kräftigen Wind, der uns die Schals enger ziehen lässt. Es ist elf Uhr vormittags und Sonne drängt die Wolkenherden an den Horizont.
Kaninchenlöcher säumen den Weg. Wild lebende Pferde soll es hier geben. Das Gelände ist groß und wir sehen keine Tiere, dafür ihre Hinterlassenschaften. Über uns stehen Möwen in der Luft und auf einer verkrüppelten Birke hockt eine Krähe.
Wir wandern am Rande eines Naturreservates entlang, das nur zu bestimmten Zeiten im Jahr betreten werden darf, um den Tieren Rückzugsmöglichkeiten zu bieten. Denn Westerschouwen in Zeeland ist ein Touristenmagnet.
Jetzt, an Karneval, ist es vergleichsweise ruhig, die Ferienhausparks nur zum Teil belegt und die Parkplätze noch gebührenfrei. Allerdings haben auch viele Geschäfte und Lokale geschlossen oder bereiten sich erst langsam auf den Saisonbeginn vor.

Das offene Gelände geht in einen lichten Kiefernwald über. Der Weg wird sandiger, steigt allmählich. An einer Gabelung wählen wir den rechten Zweig, folgen den grün geringelten Markierungspfählen in die Dünen. Mühsame Anstiege in tiefem Sand wechseln mit ebenen Pfaden und Abhängen, die wir lachend hinunterschlittern. Mal ist der Weg breit wie eine Landstraße, dann so schmal, dass wir uns hintereinander zwischen den dornigen Zweigen durchwinden.
Wir sind fast eine Stunde unterwegs und haben das Meer noch nicht gesehen. Wir wandern parallel zur Küste, schlagen einen großen Bogen und genießen die Ausblicke auf eine wüstenartige Landschaft.
Eine überdimensionale Zuckerstange, rot-weiß-geringelt, schiebt sich in unser Blickfeld: der Leuchtturm von Haamstede. Ein Dünenkamm weiter und das Meer liegt vor uns. Bis zum Horizont und darüber hinaus Wasser, graugrün mit weißen Schaumkronen, überspannt von blauem Himmel. Wir schauen einfach nur, lassen uns vom Wind den Atem nehmen und genießen die salzige Luft und das Gefühl von Weite.

Zurück geht es am Strand entlang, immer dicht an der Wasserkante, denn hier ist der Boden feucht und fest. Muscheln, Blasentang und halbverrottetes Holz bilden Muster auf dem feinen Sand. Jede Welle verändert das Mosaik, fügt Teile hinzu, nimmt andere mit sich fort. Das Gesamtbild bleibt trotz des steten Wechsels gleich.
Strandläufer huschen vor uns davon. Möwen starten kreischend von den Buhnen, wenn wir ihnen zu nahe kommen.
Immer wieder bleibe ich stehen, fotografiere die brechenden Wellen, die Gischt an den Holzpfählen, die Wolken. Ich kann mich nicht satt sehen an diesem Überfluss. Ich könnte ständig "Ah" und "Oh" ausrufen. In mir spüre ich mit jeder Welle, die am Ufer ausläuft eine Resonanz, die mir sagt: Du bist zu Hause.
lylo - 9. Februar, 02:03

so schön

zum mitwandern.

ps: ja, ja, nur weiter so ;-)))

Uta-Traveller - 9. Februar, 09:25

danke

ps: mach ich ;-))
kathrin (anonym) - 9. Februar, 15:34

das macht meerweh beim lesen...

lg,
kathrin

Uta-Traveller - 9. Februar, 16:08

und es ist sooo viel Meer da auf der Erde ;-)
Wally P. (anonym) - 11. Februar, 08:45

Es war entspannend

...mit dir zu wandern, liebe Uta. Und in den kurzen Wörtchen "Ah" und "Oh" liegt so viel Freude und berührtes Erstaunen...ich glaube, es gibt keine `normalen´ Worte, die dieses Empfinden so spürbar machen können, wie diese beiden kurzen Silben!

Zu Hause sein - dazu kann ich aus eigerner Erfahrung sagen: zu Hause ist überall dort, wo man sich wohlfühlt. Vielleicht deshalb weil man - wenn man sich wohlfühlt - `zu Hause in sich´ ist...?

Einen guten Start in die Woche
wünscht dir Wally

Uta-Traveller - 11. Februar, 09:21

"zu Hause in sich" - das ist ein sehr schöner und treffender Ausdruck, liebe Wally

sonnige Grüße
Uta

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