Mittwoch, 20. Februar 2008

Wo bleibt die Zeit? - unsortierte Gedanken (Teil 2)

Wo bleibt die Zeit? Wo bleiben alle diese Sekunden, Minuten, Stunden, die an uns vorbeiziehen? Wer denkt jetzt nicht an Michael Endes Geschichte vom Mädchen Momo und den Zeitdieben? Graue Männer mit glimmenden Zigaretten im Mund überreden die Menschen, ihre Zeit zu sparen, sie nicht unnütz auszugeben. Die Menschen beginnen, die Zeit zu verplanen. Ihre Zeit wird umso rarer, je mehr sie damit geizen. Sie haben plötzlich keine Zeit mehr für Freundlichkeit, für ihre Mitmenschen. Sie werden gehetzt und unzufrieden, können sich aber nicht an die grauen Männer erinnern, wissen also nicht mehr, wie sie in ihre unglückliche Situation geraten sind. Erst das kleine Mädchen Momo befreit die gestohlene Zeit und gibt sie den Menschen zurück.
Oft bräuchten auch wir eine Momo, denn wir sind gefangen in Terminen, in Zeitplänen, gefangen zwischen den Minuten und Stunden. Wir leben im Takt mit dem schwingenden Quarz an unserem Handgelenk. Er fordert und wir folgen. Unsere innere Uhr übertönt er, selbst wenn wir sein Ticken nicht hören können. Oft genug leben wir gegen diese innere Uhr, gegen unsere Natur. Die Konsequenzen erfahren viele Tag für Tag am eigenen Körper und an der Seele. Unruhe, Unzufriedenheit, Unglücklichsein, bis hin zur Krankheit, zum Burn-out. Getrieben von der Zeit in einen zeitlosen Zustand des Nicht-mehr-Könnens.
Und wie genießen wir es dagegen, wenn wir uns Zeit nehmen dürfen, wenn wir die Zeit mit vollen Händen verschwenden, wenn wir tief durchatmen und den Blick in die Ferne schicken, weit weg von allen Uhren.

Wo bleibt die Zeit? Wo kommt sie her? Wo geht sie hin? Ist sie unendlich? Fängt sie irgendwann und irgendwo an? Gibt es einen Geburtstag der Zeit, einen Geburtsort? Stirbt sie? Hört sie einmal auf? So viele Fragen. Und was ist mit den Antworten? Die Künstler und die Philosophen haben sich mit der Zeit beschäftigt. Die Naturwissenschaftler, vor allem die Physiker.
Und die Zeit? Sie vergeht. Einfach so. Panta rhei - Alles fließt.
Fließt die Zeit wirklich? Worin fließt sie? Was ist ihr Flussbett, ihr Kanal? Hat sie eine Richtung? Strömt sie immer gleich von hier nach dort? Oder scheint sie nur zu fließen? Steht sie stattdessen ruhig da wie ein riesiger See, in dem sich die Menschen wie Fische bewegen? Umgibt sie uns wie tiefes Wasser? Können wir darin versinken, in der Zeit ertrinken? Schon wieder Fragen ohne Ende.

Fortsetzung folgt
Un Sourire (anonym) - 20. Februar, 20:58

Dem Glücklichen

schlägt keine Stunde heißt es.

Vor vielen, vielen Jahren schon habe ich meine treibende Handgelenkszeitnahmemaschine verbannt, habe gelernt Zeit zu spüren. Nötigenfalls sind heut zu Tage Uhren allgegenwärtig. Es besteht keine Not sich noch am Handgelenk mit der Zeit herum zu schlagen.
Wenn der Beruf den Mensch ausbrennt, so hat das mit der Zeit übrigens (gefühlt) weniger zu tun. Der nahe liegendere Grund findet sich im verlangten Arbeitspensum und vorhandenen Arbeitsumfeld.

Ein tibetischer Abt soll einmal gesagt haben: "was getan wurde ist fertig" als er nach dem Fertigstellungstermin seiner nicht halbfertigen Wandelhalle gefragt wurde.

Möglicherweise - in der Arbeit natürlich nicht sinnvoll - kann man diesen Gedanken ein Stück weit mit nach Hause nehmen........

Lächelnde Grüße,

Un Sourire

Uta-Traveller - 21. Februar, 07:59

Ich trage meine Armbanduhr ständig (außer beim Schlafen) und habe mich recht gut mit ihr arrangiert. Sie drängelt mich nicht, gibt aber immer freundlich Auskunft, wie viel Zeit ich noch habe bis zum nächsten Termin. ;-)

Ich denke auch, dass das zunehmende Ausbrennen von Menschen im Beruf mehr mit der steigenden Belastung zu tun hat. Immer weniger Menschen müssen ein bestimmtes Pensum erledigen, der Druck steigt. Irgendwann streikt dann der Körper und sagt: Zu viel ist zu viel. (Ist jetzt ein bisschen verkürzt gesagt.)

Deinen Abt mag ich. Und ich denke, er wird eine sehr angenehme Wandelhalle bekommen haben. Irgendwann.

Liebe Grüße
Uta
Wally P. (anonym) - 21. Februar, 09:46

Ich trage schon seit vielen Jahren keine Armbanduhr mehr. Was mich damals zu diesem Schritt veranlasst hat, weiß ich heute nicht mehr. Aber die positive Folge darauf war, dass ich seitdem nicht mehr ständig irgendwo zu spät ankomme, sondern pünktlicher zu Terminen erscheine, als das vorher, mit Armbanduhr, der Fall war. Vielleicht ist das auch nur ein Zufall, wahrscheinlich. Oder nicht?...*grübel*

Ich denke, ob die Zeit rast, einem davonläuft, oder ob sie gemächlich vergeht, das hängt viel vom persönlichen Zeitempfinden ab. Immer wieder habe ich den Eindruck, dass die Zeit unbarmherzig rast, wenn ich innerlich in Eile bin - und dass sie langsamer vergeht, wenn ich ohne Hast, Schritt für Schritt tue, was getan weden muss, nach dem Motto "In der Ruhe liegt die Kraft".

Was der Abt sagt, gefällt mir sehr gut! Weise Worte, die man sich öfter mal im Alltag vor Augen halten sollte.

Liebe Grüße
Wally

Uta-Traveller - 21. Februar, 13:11

Ich glaube auch, dass der Umgang mit der Zeit viel damit zu tun hat, wie sehr man sich unter Druck setzt, setzen lässt.
Wenn ich das Gefühl habe, gut organisiert zu sein, dann macht auch die Zeit keine Probleme.

Liebe Grüße
Uta
Mamü (anonym) - 21. Februar, 17:33

Die Zeit...

...eines meiner Lieblingsthemen. :-)
Manchmal denke ich, dass wir uns vielleicht zu viel mit der Zeit beschäftigen... ihr zu viel Aufmerksamkeit schenken... und dadurch viel Zeit ver-schenken.
Was ist Zeit? Vielleicht gar nichts Besonderes. Vielleicht IST Zeit einfach. Punkt. Doch wir messen vieles an der Zeit... wir bemühen uns Zeit zu sparen... doch wozu? Meist, um sie anderweitig zu verplanen... Ist es eigentlich wichtig, wie viel Zeit etwas braucht? Ich meine wirklich wichtig? Ich meine natürlich nicht die Dinge, wo ein Menschenleben davon abhängt, dass etwas schnell geht. Sondern die Fälle, wo es einfach nur darum geht schneller zu sein. Was bringt es mir, schneller zu sein? Bei einem Wettkampf den Sieg? Ja, für den Augenblick. Doch zukünftig bemühe ich mich noch schneller zu sein... und investiere viel Zeit, um es zu schaffen. Was bringt es mir bei der Arbeit oder anderen Pflichten? Dass ich noch mehr Arbeit und Pflichten erledigen kann. Und bei Hobbys? Ich könnte mehr Hobbys nachgehen oder von meinem Hobby mehr schaffen. Doch geht es nicht eher darum, in dem Moment etwas zu tun, das mich erfüllt?

Manchmal, wenn ich innehalte, dann bilde ich mir ein, zu spüren, wie die Zeit an mir vorbeifließt und mich anrempelt, weil ich stehen bleibe. Manchmal denke ich, dass mir alles viel zu schnell geht, dass ich nicht mitkomme, mit der Zeit. Oder wirkt es nur so?

Hmm... je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Fragen habe ich. :-)

Schöne Überlegungen, die du da aufgeschrieben hast.

Liebe Grüße,
Martina

Uta-Traveller - 22. Februar, 19:24

Viele Jahre, Jahrzehnte lang hieß es: immer schneller, beschleunigen, beschleunigen.

Inzwischen lese ich häufiger das Wort "Entschleunigen". In Büchern klingt es so leicht, den Druck rauszunehmen, einen Gang herunterzuschalten. Dabei ist auch immer der Ausgleich, die Balance zwischen Arbeit und Freizeit gemeint. Vor allem sollte man dann in der Freizeit nicht auch noch Hektik verbreiten vor lauter Hobbys und Aktivitäten.
Das heißt: Bereiche am Tag, in der Woche freischaufeln und diese dann einfach genießen, zu sich selber kommen.

Ich glaube, über diese Bereiche könnten wir noch ewig diskutieren.

Liebe Grüße
Uta
uwe Vitz (anonym) - 24. Februar, 08:31

Zeit

Hallo Uta,

echt viele Fragen.
Im Würfelversum gibt es einen Burschen namens Chronos, vielleicht kennt der einige Antworten.

Grüße aus der Würfelwelt

Uta-Traveller - 24. Februar, 09:25

Hallo Uwe,

dann sollten wir ihn fragen. ;-)

Ich weiß allerdings nicht, ob ich die Anworten wirklich wissen will. Vielleicht sind die Fragen spannender.

Liebe Grüße
Uta

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