Dienstag, 12. Oktober 2010

Kunstausflug nach Düsseldorf

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Wer fällt einem sofort ein, wenn ich im Zusammenhang mit dem Wort "Kunst" die Begriffe "Fett" und "Filz" nenne?
Den meisten wahrscheinlich Joseph Beuys, Allround-Künstler mit starkem gesellschaftspolitischem Engagement. Der Mann mit dem Filzhut, hager, asketisch wirkend, zu Lebzeiten starke Präsenz in den Medien, Auslöser vieler Kontroversen und Diskussionen um die Frage "Was ist Kunst?" oder "Ist das überhaupt Kunst?".

Eines seiner bekanntesten Werke ist wohl die "Badewanne", eine Kinderbadewanne auf einem Gestell, ursprünglich mit Vaseline beschmiert, mit Heftpflastern und eingefetteten Mullbinden beklebt. Bekannt, weil sie in einem Abstellraum gelagert war und von Menschen, die in den vermieteten Räumlichkeiten feierten "gereinigt" und zum Kühlen der Getränke verwendet wurde.
Oder die "Fettecke", die von gewissenhaften Putzfrauen beseitigt wurde, ohne dass sie auch nur ahnten, ein Kunstwerk damit zu zerstören.
Kunstwerk? Wozu ist das gut? Was hat Beuys überhaupt alles gemacht? Was waren seine Themen, seine Ziele?
Ich hatte mich bis heute nicht weiter mit ihm beschäftigt. Und eine Freundin von mir ebenfalls nicht.

In Düsseldorf findet im Rahmen der "Quadriennale 2010" in diesem Herbst eine große Werkschau statt, die wir zwei heute besucht haben. Einige Stunden haben wir in der Kunstsammlung NRW verbracht, sind von Raum zu Raum gewandert und haben versucht, uns in Beuys' Gedankenwelt hineinzudenken. Ich gestehe: ohne die Audioguides, die man am Eingang ausleihen kann, wäre die Ausstellung für uns ein Flop geworden. Denn die Installationen, gefüllten Vitrinen, Skulpturen und Aktions-Überbleibsel (ich nenne das mal ganz frech so) erschließen sich kaum, wenn man die Hintergründe nicht kennt bzw. erklärt bekommt. (Wobei ich ein Problem damit habe, wenn ich ohne Erklärung überhaupt nichts kapiere oder spüre bei einem Kunstwerk.)

Wir haben nach mehreren Stunden Aufenthalt (inklusive einer Mittagspause im kleinen Restaurant "Op de Eck") die Ausstellung verlassen in dem Gefühl: Es hat sich gelohnt. Wir haben viel erfahren über das, was den Menschen und Künstler Joseph Beuys umgetrieben hat in seinem Leben. Dass er breit gefächerte Interessen hatte, nicht nur im künstlerischen Bereich (Malerei, Zeichnungen, Skulpturen, Aktionen), sondern auch in den Naturwissenschaften. Dass er versucht hat, die Pole Wissenschaft und Kunst zueinander zu führen, alle Lebensbereiche zu vereinen, eine neue Gesellschaft anzuregen, eine ganzheitliche. All das fällt bei ihm unter den Begriff "soziale Skulptur" oder "soziale Plastik". (Ich hoffe, ich habe das hier nicht zu stark vereinfacht oder verfälscht.)

Und es gibt einen Satz von ihm, den ich ganz besonders mag:
"Jeder Mensch ist ein Künstler."
Dabei will er nichts über die Qualität aussagen, sondern dass in jedem Menschen das Schöpferische, das Kreative steckt. Dieses Zugestehen der Möglichkeit finde ich wunderbar und eine Anregung an alle, die eigene Kreativität hervorzulocken.

Ausstellung "Joseph Beuys. Parallelprozesse" in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf.


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