Bücher
... kennen viele den Namen Herta Müller.
Gut, viele kennen vielleicht schon länger und ganz persönlich eine Herta Müller. Aber das ist dann nicht die Herta Müller mit dem Nobelpreis.
Hat von euch schon jemand etwas von ihr gelesen? Vorher meine ich? Ich jedenfalls nicht. Es gibt so viele Namen im Bereich Literatur, die mir nichts sagen. Ich finde das auch gar nicht schlimm.
In einem kleinen Literaturforum, in dem ich mich regelmäßig aufhalte, haben wir vor längerer Zeit mal überlegt, ob wir nicht ein Buch gemeinsam lesen wollen. Also etwa zeitgleich jeder an dem Ort, an dem er lebt, sein Exemplar. Nach dem Motto: Das Buch wollte ich immer schon mal lesen. Die Idee ist eingeschlafen, weil keiner einen Vorschlag hatte, der die anderen reizen konnte.
Jetzt ist die Idee wieder aufgewacht. Wir haben beschlossen, "Atemschaukel" von Herta Müller zu lesen. Dann ist keiner damit alleine und wir können uns über unsere Eindrücke und Meinungen zu dem Buch austauschen.
Nächste Woche werden wir anfangen, dann haben alle, die mitmachen wollen, ein Buch und genügend Zeit (hoffentlich).
Ich bin gespannt.
Einerseits, wie Herta Müller schreibt, wie ihr Buch sich liest, ob es mir gefällt.
Andererseits, was mir der Austausch bringt, was für unterschiedliche Sichtweisen sich ergeben.
Was haltet ihr von so einem Projekt? Ein Lesekreis übers Internet?
Uta-Traveller - 28. Oktober, 19:47
Wer mag schon kalten Nordwind, der einem durch das geöffnete Schlafzimmerfenster auf den Kopf bläst und Schlaf unmöglich macht? Emmi Rothner jedenfalls nicht.
Und Emmi mag auch ihr "Like"-Abo nicht mehr, kündigt es per E-Mail. Dabei vertippt sie sich, so dass die Mail an Leo Leike geht, der zuerst nicht, später dann etwas genervt über die wiederholten Mails reagiert und ihr zurückschreibt. Aus diesem Missverständnis entwickelt sich ein reger E-Mail-Verkehr, anfangs humorvolles Geplänkel, dann immer persönlicher und intimer werdend.
Eigentlich könnten die beiden sich verabreden, sich beim Treffen entweder sehr nahe kommen oder sich nie wieder sehen (oder lesen) wollen. Problem: Emmi ist glücklich verheiratet, hat zwei Kinder, Leo trauert einer langjährigen Beziehung immer noch nach.
Also genießen sie die Unverbindlichkeit der "Brieffreundschaft", bis der Drang, sich persönlich, Auge in Auge kennen zu lernen immer größer wird.
Ein Buch, das von vorne bis hinten nur aus Mails besteht, von Einzeilern bis zu seitenlangen Briefen. Komisch, verträumt, ernst und lebendig geschrieben, transportieren die Mails die Gefühle und Gedanken ihrer Verfasser und lassen den Leser wie einen Spion die Entwicklung der Geschichte verfolgen.
Ein Buch, das Lust auf mehr von selben Autor macht.
Daniel Glattauer: Gut gegen Nordwind
Taschenbuch, Goldmann, München 2008, 223 Seiten
(im Urlaub gelesen)
Uta-Traveller - 1. August, 20:10
Gestern kamen sie mit der Post. Und sie sind soooo schön geworden !
Meine Mama hat gleich eins gekauft. Sie will die Bücher nie geschenkt haben, und ich habe natürlich nichts dagegen. ;-)
Ein ganz dickes Danke an den hs-Literatuverlag !
Uta-Traveller - 28. Juni, 11:01
Der Titel dieses Romans macht sofort die Selbsteinschätzung des Ich-Erzählers deutlich. Zuerst kommt er selber, dann eine Weile nichts und dann das Subjekt seiner Begierde.
Kaminski ist ein alter, praktisch blinder Maler, der sich in ein Haus in den Bergen zurückgezogen hat, behütet (soll ich sagen bewacht?) von seiner Tochter Miriam. Durch sein Werk, mehr noch durch seine früheren Kontakte zu Picasso und Matisse erlangte er eine Form von Berühmtheit, die der junge Sebastian Zöllner nutzen will, um mit Hilfe einer Biografie Kaminskis selber im Rampenlicht zu landen.
Die Begegnung von Möchtegern-Biografen und Ehemals-Künstler wird zu einem Road-Movie, das die beiden zu Kaminskis Jugendliebe Therese führt. Fast schon surreal verläuft diese Reise, auf jeden Fall anders, als Zöllner sich das vorgestellt hat.
Ich mag die Art, wie Daniel Kehlmann - denn von ihm ist dieser Roman - schreibt sehr. Inzwischen habe ich schon mehrere seiner Texte gelesen und immer wieder begeistert mich seine Art, Figuren durch ihre eigenen Worte und knappe Beschreibungen viel sagender Details zu charakterisieren. Es braucht nur wenige Seiten, und man weiß, was Sebastian Zöllner für ein penetranter Mensch ist. Man sieht den alten Maler vor sich, als säße man ihm gegenüber, und die Geschichte läuft ab wie ein Film. Wie ein stiller aber überaus spannender Film.
Auch hier habe ich festgestellt, dass ich von Kehlmann viel für mein eigenes Schreiben lernen kann. (Kann man eigentlich irgendein Buch noch unvoreingenommen lesen, wenn man selber schreibt?)
Daniel Kehlmann: Ich und Kaminski
Suhrkamp 2004, 174 Seiten
Uta-Traveller - 23. Juni, 20:27
... ist der vierte Krimi der französischen Autorin Fred Vargas, den ich gelesen habe.
Gelesen ist ein zu schwaches Wort. Verschlungen habe ich den Krimi, denn Vargas schafft es jedes Mal, dass ich schon bei den ersten Zeilen in ihren Geschichten versinke.
Vargas erzählt nicht nur überaus lebendig, spannend und immer wieder sehr humorvoll. Ihre Figuren sind einfach einmalig und tragen diese außergewöhnlichen Romane durch seltsame, skurrile, grausame und tragische Ereignisse.
Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg arbeitet in Paris bei der Mordkommission, ist aber alles andere als ein analytisch denkender Kriminalist. Er ist oft unorganisiert, gedankenverloren, vertraut stark seiner Intuition. Seine Ergänzung findet er in seinem Kollegen Adrien Danglard, der über ein breit gefächertes und tief greifendes Wissen von anscheinend fast allem verfügt, und in einem Team von Mitarbeitern, die alle ihre ganz speziellen Macken haben.
Ich möchte hier keine langen Inhaltsangaben zu den einzelnen Krimis geben. Ich möchte sie einfach allen Lesern - nicht nur den Fans dieses Genres - ans Herz legen.
Vielleicht wäre es nicht schlecht, die Romane in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen. Jeder ist zwar in sich abgeschlossen, aber die Figuren der "Stammbesetzung" durchlaufen natürlich eine Entwicklung.
Und hier die Titel:
Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord
(Nachts werden von einem Unbekannten blaue Kreidekreise auf Pariser Bürgersteige gemalt, in denen Alltagsgegenstände liegen. Bis schließlich eine Leiche im Kreis gefunden wird.)
Bei Einbruch der Nacht
In den französischen Seealpen, im Mercantour werden Schafe und dann eine Bäuerin getötet, anscheinend von einem Werwolf. Kommissar Adamsberg wird von einer Freundin zu Hilfe gerufen.
Der vierzehnte Stein
Ein Mord mit einem Dreizack erinnert an einen alten Fall und bringt Kommissar Adamsberg in Mordverdacht.
Die dritte Jungfrau
Ein Doppelmord, Grabschändungen und ein Rezept in einem alten Reliquienbuch scheinen anfangs nichts mit einander zu tun zu haben. Doch dann finden sich immer mehr Verbindungen.
Uta-Traveller - 17. Mai, 20:02
... können die Autoren dieses Buches sicher beurteilen.
Hanns-Josef Ortheil schreibt selber Roman und lehrt Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim.
Klaus Siblewski arbeitet in München als Lektor im Luchterhand Literaturverlag.
Das Buch ist in zwei Teile gegliedert, dessen erster von Ortheil und dessen zweiter von Siblewski bestritten wird in Form von jeweils vier "Vorlesungen".
Ortheil beschäftigt sich dabei vor allem mit der Zeit vor dem eigentlichen Schreiben des Romans, in der der Autor beobachtet, notiert, irgendwann sein Thema findet und beginnt, die Wirklichkeit nach passenden Bausteinen abzusuchen. Wie kommt der Autor zu seiner Romanidee? Wie geht er weiter vor, um die Idee auszubauen? Quasi ein Blick in die Romanwerkstatt.
Siblewski legt den Schwerpunkt bei seinen Ausführungen auf das Verhältnis Autor/Lektor. Wann spricht der Autor über den Roman? Wie tut er das? Welche Aufgabe hat der Lektor in den unterschiedlichen Phasen der Romanentstehung, damit diese nicht auf der Strecke bleibt.
Ich finde das Buch interessant, informativ und gut lesbar geschrieben. Viele Beispiele veranschaulichen die Theorie, und man bekommt eine Vorstellung, was alles zusammenkommen kann/muss, damit aus einer Idee eben ein ganzer, langer Roman wird (und nicht nur eine Kurzgeschichte).
Ich habe eine ganze Menge Anregungen gefunden und weiß, ich werde dieses Buch im Laufe des Jahres garantiert nochmals lesen. Schließlich möchte ich mich gerne in der zweiten Jahreshälfte an einen Roman heranwagen.
Hanns-Josef Ortheil, Klaus Siblewski: Wie Romane entstehen
(München: Luchterhand Literaturverlag 2008)
Uta-Traveller - 21. April, 21:05
... hat der Autor mit seinen 34 Jahren wohl schon errungen.
Daniel Kehlmanns Roman
"Die Vermessung der Welt", den ich begeistert gelesen habe, war in der Liste der New York Times über die international bestverkauftesten Bücher 2006 auf Platz zwei. Damals habe ich noch auf die Taschenbuchausgabe gewartet.
Anfang dieses Jahres erschien "Ruhm - ein Roman in neun Geschichten" und ich beschloss, diesmal nicht so lange zu warten. Gestern habe ich angefangen zu lesen (nach der Gartenarbeit), heute bin ich bei zwei Dritteln des Buches angelangt und bin gefangen.
Ein ganz anderes Werk als die "Vermessung" (und das ist auch gut so, weil man nicht in Versuchung gerät zu vergleichen) und ein anderer Stil zu schreiben. Nein, nicht ganz anders, aber der Zeit angepasst, in der die Geschichten spielen, nämlich heute.
Neun in sich abgeschlossene Episoden, die - soweit ich das bisher beurteilen kann - ihre Verbindung finden über Mobiltelefone und über einzelne Protagonisten, die hier eine Hauptrolle spielen, da nur am Rande erwähnt werden. Ein Netzwerk, in dem Ruhm (haben, nicht haben, haben wollen, darunter leiden, was auch immer) das Zentrum bildet.
Kehlmanns Figuren faszinieren mich. Auf ihren Wegen durch diese Welt bricht immer wieder das Unerwartete, das Groteske, das Absurde über sie herein. Und das bringt den Leser dazu, über die eigene Wirklichkeit nachzudenken.
P.S.: Ich denke, ich kann selber sehr viel von Kehlmann lernen für mein eigenes Schreiben. Die Art und Weise, wie er seine Geschichten aufbaut und wie er sie verbindet, wie er seine Figuren lebendig werden lässt, wie er Fiktion und Realität miteinander verknüpft, finde ich ausgesprochen gelungen.
Uta-Traveller - 22. März, 19:57
Ein guter Rat, finde ich. Und beherzige ihn eigentlich schon mein Leben lang (unbewusst).
Gelesen habe ich immer gerne und viel und ich bin der festen Überzeugung, dass das auch eine Quelle meiner "Schreibwut" ist.
Bücher haben mich von Kindheit an fasziniert, haben meine Fantasie angeregt und selbst meinen Aufsatzstil im Deutschunterricht beeinflusst.
Und heute lese ich einerseits aus Genuss (vor allem Krimis), andererseits auch immer mit dem Blick auf den Stil. Warum fasziniert mich ein Buch? Wie schafft es der Autor / die Autorin, mich zu packen und so zu fesseln, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen möchte?
In dem Buch "Erst lesen, dann schreiben", herausgegeben von Stephan Porombka und Olaf Kutzmutz, sind 22 Essays versammelt, in denen Autoren Bücher oder Autoren vorstellen, die sie in ihrem Schreiben beeinflusst haben.
Ich habe zwar erst etwa ein Viertel gelesen, aber ich weiß schon jetzt, dass einige Buchtitel auf meine Wunschliste wandern werden.
Von gestandenen Autoren zu erfahren, warum sie ein Werk bemerkenswert finden, was es dem schreibenden Leser bringen kann, finde ich ausgesprochen spannend.
Ein Buch, dass auf dem Nachttisch Abend für Abend Entspannung und gleichzeitig Anregung liefert.
"Erst lesen, dann schreiben"
(Luchterhand 2007)
Uta-Traveller - 13. Februar, 19:01
eine Biographie
nein, die Biographie des Künstlers, der als einer der herausragenden Künstler weltweit gilt
ich habe seinen Namen erstmals wahrgenommen, als es um das neue Fenster des Kölner Doms ging
ich weiß sonst nichts über diesen Maler
aber ich weiß, dass zur Zeit eine Sonderausstellung im Kölner Museum Ludwig läuft
als ich an meiner Advents-Geschichte schrieb, sollte die Künstlerin Sonja Broders über Weihnachten eine Künstler-Biographie lesen wollen
ich habe bei einer bekannten Internet-Buchhandlung gesucht, was in diesem Jahr an passenden Biographien erschienen ist
und bin auf Gerhard Richter gestoßen
nicht nur, dass ich die Idee verwendet habe
ich habe mir das Buch bestellt
als persönliches Weihnachtsgeschenk sozusagen
inzwischen bin ich beim zweiten Kapitel und bin begeistert
ich glaube, ich werde noch viel Interessantes über dieses Künstler-Leben lesen
und ich werde Inspirationen finden
auch für meine ganz private, kleine Malerei
Dietmar Elger:
Gerhard Richter, Maler
(Dumont, Köln 2008)
Uta-Traveller - 28. Dezember, 20:53
Nur noch ein paar Tage, dann ist der 1. Dezember. Und viele kleine und große Kinder öffnen das erste Türchen ihres Adventskalenders.
Vor zwei Jahren habe ich von einer Freundin einen Buchtipp zum Advent bekommen. Eine wunderschöne Geschichte in vierundzwanzig Kapiteln:
"Das Weihnachtsgeheimnis" von Jostein Gaarder
In einem kleinen Buchladen findet Joachim einen alten Adventskalender. Aus den Fenstern fallen beim Öffnen kleine Zettel heraus, die eine Geschichte erzählen. Die Geschichte der kleinen Elisabet, die Geschichte einer Reise durch die Welt und durch die Zeit.
Joachim und seine Eltern versuchen, das Geheimnis dieses Adventskalenders zu ergründen, und steigen damit tief in die Geschichte ein.
Jostein Gaarder wurde bekannt durch sein Buch "Sofies Welt", in dem er mit dem Mädchen Sofie die Welt der Philosophie erkundet. Als Jugendbuch geschrieben, für Erwachsene aber genauso lesenswert und spannend.
Und so ging es mir auch mit dem Weihnachtsgeheimnis. Ein Buch für den Nachttisch, jeden Abend ein Kapitel bis zur Auflösung am 24. Dezember.
In ein paar Tagen fange ich wieder an zu lesen ...
Uta-Traveller - 27. November, 19:55