Erlebtes

Freitag, 14. Januar 2011

Wie die Kinder

Alle paar Wochen tun wir es. Nicht was ihr denkt ! Wir essen Fast Food, genauer gesagt: Burger.
Nein, wir gehen nicht in die Etablissements mit dem goldenen Buchstaben, wir basteln uns unsere Burger zu Hause selber. Abgesehen von den fertigen Schlabberbrötchen komplett aus frischen Zutaten. Gesund und lecker.

Eingekauft wird Hackfleisch beim Metzger unseres Vertrauens (ich nehme es gemischt, Rind und Schwein, weil's dann saftiger ist), die klassischen Brötchen mit Sesam im Supermarkt und dann natürlich noch Salat und Tomaten, Goudakäse, Gewürzgürkchen und Zwiebeln. Ketchup, Mayonnaise und Senf (doch ein paar Fertigprodukte) für die Burgersauce stehen sowieso im Kühlschrank.
Zuerst wird das Hackfleisch - eigentlich untypisch aber viel geschmackvoller - mit Ei und Semmelbröseln, Salz, Pfeffer und Zwiebelwürfeln vermischt. Kräftig mit der Hand durchkneten, richtig ordentlich matschen. Ein herrliches Gefühl, wenn sich der saftige Fleischteig durch die Finger quetscht. Flache Fleischfladen daraus formen.
Zwiebeln, Tomaten, Gewürzgurken in dünne Scheiben schneiden, Salatblätter waschen, Käse entrinden. Alles auf einem großen Teller hübsch anrichten.
Aus Mayonnaise, Ketchup und Senf eine Burgersauce rühren. Die Burgerbrötchen durchschneiden und - z.B. im Grill - erhitzen.
Die Fleischscheiben werden kräftig gebraten. Besonders gut und schnell geht das im Kontaktgrill. Durch den Druck von beiden Seiten bleiben sie gleichmäßig flach, bekommen von den Grillplatten dekorative dunkle Streifen.
Während der Grillduft durch die Küche wabert, bestreichen wir schon mal die Innenseiten der Brötchenhälften mit der Burgersauce. Salatblatt drauf und Tomatenscheiben auch schon mal verteilt. Das Fleisch ist gar und wandert auf die Unterlagen, dann schnell den Käse obenauf, damit er die Chance hat, sanft zu schmelzen. Mit Zwiebelringen und Gurkenscheiben garnieren und den Brötchendeckel auflegen.
Nun folgt der schwierige Teil. Deshalb vorher einen großen oder mehrere kleine Schlucke trinken.
Mit der flachen Hand wird der Burger zusammengedrückt (es sei denn, ihr besitzt die Fähigkeit, eure Kiefer auszurenken wie die Schlange, die ich mal im TV gesehen habe). Dann mit beiden Händen rechts und links festhalten wie in einem Schraubstock. Ab jetzt darf nicht mehr losgelassen werden, weil der kunstvolle Aufbau sonst garantiert ins Rutschen gerät. Herzhaft hineinbeißen.
Spätestens beim vierten Bissen rutscht trotzdem die Gewürzgurke zur einen und die Tomatenscheibe zur anderen Seite, quillt die Sauce vorne aus dem Brötchen und tropft garantiert auf den neuen Pulli (also: alte Sachen anziehen oder Handtuch umbinden). Die Finger kleben, glitschen und das Brötchen zerbröselt unter dem fester werdenden Griff. Egal, wir geben nicht auf, halten und beißen und kauen, bis der letzte Brocken im Schlund verschwunden ist.
Wir lehnen uns zurück, die schmierigen Finger in die Luft gereckt, sondern ein leises Bäuerchen ab und lächeln selig. Wir haben gelernt mit Messer und Gabel zu essen, wissen um die unterschiedlichen Besteckteile und ihre korrekte Verwendung, können uns problemlos mit dem Equipment für ein Fünf-Gänge-Menü auseinandersetzen.
Aber glücklich sind wir, wenn wir sein dürfen wie die Kinder.

Samstag, 27. November 2010

Neues aus dem Katzenkorb

Sechs Wochen sind vergangen, seit wir Maurice und Amélie aus dem Tierheim geholt haben.
Während Amélie binnen Stunden bei uns zu Hause war, ist Maurice immer noch eine scheuer Kater.
Während Amélie den Kontakt zu uns sucht und ausgiebig schmust, hält Maurice Abstand und lässt sich bisher nicht streicheln (was muss er erlebt haben!).

Aber seit einer Woche können beide durch die Katzenklappe im Keller ein und aus gehen, wie sie wollen. Und das nutzen sie weidlich.
Vor allem Maurice, der Norwegische Waldkater (von uns liebevoll Waldschrat genannt), verbringt die meisten Stunden im Garten und lässt sich nur von weitem sehen.
Zur morgendlichen Fütterung ist er allerdings pünktlich und maunzt mich mit erhobenem Schwanz lautstark an. Also alles im grünen Bereich.

Amélie





Maurice





Montag, 15. November 2010

Ein voll gepacktes Wochenende

Ich glaube, von Freitagnachmittag um drei bis Sonntagabend um sechs sind deutlich mehr als fünfzig Stunden. Sonst hätten wir nicht alles in diese Tage packen können, was wir hinein gepackt haben.

Freitag hatte ich die erste von vier Lesungen in der Reha-Klinik. Und natürlich ist wieder mal einiges schief gelaufen. Hätte ich nach den Erfahrungen vom letzten Jahr eigentlich ahnen können. Die Organisatorin hatte die Zettel für die Lesung nicht aufgehängt, wäre mir fast mit einer Patientengruppe davon gefahren, ehe ich von ihr das Equipment für die Lesung (Pult und Lautsprecherbox mit Mikrofon) bekommen konnte. Aber ich war früh genug dort, die Lesung wurde per Lautsprecher angekündigt und das Funkmikrofon ließ mich klappernde Tassen und leise Gespräche in der Cafeteria übertönen (nachdem ich gemerkt hatte, dass auch am Mikrofon selber noch ein Schalter ist).
Freundliche Rückmeldungen und ein paar verkaufte Bücher taten anschließend richtig gut.

Samstag - Arbeitstag. Gleich nach einem frühen Frühstück lieferte uns der Baustoffhändler Paletten mit Steinwollepaketen und gut verpackte Spanplatten. Unser Speicherboden soll nämlich wärmegedämmt werden.
Es regnete.
Nach dem Abladen sind wir erstmal einkaufen gefahren.
Es regnete.
Wir haben die eine Speicherseite frei geräumt (einen Teil hatte ich vorher schon erledigt), die andere entsprechend voll gestapelt und mehrere Kisten ins Gästezimmer gestellt.
Es regnete.
Die Hälfte der Pakete mit Steinwolle mussten auf den Speicher geschleppt werden (die anderen lagern jetzt in der Garage).
Es regnete.
Holger hat die Dämmung ausgelegt, zweilagig (2 x 6 cm = 12 cm Dämmung).
Es regnete etwas weniger.
Also: Spanplatten auspacken, jede knapp 1 x 2 m groß und schwer. 16 Platten zu zweit durchs Treppenhaus bis unters Dach tragen, die anderen 26 in die Garage stellen. Holger und ich bekamen lange Arme vom Schleppen und schlappe Beine vom Treppensteigen.
Dann stellte Holger: Die haben sich vertan, die haben fast doppelt so viele Platten geliefert wie vorgesehen. Vermutlich, weil die Steinwolle für doppelt so viel Quadratmeter bestellt war (doppelte Lage). Egal, muss der Baustoffhändler eben wieder abholen.
Es regnete.
Zwischendurch Kaffeepause, dann hat Holger-Schatz weiter auf dem Speicher gearbeitet.
Ich habe mich inzwischen mit den Kisten vergnügt, die ins Gästezimmer gewandert waren. Ausräumen, sortieren, Teile zum Sperrmüll befördern und anderes wegpacken.
Um 17.00 Uhr hat Holger die Arbeit beendet und geduscht, kurz danach war ich ebenfalls fertig und sauber.
Um 18.00 Uhr kamen die Freunde von auswärts, und wir haben uns einen netten Abend gemacht, lecker gekocht und gegessen, erzählt und sind irgendwann ins Bett gefallen.

Sonntagmorgen gemeinsames Frühstück, um 10.30 Uhr sind die Freunde wieder gefahren und wir spazieren gegangen, so lange es trocken war und die Sonne schien.
Danach wieder ran an die Arbeit auf dem Speicher, nach dem Kaffeetrinken Holgers Haare schneiden (ja, ich kann das, mit Kamm und Schere gleichmäßig kurz durchstufen in 20 Minuten), Küche und Arbeitszimmer putzen, Betten frisch beziehen.
Tief durchatmen. Feierabend !!!
Gut, dass es einen "Tatort" im Fernsehen gab. Bei Krimis erhole ich mich am besten.

Dienstag, 2. November 2010

Nicht mal ein Grinsen ...

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... war zu sehen von Maurice, dem Kater. Er war komplett unsichtbar. In meinen Augen stand blanke Panik, der Adrenalinspiegel schwang sich zu ungeahnten Höhen auf und mein Herzschlag trommelte schneller als die Füße beim Flamenco.
War mir der Kater nach draußen entwischt? In die unbekannte, bedrohliche Welt jenseits der Hausmauern? Das konnte nicht sein. Wie denn? Ich hatte die Kellertür fest hinter mir geschlossen, als ich den Müll hinaus brachte. Und auch die Haustür, als ich mit den Gemüseabfällen zum Kompost ging. Oder war sie nur angelehnt und Maurice hatte sich Ausgang verschafft? Ich wusste es nicht mehr genau, ich wusste nur: der Kater war verschwunden.
Zuletzt hatte ich ihn im Keller gesehen, in der Nähe der Treppe. Ich ging davon aus, dass er nach oben gehuscht war und entweder im Arbeitszimmer oder ein Stockwerk höher in irgendeiner Ecke hockte. Also suchte ich das Haus von der Speichertreppe bis zur Kellertür ab, begleitet von Katze Amélie, die mit ihrem steten Maunzen den Kater zu rufen schien. Ich schaute hinter jede Tür, in jede Ecke, unter Treppenstufen und Heizkörper, auf Schränke und Regale. Nichts. Ich lockte, lauschte, wartete. Nichts. Ich öffnete Zimmertüren, die seit Stunden verschlossen waren. Ich öffnete Schranktüren und stierte hinein. Nichts. Woher auch. Aber wo war Maurice?
Ich schaute auf die Uhr. In fünf Minuten kam meine erste Nachhilfeschülerin für diesen Nachmittag. Also Tee gekocht und ab an den Schreibtisch. Katze Amélie ließ sich auf einem Kissen nieder und hielt ihren Schönheitsschlaf. Ich versuchte, mich auf Matrizenrechnung und Vektoren zu konzentrieren. Bei jedem leisen Knacken oder Knirschen fuhr ich auf. Kein Kater. Dann ein leises Klacken auf dem Flur. Als ich die Tür öffnete, sah ich gerade Maurice' buschigen Schwanz durch die Katzenklappe verschwinden. Mein erleichtertes Seufzen war vermutlich bis zu den Nachbarn zu hören. Der Kater war im Haus, egal wo er sich versteckt hatte, er war nicht draußen, er hatte sich nicht verirrt, er war in Sicherheit.

Am Abend erzähle ich meinem Schatz von dieser nervenaufreibenden Episode. Er geht natürlich ebenfalls auf Kater-Suche und entdeckt ihn im Keller. Auf dem Kühlschrank, also etwa in unserer Augenhöhe. Da war er am Nachmittag garantiert nicht, aber egal. Ich freue mich einfach, dass er da ist.
Etwas später hockt unter der Kellertreppe und ich beschließe, ihn mit Futter ins Erdgeschoss zu locken. Ich gehe nach oben, fülle den Napf mit frischem Dosenfutter und gehe zurück in den Keller. Wo ist der Kater? Nein, nicht schon wieder! Ich weiß, er muss da sein. Irgendwo da unten. Er ist nicht durch die Katzenklappe in den Flur gekommen.
Holger sieht meinen irren Blick, schüttelt den Kopf und gemeinsam machen wir uns wieder auf die Suche nach Maurice. Was haben wir da für ein Zaubertier aus dem Heim geholt? Die Türen zu Vorrats- und Heizungskeller und zur Garage sind fest verschlossen, im offenen Kellerbereich gibt es kaum Möglichkeiten sich zu verstecken. Der Kater muss sich unsichtbar gemacht haben
Da fällt unser Blick auf das Schränkchen unter dem Kühlschrank. Eine halboffene Holzkiste, selbstgebaut, damit man sich nicht so bücken muss, wenn man Getränke aus dem Kellerkühlschrank holt. Wir schauen uns an. Wie sieht die Kiste eigentlich von hinten aus? Kann man da drunter? Kater kann. Mit Spiegel und Taschenlampe entdecken wir in der kleinen Höhle seine grünen Augen im wilden Fell. Wir lassen ihn in Ruhe und hoffen, dass er irgendwann heute Abend Hunger bekommt und sich wieder blicken lässt.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Täglich eine kleine Kunst-Mahlzeit

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"A painting a day keeps the doctor away."
Unter diesem Motto malt und blogt MAF Räderscheidt seit mehr als einem Jahr handliche Aquarelle zu täglichen Themen. Privates oder Weltbewegendes, fröhliche Erfahrungen, Wut über Politik, Gedanken und Gefühle setzt sie in ganz eigener Art in Bilder um.

Am Freitagabend stand "KüstlerInnen bitten zu Tisch" auf dem Programm bei den artgenossen in Lindlar. Ich habe ja schon öfter darüber berichtet. Dieses Mal bin ich mit einer Freundin dorthin gefahren und wir haben den Abend, das Essen, die Künstlerin und die ganze Atmosphäre genossen.

Zuerst will ich euch mit dem Überraschungsmenü ein wenig neidisch machen:
Terrine von Bachforelle und Lachs an Blattsalat
Dialog von heimischem Wildschwein und argentinischem Rind (in Form von Gulasch) mit herbstlichem Gemüse und Spätzle
Fallobstkuchen (Äpfel aus dem eigenen Garten) mit Vanilleeis und Sahne

Zu dieser kulinarischen Vernissage gehören natürlich in den Menüpausen Beiträge der KünstlerInnen und MAF Räderscheidt hat ihre Rolle des Abends hervorragend gespielt.
Sie hat uns ein bisschen aus ihrem bewegten Leben erzählt. Erzählt ist ein schwacher Ausdruck, sie hat uns mitgerissen durch ihre kraftvolle Art, durch ihre Gesten, ihre Stimme, ihre ganze Erscheinung. Theater pur. Sie hat uns die Beziehung zwischen Kunst und Kochen erleben lassen. Sie hat den Auslöser für die Daily Paintings und die weltumspannende Wirkung dieser Aktion so amüsant darzustellen gewusst, dass wir Zuhörer gebannt an ihren Lippen hingen.
In der zweiten Menüpause hat ihr Lebensgefährte Stephan Everling aus dem gerade erschienenen Buch "Eifel für Einsteiger" vorgelesen. Eine gemalte Einführung und Liebeserklärung an das Leben in der Eifel, der Text witzig, treffend und mit liebevollem Augenzwinkern.

Weil ich vor einem solchen Abend meist die Internet-Seiten der KünstlerInnen besuche, wusste ich schon von dem Büchlein, hatte es bestellt und bereits verschlungen. Ich hatte es an diesem Abend in der Tasche, um es mir signieren zu lassen.
Aber wie signiert wohl eine Malerin? Genau! In meinem Exemplar prangt jetzt auf der ersten (weißen) Seite ein echter "Räderscheidt", nur für mich.

Die Daily Paintings verfolge ich auch weiter. Nicht nur, weil ich sie so mag, weil sie mich immer wieder zum Nachdenken oder Schmunzeln anregen. Ich glaube, dass ich ganz viel von MAF Räderscheidt lernen kann, nur durchs Anschauen der Bilder.
Die sind mit scheinbarer Leichtigkeit zu Papier gebracht, Farben, Formen, angedeutete Figuren lassen viel Spielraum für eigene Interpretationen. Vielleicht sprechen sie deshalb so an.

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Dienstag, 12. Oktober 2010

Kunstausflug nach Düsseldorf

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Wer fällt einem sofort ein, wenn ich im Zusammenhang mit dem Wort "Kunst" die Begriffe "Fett" und "Filz" nenne?
Den meisten wahrscheinlich Joseph Beuys, Allround-Künstler mit starkem gesellschaftspolitischem Engagement. Der Mann mit dem Filzhut, hager, asketisch wirkend, zu Lebzeiten starke Präsenz in den Medien, Auslöser vieler Kontroversen und Diskussionen um die Frage "Was ist Kunst?" oder "Ist das überhaupt Kunst?".

Eines seiner bekanntesten Werke ist wohl die "Badewanne", eine Kinderbadewanne auf einem Gestell, ursprünglich mit Vaseline beschmiert, mit Heftpflastern und eingefetteten Mullbinden beklebt. Bekannt, weil sie in einem Abstellraum gelagert war und von Menschen, die in den vermieteten Räumlichkeiten feierten "gereinigt" und zum Kühlen der Getränke verwendet wurde.
Oder die "Fettecke", die von gewissenhaften Putzfrauen beseitigt wurde, ohne dass sie auch nur ahnten, ein Kunstwerk damit zu zerstören.
Kunstwerk? Wozu ist das gut? Was hat Beuys überhaupt alles gemacht? Was waren seine Themen, seine Ziele?
Ich hatte mich bis heute nicht weiter mit ihm beschäftigt. Und eine Freundin von mir ebenfalls nicht.

In Düsseldorf findet im Rahmen der "Quadriennale 2010" in diesem Herbst eine große Werkschau statt, die wir zwei heute besucht haben. Einige Stunden haben wir in der Kunstsammlung NRW verbracht, sind von Raum zu Raum gewandert und haben versucht, uns in Beuys' Gedankenwelt hineinzudenken. Ich gestehe: ohne die Audioguides, die man am Eingang ausleihen kann, wäre die Ausstellung für uns ein Flop geworden. Denn die Installationen, gefüllten Vitrinen, Skulpturen und Aktions-Überbleibsel (ich nenne das mal ganz frech so) erschließen sich kaum, wenn man die Hintergründe nicht kennt bzw. erklärt bekommt. (Wobei ich ein Problem damit habe, wenn ich ohne Erklärung überhaupt nichts kapiere oder spüre bei einem Kunstwerk.)

Wir haben nach mehreren Stunden Aufenthalt (inklusive einer Mittagspause im kleinen Restaurant "Op de Eck") die Ausstellung verlassen in dem Gefühl: Es hat sich gelohnt. Wir haben viel erfahren über das, was den Menschen und Künstler Joseph Beuys umgetrieben hat in seinem Leben. Dass er breit gefächerte Interessen hatte, nicht nur im künstlerischen Bereich (Malerei, Zeichnungen, Skulpturen, Aktionen), sondern auch in den Naturwissenschaften. Dass er versucht hat, die Pole Wissenschaft und Kunst zueinander zu führen, alle Lebensbereiche zu vereinen, eine neue Gesellschaft anzuregen, eine ganzheitliche. All das fällt bei ihm unter den Begriff "soziale Skulptur" oder "soziale Plastik". (Ich hoffe, ich habe das hier nicht zu stark vereinfacht oder verfälscht.)

Und es gibt einen Satz von ihm, den ich ganz besonders mag:
"Jeder Mensch ist ein Künstler."
Dabei will er nichts über die Qualität aussagen, sondern dass in jedem Menschen das Schöpferische, das Kreative steckt. Dieses Zugestehen der Möglichkeit finde ich wunderbar und eine Anregung an alle, die eigene Kreativität hervorzulocken.

Ausstellung "Joseph Beuys. Parallelprozesse" in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf.


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Dienstag, 21. September 2010

gegen Sommerende

Bei uns leuchtet heute ein herrlicher Altweibersommer-Tag: Sonne, leichter Wind und milde Temperaturen.
Und der Tisch ist - vor allem für die Vögel - noch reich gedeckt, wie ich auf dem Weg zum Einkaufen sehen konnte:



Genießt die letzten Sommertage, wenn es möglich ist.
Und danach lasst uns den Herbst feiern. Jede Zeit hat ihr Gutes.

Sonntag, 4. Juli 2010

Landesgartenschau in Hemer

Ein altes Militärgelände im Sauerland.
Flächen, Gebäude, Höhenunterschiede.
Freunde, die etwa zehn Minuten Fußweg entfernt wohnen.
Einige gute Gründe, das nächste Treffen mit einem Besuch der Landesgartenschau zu verbinden.
Der Termin vor Monaten ausgemacht, damit alle ihn einplanen und sich aus verschiedenen Himmelsrichtungen auf den Weg machen können.
Hoffnung auf trockenes Wetter.
Trocken hatten wir gesagt.
Heiß war nicht bestellt, schon gar nicht über 30 Grad.
Aber wir wären nicht wir, wenn wir uns davon abhalten ließen.

Mögt ihr ein bisschen mit mir bummeln, an den Blumen schnuppern, die Farben genießen? Und das bei angenehmer Zimmertemperatur? Dann schaut mal hier.


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Montag, 25. Januar 2010

Was für ein Wochenende !

Ich sitze am Schreibtisch und tippe diese Zeilen. Dabei fröstele ich leicht vor lauter Müdigkeit. Nach einer anstrengenden Woche mit mehreren Abendterminen hätte ich eigentlich zwei ruhige Tage und Ausschlafen gebraucht. Stattdessen bin ich früh aufgestanden, war unterwegs, habe geschwatzt, geschwatzt, geschwatzt.

Samstag war Kritzelmeister-Tag.
Seit November bin ich Mitglied in einem Mal- und Zeichenforum, das Anfänger und Profis vereint. Zeichnen mit Stiften oder Pastellkreiden, Aquarell-, Acryl- und Ölmalerei, Computerkunst, Mischtechniken, eine breite Palette an KünstlerInnen und Werken. Und dazu eine freundliche Atmosphäre, in der Lob und Kritik, Anregungen und hilfreiche Tipps gedeihen.
Von Zeit zu Zeit werden Treffen in unterschiedlichen Regionen des Landes organisiert, damit sich die Mitglieder auch persönlich kennen lernen können. Und Köln ist von uns aus nur eine Stunde Zugfahrt entfernt.
Eine muntere Runde hat sich also vormittags im Café Reichard getroffen, gleich um die Ecke vom Kölner Dom. Wer uns dort gesehen und gehört hat, wäre sicher nicht auf die Idee gekommen, dass die meisten zum ersten Mal gemeinsam an einem Tisch saßen. Die Stunden vergingen im Flug mit Essen, Trinken und Erzählen. Da wurde über das Mischen von Farbe mit Kaffeesatz als Strukturmittel oder die Sammelsucht bei Pinseln diskutiert. Die Erlebnisse mit den Künstlerkatzen oder die Ideenfindung für neue Werke boten Grund zum Schmunzeln und Lachen. Die Themen wären uns sicher auch in den nächsten Stunden nicht ausgegangen. Am späten Nachmittag löste sich das Treffen schließlich unter herzlichen Umarmungen auf. Und mit dem Versprechen, dass das nicht das letzte Mal war.

Vom Treffen der Kritzelmeister ist eine ganz liebe Freundin (die einzige aus der Runde, die ich vorher schon kannte) mit zu uns gefahren. Mein Schatz hat uns am Bahnhof abgeholt und nach einem ausgiebigen Besuch bei unserem Lieblingsgriechen (er macht das beste Lamm der Welt) haben wir einen langen Abend mit Wein und Gesprächen verbracht.
Die Nacht war kurz, der Sonntag verschneit. Also weiter schwatzen.
Und am Mittag machte eine weitere Freundin auf dem Heimweg von einem Besuch einen Zwischenstopp bei uns zu Hühnersuppe und anschließendem Kaffee. Leider musste sie recht früh wieder fahren, denn bei Schneefall und Winterkälte wollte sie nicht zu spät nach Hause kommen.
Der Abend sollte diesmal nicht so lang werden, weil mein Schatz schließlich am Montagmorgen zur Arbeit musste. Aber Vorsätze werden meistens gebrochen, und so quälte ich mich heute früh aus dem Bett mit einem Schlafdefizit, das ich im Laufe der Woche garantiert nicht ausgleichen kann.
Gegen Mittag war meine Wochenendgästin wieder unterwegs (sie hat eine kleine Rundreise veranstaltet) und ein anstrengendes aber herrliches Wochenende vorbei.

Was mich immer wieder fasziniert: Über das Internet ist es möglich, Menschen zu treffen mit gemeinsamen Interessen, was im näheren Umfeld (gerade auf dem Land) oft nicht so einfach ist. Und bisher durfte ich die durchweg positive Erfahrung machen, dass diejenigen, die ich live erlebt habe, genau so waren, wie ich sie mir vorgestellt habe.
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Mittwoch, 6. Januar 2010

Wenn der Kölner Dom wackelt

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Gerade habe ich im WDR Fernsehen einen kurzen Bericht über den "Dicken Pitter" gesehen, die St. Petersglocke im Kölner Dom, 24 Tonnen schwer und mit einem Durchmesser von 3,22 m die größte frei schwingend geläutete Kirchenglocke der Welt.
Wissenschaftler untersuchen mit Seismographen, wie das Läuten sich auswirkt auf das Gebäude und haben festgestellt, dass sich der Südturm um etwa einen halben Millimeter hin und her bewegt. Klingen alle Glocken zusammen, wirkt das fast wie ein kleines Erdbeben, die Bewegungen können sogar mit bloßem Auge wahrgenommen werden.

Als ich im Fernsehen den Dicken Pitter schwingen sah, als der Klöppel den Schlagring traf und der Glockenklang den Raum erfüllte, war ich plötzlich wieder das zehnjährige Mädchen auf Wandertag mit der Schulklasse.
Von Aachen aus sind wir mit dem Zug nach Köln gefahren, haben unter anderem den Dom besichtigt und sind in den Turm hinaufgestiegen.
Ich spüre heute noch die ausgetretenen Steinstufen, die an der rechten Seite, der Turmmitte sogar für meine Kinderfüße zu kurz waren. Die Wendel muss sich im Uhrzeigersinn in die Höhe schrauben, wenn meine Erinnerung nicht trügt. Kleine Schießscharten ließen hin und wieder einen Blick auf den Domplatz zu, der tief und tiefer unter uns lag. Stufe um Stufe ging es hinauf, ich habe damals wohl mitgezählt und es waren bestimmt an die fünfhundert.
Wir machten einen Halt an der Glockenkammer, standen dort, das Geläut fast zum Greifen nah und jemand erzählte etwas über diese Glocken. Ich habe nichts davon mitbekommen, denn der Dicke Pitter war so nah und so gewaltig, dass ich innerlich ganz starr war. Wenn diese Glocke nun anfangen würde zu schwingen, sie könnte uns erschlagen. Ihr Klang würde unsere Ohren zerfetzen auf die kurze Distanz. Am liebsten wäre ich fortgelaufen, fort aus diesem Raum, weit weg von all diesen riesigen Glocken. Aber ich blieb, gab mir keine Blöße, presste die Lippen aufeinander und holte nur ganz flach Luft. Dann kam das Zeichen, dass wir gehen konnten. Vorsichtig tastete ich mich zurück auf die Treppe, blickte mich um, war beruhigt, als weder der Pitter noch die anderen Glocken sich rührten, und mit jeder Stufe, die ich mich von der Glockenkammer entfernte, konnte ich wieder freier atmen.

Heute habe ich gelernt, dass der Dicke Pitter nur an hohen kirchlichen Feiertagen wie dem Dreikönigstag oder beim Tod des Papstes geläutet wird. Ich hätte mir damals also keine Sorgen zu machen brauchen.

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