Erlebtes

Dienstag, 1. Juli 2008

Blauer Dienstag

An der Bushaltestelle um zehn vor neun morgens. Hohe Stimmen, Plappern, Zappeln, Lachen. Zwei große und etwa fünfzehn kleine Menschenkinder warten auf den Bus. Die Vorschulgruppe des Kindergartens macht einen Ausflug.
Wohin geht's denn, frage ich eine der Erzieherinnen. Sie reicht die Frage an die Kinder weiter.
Zum Bäcker, tönt es mehrstimmig. Die Backstube anschauen.
Wir haben schon viele Ausflüge gemacht, ergänzt die Erzieherin. Wo waren wir schon am Blauen Dienstag?
Die Kinder hüpfen von einem Fuß auf den anderen und überbieten sich gegenseitig.
Bei der Polizei. Bei der Feuerwehr. Eis essen. Im Kölner Zoo.
Ein Junge zupft an meinem Arm.
Du, sagt er, soll ich dir mal was erzählen? Ich nicke. Ich hab schon ganz viele gefährliche Tiere gesehen. Die gefährlichsten der Welt.
Die Erzieherin schmunzelt und erzählt von Blindschleichen, die in der Bruchsteinmauer neben dem Kindergarten wohnen.
Die sind aber nicht gefährlich, meine ich.
Der Junge schaut mich groß an. Auf seinem sonnengelben T-Shirt windet sich eine Schlange.
Das ist eine Kobara, erklärt er. Die giftigste Schlange der Welt. Und die längste. Und die hab ich auch schon gesehen.
Mit einer Handbewegung scheucht die Erzieherin die hopsenden Kinder hinter eine gepflasterte Linie im Bürgersteig. Was hatten wir vereinbart?, fragt sie.
Die Kinder stellen ihre Füße in Sandalen oder Turnschuhen direkt hinter diese Kante. Nur nicht einen Zentimeter zu weit zurück. Sie könnten ja den Bus übersehen.
Sag mal, willst du die Haare wachsen lassen?, fragt die Erzieherin ein Mädchen, dem der Pony halb über die Augen hängt. Oder lässt du sie abschneiden?
Abschneiden, nickt das Mädchen und wischt die Haare zurück.
Sonst brauchst du eine Spange, wie deine Freundin. Damit kannst du die Haare nach hinten machen. Du kannst ja gar nicht richtig gucken. Das kitzelt doch bestimmt in den Augen.
Die Kleine schüttelt den Kopf und schiebt wieder den Pony aus dem Gesicht.
Der Bus, der Bus, rufen nun die Kinder durcheinander, die ihn schon in der Ferne entdeckt haben.
Hierbleiben. Nehmt euch an den Händen. Ihr bleibt stehn, bis der Bus auch steht.
Und die kommen nach den Ferien in die Schule?, frage ich die Erzieherin. Sie nickt und grinst. Ja, die kommen in die Schule.
Der Bus hält, die Kinder stürmen durch den Gang bis zu den hinteren Bänken und die Erzieherin kauft die Fahrscheine.
Waren wir eigentlich auch mal so klein?, denke ich, als der Bus mit einem Ruck losfährt.

Dienstag, 10. Juni 2008

Impressionen eines Sommer-Morgens

Nach Wochen endlich mal wieder Laufen gewesen.
Geärgert über die Pause.
Die Anstrengung genossen.
Mich frei und stark und entspannt gefühlt.
Die Natur aufgesogen.
Kraft getankt.
Fotos gemacht.

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Montag, 9. Juni 2008

Warum quälen wir Geburtstagskinder?

Ein Mensch - weiblich oder männlich - hat Geburtstag. Auch noch einen runden Geburtstag, der mit einer großen Party gefeiert wird. Freunde, Verwandte, Nachbarn sind eingeladen, stehen oder sitzen in Gruppen herum, erzählen und lachen. Auf Kosten des Geburtstagskindes plündern sie ein ansehnliches Buffet, essen, trinken und lassen es sich gut gehen. Das Geburtstagskind wandert von Gruppe zu Gruppe, plaudert, lacht, genießt die Feier.

Aber irgendwann kommt der Moment, den jedes Geburtstagskind verflucht.
Ein Freund, Verwandter, Nachbar klopft an sein Glas und verschafft sich lautstark Gehör.
"Mein lieber / meine liebe (den Namen könnt ihr beliebig einsetzen), du feierst ja heute einen ganz besonderen Geburtstag."
Ich frage mich, ob nicht jeder Geburtstag besonders ist, denn auch 37 wird man nur einmal. Aber der Redner fährt gnadenlos fort:
"Und deshalb haben wir eine Kleinigkeit für dich vorbereitet."
Das Geburtstagskind zuckt zusammen. Es ahnt, dass es sich jetzt wird zum Affen machen lassen müssen.

Am letzten Samstag sah dieses Affen-machen so aus:
Das Geburtstagskind (weiblich) musste einen Einmal-Overall anziehen, in dem auch der schlankeste Mensch aussieht wie ein Tele-Tubby. Die Rennleitung ließ den ferrari-roten Flitzer Marke Bobby-car enthüllen und schickte das Opfer auf eine erste Qualifikationsrunde über den Hof unter Johlen und Fahnenschwenken der umstehenden Gäste. Überragende Fahrfähigkeiten (Mundverziehen des Geburtstagskindes) wurden mit Schal und Kappe eines Sponsors belohnt. Dann ging es Runde um Runde weiter. Ermahnungen wegen Geschwindigkeitsüberschreitung (wie bitte? sind wir nicht auf einem Rennen?), Auftanken (Wahl des alkoholischen Getränks frei), Boxenstop (zusätzliche Utensilien an der Fahrerin angebracht wie überdimensionale TÜV-Plakette und Wunderbaum), Alkoholkontrolle mit Blasen in einen Luftballon. Farbe? Natürlich blau, was zum Entzug des Führerscheins führte. Die letzten zwei Runden zu Fuß am Stock (schließlich ist man ja schon ein älteres Modell). Dann Siegerehrung auf einem kleinen Podest mit Grußworten und Überreichen einer Flasche Sekt.
Ich muss gestehen, ich hätte die Flasche kräftig geschüttelt und die Organisatoren dieser Show kräftig nass gemacht (schließlich hatte das Geburtstagskind ja den Overall an).

Das Geburtstagskind selber hat alles mit stoischer Geduld mitgemacht. Ich bewundere sie dafür. Mir wäre wahrscheinlich gleich zu Anfang der Kragen geplatzt. Und ich hätte nicht - wie sie - im Vorfeld höflich darum gebeten, von Partyspielen abzusehen.
Ich hätte klipp und klar gedroht: Wer auf die Idee kommt, hier irgendeinen Zirkus mit mir veranstalten zu wollen, der fliegt hochkantig raus !

Sonntag, 1. Juni 2008

Momentaufnahme (5)

Zurück von einem Treffen mit Menschen, die wir nicht kannten und die uns doch nicht fremd waren.
Wir - mein Holger-Schatz und ich - fahren mit einem PickUp durch die Lande und habe für Urlaubszwecke eine Kabine, die man aufsetzt und die das Ganze zum Wohnmobil macht.

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Das heißt, dieses Gespann haben wir seit ca. vier Wochen nicht mehr, dafür aber einen neuen PickUp und einen alten, kleinen Wohnwagen. Denn die neue Wohnkabine wird erst im September geliefert, ist dann noch leer und will ausgebaut werden. Und auf den Urlaub wollen wir ja nicht verzichten.

An diesem Wochenende war das jährliche Treffen eines PickUp-Wohnkabinen-Forums. Und wir waren zum ersten Mal dabei. Über 50 PickUps mit ihren Häusern standen auf der großen Wiese des Caravanparks Laubach am Vogelsberg. Unterschiedliche Größen, Fabrikate, verschiedenste Fahrzeuge und ein buntes Völkchen von Verrückten, die es lieben, ihren Urlaub damit zu verbringen, durch die Lande zu ziehen.

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Du kommst an, holst dir einen Anstecker mit deinem Namen, und schon bist du mitten drin. Lernst die Gesichter, die Menschen kennen, die hinter den Nick-names stecken. Du schaust in die Urlaubs-Wohnzimmer, diskutierst über verschiedene Kühlschränke, Möbelholz und die Vorzüge dieses oder jenes Autos. Urlaubsziele werden beschwärmt, Tipps über Stellplätze ausgetauscht und Anekdoten erzählt.
Abends gibt es ein gemeinsames Abendessen und anschließend versammelt sich die Runde in einem großen Kreis um ein Lagerfeuer und erzählt weiter bis in die Nacht hinein.
Heute Mittag löste sich das Treffen langsam auf mit reichlich Hände-schütteln, einigen Umarmungen und dem Versprechen, auf dem nächsten Treffen bestimmt dabei zu sein. Wir dann natürlich mit unserem neuen Wohn-Schätzchen.
Und für die Zeit zwischendurch gibt es ja das Forum. Man liest sich.

Dienstag, 27. Mai 2008

Momentaufnahme (4)

Die Eier legende Wollmilchsau - es gibt sie doch ! Zumindest gibt es eine für die Hausfrau, die zwar gerne kocht und backt, ihren Lieben gesunde und schmackhafte Küche vorsetzen möchte, aber dafür nicht stundenlang und verschwitzt am Herd stehen will.
Heute Vormittag habe ich sie kennen gelernt, diese Perle des Haushalts. Bei einer Nachbarin, die ein paar Frauen eingeladen hat zu einen Vormittag mit Dinkelbrötchen, Rohkostsalat, Hähnchenbrust, Reis und Gemüse. Und einem Erdbeerparfait als Dessert.
Alles gezaubert von der Wollmilchsau. Mit ein bisschen Strom, ein paar Knopfdrücken und guten, frischen Zutaten (die hatten die Nachbarin und die Betreuerin der Wollmilchsau allerdings schon vorbereitet).

Ich war skeptisch, als ich mich an den Tisch der Nachbarin setzte und mir einen Kaffee einschenkte. Ich war sogar sehr skeptisch. Ich glaube nicht an Alleskönner. Ich suche grundsätzlich nach einem Haken, wenn mir strahlend die geniale Vielseitigkeit eines Gerätes angepriesen wird.
Zuerst ein paar Worte der Repräsentantin (so nennen sich die Betreuerinnen der Wollmilchsau) zur Herstellerfirma (bekannt für Qualität und hohe Preise und dafür, dass man die Geräte nicht im Geschäft kaufen kann), ein paar Worte zur Wollmilchsau an sich und die Frage an uns, was wir von diesem Vormittag erwarten. Das kennt man ja.
Dann ging es ans Eingemachte. Wir - die Gäste - durften der Reihe nach das Wundergerät bedienen, jede von uns ein Gericht mit zubereiten. Schließlich sollten wir am eigenen Leib erfahren, wie bequem, einfach und narrensicher die Wollmilchsau an die Arbeit zu bringen ist. Abwiegen, zerkleinern, mixen, rühren, kochen, garen: alles kein Problem für das Küchenschätzchen. Ein Topf, viele Knöpfe und Funktionen für fast alles, was man in der Küche zubereiten will (nur Schnitzel braten kann das Teil nicht).
Ich habe dann die Repräsentantin frech gefragt, ob sie ihren Herd überhaupt noch benutzt. Sie gab zu, dass sie Nudeln immer noch im großen Topf kocht, weil die Familie ein paar Köpfe mehr zählt.
Nach der Orgie von kalten und warmen und eisigen Speisen konnte jede von uns Gastfrauen in einem kurzen persönlichen Gespräch ihren Eindruck zu Vorführung und Gerät abgeben. Ich glaube, es war keine unter uns, die nicht beeindruckt war.

Und jetzt habe ich ein Problem:
Ich, die ich eine gut ausgestattete Küche besitze (inklusive einiger Geräte, die im Keller auf ihren Einsatz maximal einmal im Jahr warten). Ich, die sich geschworen hat:
"Du brauchst keine Wollmilchsau. Du kannst auch ohne sie fantastisch kochen."
Ich werde schwankend. Ich überlege, wie lange es noch dauert, bis Weihnachten und mein Geburtstag eine würdige Konstellation für ein großzügiges Geschenk eingehen.
Ich werde darüber schlafen. Eine Nacht. Noch eine Nacht. Und dann werde ich vermutlich meine Nachbarin anrufen und meine Kapitulation vor der Wollmilchsau erklären.

Dienstag, 20. Mai 2008

Momentaufnahme (3)

Flyer verteilen für den Dorfverein. In meiner Tasche stecken ca. 100 Blätter mit der Einladung zu einem Infoabend. Meine "Dorfhälfte" zieht sich an einem Hang entlang, steigt bis auf die Höhe, hat Sackgassen, viele freie Strecken ohne Häuser. Gut eine Stunde strammer Spaziergang von Tür zu Tür, von Briefkasten zu Briefkasten.

Erste Feststellung: der Job ist nichts für mich. Viel zu viele Hunde, die sich an Gartenzäunen bellend aufrichten, die hinter Haustüren kläffen und nach den Zetteln schnappen, wenn ich sie durch den Briefschlitz einwerfe.

Zweite Feststellung: es gibt unendlich viele Variationen zum Thema Briefkasten.
Da sind weiße, braune und schwarze. Winzige, in die man kaum einen normalen Brief stecken kann, und riesige, in denen problemlos die Post einer Woche oder eines Monats verschwindet. Manche sind aus Plastik, die meisten aus Metall, von Blech einfach über Messing verschnörkelt bis zu Edelstahl gebürstet (bei einem sogar noch mit Schutzfolie). Rechteckige Kästen mit schmaler Klappe vorne, Schlitze in Haustüren, bauchige Kästen, rohrförmige amerikanische mit Blechfahne an der Seite. An einem Haus hing sogar ein handgesägter Holzkasten in Hausform, bunt angemalt und mit Namen beschriftet.
Ob man eine Psychologie der Briefkästen aufstellen könnte? Gibt es Modeerscheinungen? Werden für Mieter einfachere Kästen angeschafft, als der Besitzer sie für sich selber aussuchen würde?
Briefkästen - eine Welt für sich.

Sonntag, 18. Mai 2008

Momentaufnahme (2)

Gestern haben wir Blumen für die Balkonkästen eingekauft. Ich habe mich entschieden, dieses Jahr nicht ganz so bunt zu pflanzen:
lila Hängegeranien: Bilder Upload

rosafarbene Kapkörbchen: Bilder Upload

und weiß blühende Schneeflockenblumen: Bilder Upload

(keine Ahnung, wie die offiziell heißen). Am Abend bekamen die Pflanzen noch ausgiebig zu trinken, damit ich sie heute in die Kästen setzen kann.

Terracottafarbene Plastikkästen, gefüllt mit dunkler Blumenerde. Ein Duft nach Wald steigt auf, der Kater schnuppert interessiert. Mit bloßen Händen die Erde zerkrümelt, aus der Tüte gehoben und in den Kästen verteilt. Dann Vertiefungen hineingedrückt, die Pflanzen behutsam aus ihren viel zu engen Töpfen befreit und sie in die Mulden gesetzt. Die ganze Zeit spreche ich leise vor mich hin, lobe die hübschen Blüten, wünsche gutes Anwachsen und Gedeihen, verspreche, dass ich gleich gründlich und später regelmäßig gießen werde.
Jetzt hängen die Kästen in ihren Halterungen, die Blumen sehen noch zu klein aus für den Platz, den ich ihnen zugeteilt habe. Das wird sich hoffentlich bald ändern.
Während ich mit der Gießkanne wässere, stelle ich fest, dass dieses Jahr alles anders ist. Ich habe kein einziges Samentütchen gekauft, keine einzige Pflanze gesät, pikiert und ausgepflanzt, wie ich es alle Jahre zuvor mit viel Enthusiasmus getan habe.

In diesem Jahr war mir bereits im Januar klar, dass ich nicht genügend Zeit aufbringen würde, mich um Sämlinge und Jungpflanzen ausreichend zu kümmern. Ausnahmsweise hat die Vernunft gesiegt und ich habe der Versuchung widerstanden, doch ein paar bunte Tüten zu kaufen. Jetzt komme ich mir komisch vor, als fehlte etwas.
Schon als Kind fand ich es faszinierend, wenn man drei, vier Bohnen in einen Blumentopf steckte und sie nach ein paar Tagen keimten. Wenn sie die ersten Blätter aus den Bohnenhälften steckten und sich dann dem Licht entgegenstreckten. Wenn irgendwann die ersten Blüten, die ersten Bohnenhülsen an der Pflanze hingen. Und wenn sich der Kreislauf schloss, indem ich die getrockneten Bohnen aus diesen Hülsen puhlte und aufbewahrte für das nächste Jahr.
Vielleicht sollte ich doch noch ein paar Bohnen aus der Küche holen und sie am Gartenzaun aussäen ...

Freitag, 9. Mai 2008

Momentaufnahme (1)

Das Morgenritual am PC. Kräutertee trinken, Foren und Blogs besuchen und langsam wach werden. Ist die Teetasse geleert, folgen Kaffee und anschließend Hausarbeit.
Gerade als ich den Kaffee in die große, sonnengelbe Tasse schütten will, klingelt das Telefon.
"Kannst du mal schnell rüberkommen?"
Schon am Tonfall meiner Mutter erkenne ich, dass etwas passiert ist. Ich lasse Kaffee Kaffee sein, greife mir den Hausschlüssel und marschiere über die Straße zum Haus auf der anderen Seite. Gut, dass Mutter so nah ist.

Das Unglück breitet sich in leuchtendem Himbeerrot im Abstellraum aus. Ein Siruppfütze gespickt mit glitzernden Scherben sucht ihren Weg über die Bodenfliesen, sickert in Zeitlupe unter den Vorratsschrank. Küchentücher hindern sie nur notdürftig.
Mit Kehrblech, Eimer und Vorsicht Scherben und Klebriges einsammeln, mit Lappen und viel Wasser die Reste aufwischen. Nach ein paar Minuten kann ich zu Mutter sagen:
"So, jetzt kannst du mit dem Schrubber drüber gehen."
Sie ärgert sich noch ein bisschen, weil ihr die Flasche mit dem Himbeersirup aus den rheumatischen Händen geglitten ist, ausgerechnet eine große, volle Flasche. Und weil sie sich nicht mehr einfach hinknien kann zum Putzen, sondern um Hilfe bitten muss.
Aber sie freut sich auch, dass ich da bin.
"Sonntag ist Muttertag", sage ich.
"Um Muttertag haben wir uns doch noch nie gekümmert", antwortet sie.
"Dass so etwas wie gerade eben jederzeit möglich ist, das ist doch viel wichtiger."

Mittwoch, 7. Mai 2008

Blumenkind

Am Rhein auf einer Bank sitzen und dem strömenden Wasser zuschauen. Die Bank steht im Windschatten einer alten Stadtmauer, umgeben von Gras, Löwenzahn und Gänseblümchen. Davor ein schmaler, asphaltierter Weg für Fußgänger, Inline-Skater und einzelne Radfahrer. Nur wenige Meter entfernt der Rhein und am anderen Ufer die Schweiz.

Eine alte Holzbrücke - die längste überdachte Holzbrücke Europas (länger als die bekannte Kapellbrücke in Luzern) - verbindet Bad Säckingen mit dem Schweizer Ort Stein (nein, nicht das Stein am Rhein am Bodensee). Wir sind hinüber und herüber gegangen, haben uns umgeschaut, sind durch die Gassen von Bad Säckingen gebummelt und haben fotografiert. Und jetzt sitzen wir hier und genießen Sonne, leises Rauschen des Rheines und Vogelzwitschern.

Zwei Ruderboote fahren flussabwärts mit gleichmäßigem Paddelschlag. Wie mühsam wird ihnen der Rückweg werden gegen die Strömung.
Menschen flanieren vorbei, in Sonntagskleidung die älteren, die jungen in bequemer Kluft.
Ein Spatz hüpft neugierig um uns herum, mustert mich aus seinen glänzenden Knopfaugen. Als er feststellt, dass wir keine Krümel für ihn haben, flattert er weiter.

Mein Blick fällt immer wieder auf die Gänseblümchen im Gras, die im milden Wind leicht zittern wie winzige Sonnen. Gänseblümchen?
Ich überlege nicht lange und hocke mich ins Gras, pflücke eine Hand voll Blumen mit kurzen, dicken Stielen. Vorsichtig schlitze ich den Stiel der ersten Blüte mit dem Fingernagel auf. Ich schiebe einen zweiten Blütenstiel hindurch, bis sich die Blüte festhakt. Nächster Schlitz, nächste Blüte, immer weiter, immer leichter geht es von der Hand. Ich halte die Kette an den Enden zusammen, sie ist lang genug als Kranz. Behutsam kneife ich ein Loch in den letzten Stiel, vergrößere den Schlitz, bis das erste Blütenköpfchen hindurch passt, ohne dass die Pflanzenfasern reißen. Geschafft!
Ich setze mir den Gänseblümchenkranz aufs Haar, fühle mich wie ungefähr fünf und freue mich über das Lächeln der Passanten. Eine Dame sagt im Vorübergehen: "Gestern habe ich mir auch einen gemacht." Ich komme mir überhaupt nicht kindisch vor.

Montag, 5. Mai 2008

Akrobat in Rotbraun

Frühjahrsurlaub. Der erste Campingplatz unserer Tour, die erste Nacht tief und fest geschlafen und nun Frühstück im Wohnmobil.
In unserem Blickfeld ein Baum, den ich etwas später und aus der Nähe als Feldahorn identifiziere. Zartgrüne Blätter entfalten sich, an den Zweigspitzen hängen noch in Büscheln die vertrockneten Samenstände, die "Nasen" des Ahorns.
Ein Zweig wippt heftiger, als es der leichte Wind verursachen könnte. Außerdem wippt nur ein Zweig, die anderen wiegen sich kaum. Auf diesem Zweig, an einer stabilen Gabelung hockt ein rotbrauner Kobold mit buschigem Schwanz. Er richtet sich kurz auf, dann hangelt er vorwärts, immer weiter zur Zweigspitze hin.
Der Zweig schwankt von rechts nach links, von links nach rechts, je nachdem, wohin der kleine Seiltänzer gerade die Pfoten setzt. Den Schwanz schwenkt er dabei wie einen Sonnenschirm, schlingt ihn dann als Sicherheitsleine um den Zweig und streckt blitzschnell die Vorderpfoten aus.
Ein kurzer Ruck, die langfingerigen Krallen halten die Beute sicher fest, hastiger Rückzug auf die Astgabel. In aller Ruhe puhlt das Eichhörnchen die Samen aus ihrer Hülle, knabbert sie und hält Ausschau nach Nachschub.
Und wieder stürmt der Kleine vorwärts, hängt kopfüber am Zweig, zerrt und zupft die Samen ab. Erst als der Zweig leer geräubert ist, verschwindet er so schnell, wie er gekommen ist, am Stamm hinab und in die Büsche.

Auf Travellers Pfaden

unterwegs durch Prosa und Lyrik

Ins Wolkenlicht geschrieben

Cover-Lyrikband

Mein erster Lyrikband ...

... erscheint Mitte Juni im hs-Literaturverlag, Wien. Vorbestellungen sind bei mir möglich (signiert und/oder mit Widmung, wenn gewünscht) oder über die Verlagsseite. genaueres findet ihr hier

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Zuletzt aktualisiert: 5. Juli, 11:20

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