Gereimtes

Sonntag, 15. November 2009

Alle Jahre wieder ...



Traditionen soll man pflegen,
grade auch der Kinder wegen,
und so macht in jedem Jahr
ein Sankt-Martins-Zug sich klar.

Kinder zieh'n Laternen schwingend,
schwatzend, lachend, Lieder singend
durch das Dorf von Tür zu Tür.
Süßigkeiten gibt's dafür.

Wettergott ist gut gelaunt,
mild und trocken ist's, man staunt.
Und so wandern alle leicht,
bis das Sängerheim erreicht.

Bollerwagen voller Beute,
einundvierzig Kinder heute.
Helfer sind herbei geeilt,
alles wird gerecht geteilt.

Kinder können unterdessen
ihre Stutenkerle essen,
nehmen schließlich gar nicht bang
Sängerlohn gern in Empfang.

Langsam leert sich dann der Saal.
Müde sind sie allemal.
Und im nächsten Jahr, ganz groß,
zieh'n sie sicher wieder los.


am Freitagabend war beim uns im Dorf Martinszug
organisiert vom Dorfverein
das Gedicht steht jetzt auf der Dorfhomepage mit ein paar Bildern dazu

Sonntag, 25. Oktober 2009

Musenkater



Reime flechten, Verse schmieden,
Prosa schreiben, grundverschieden
sind die Aufgaben, bei denen
sich Autoren heimlich sehnen
nach Inspiration, Ideen.
Da komm' ich dann ins Geschehen.

Sitze auf dem Schreibtisch, schnurre,
maunze, mieze, murre, gurre.
Lasse mir das Bauchfell kraulen,
um Schreibsperren zu vergraulen.
Die Autorin wird gleich heiter
und kommt mit der Arbeit weiter.

War ich so von großem Nutzen,
kann ich mich schlussendlich putzen.
Lecke Pfoten, wische Ohren,
bin zur Muse halt geboren.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

wechsel.weise

.
Als Atomes kleine Welt noch heil war,
reichte für die Welterklärung schon,
dass es eins sei, gänzlich unzerteilbar.
Niemand dachte an das Elektron.

Später fand man dieses in der Hülle.
Winz'ge Teilchen schwirren um den Kern
des Atoms und bieten eine Fülle
von Verbindungen nach nah und fern.

Trifft ein Elektron auf schmale Spalten,
wandelt es sich ohne Zögern um,
ist als Welle nicht mehr aufzuhalten,
schwingt um Hindernisse glatt herum.

Elektron verhält sich blitzeschnelle
wie's ihm passt: als Teilchen oder Welle.
.

Freitag, 16. Oktober 2009

Vor dem Winterschlaf

.
ruft uns das Meer ein letztes Mal
in diesem Jahr zu ihm zu kommen.
Gern haben wir den Ruf vernommen
und folgen ihm in freier Wahl.

Vier Tage in den Niederlanden
hinter den Dünen, gleich am Dijk.
Bei Leyden, Gouda und Katwijk
wird unser Wohnmobil bald stranden.

Am Samstag, Sonntag will ich schweigen,
bin ohne internette Welt.
Und was besonders mir gefällt,
will ich euch Montag Abend zeigen.

.

Donnerstag, 16. April 2009

Reimfall

"Mir ist ganz seltsam heut zumut,
so lyrisch. Das ist gar nicht gut!",
sprach die Autorin und verharrte
vorm Monitor, auf den sie starrte.

"Ich bin Romanschriftstellerin.
Wo soll ich mit Gedichten hin?
Was tun, wenn in mir Verse keimen?
Was soll ich mit gekreuzten Reimen?

Metaphern will ich gern gebrauchen,
will tief hinein in Bilder tauchen,
denn grade diese schaffen eben
auch in Geschichten buntes Leben.

Doch wie soll Prosa ich verfassen,
wenn ich das Reimen nicht kann lassen?
Wenn ich die Sätze krumm verdrehe,
damit ich hinten Gleichklang sehe?"

Zur Zeit ist es noch ungeklärt,
wie lange solch ein Anfall währt.
Für die Autorin gibt es zwei
Verhaltensweisen bis vorbei:

Zum einen kann sie unzufrieden
ein Weilchen weiter Verse schmieden.
Zum andern kann sie Pause machen
und ungereimt darüber lachen.

Dienstag, 10. März 2009

Wo bleibt der Frühling?

Unverschämte Regentropfen,
die mit ihren nassen Fingern
ständig an mein Fenster klopfen,
bringen mein Gehirn zum Schlingern.

Schneiden sie mit Wasserschnüren
Draußen-Bilder fein in Streifen,
lasse ich mich gern verführen,
Flucht in Träume zu ergreifen.

Dort wird Grau in Blau verwandelt,
Regen wird zu Sonnenschein,
der mit Wärme sich verbandelt.
So soll Märzenfrühling sein.

Auf der grünen Blumenwiese
sprießt schon gelber Löwenzahn
und in einer lauen Brise
zieht ein Radler seine Bahn.

Kommt mir freundlich gleich entgegen,
stellt sich als der Frühling vor,
der bei unsrem kalten Regen
ebenfalls die Lust verlor.

Mit dem Winter immer weiter
kämpfen gegen Eis und Schnee,
das sei nun, erzählt er heiter,
für ihn selber tout passé.

Weil er an Erschöpfung leide,
mache er jetzt eine Kur.
Damit er den Stress vermeide,
radle er durch Wald und Flur.

Sprichts und lächelt und verschwindet.
Ich erwach aus meinem Traum.
Was das Hirn alles erfindet,
hält man es nicht fest im Zaum.

Mir bleibt weiter nur das Hoffen,
auf des Wetters Besserung.
Frühlings Ankunft ist noch offen.
Wann kommt endlich der in Schwung?

Mittwoch, 26. November 2008

Kammerjäger

Ein Mensch traut seinen Augen kaum
als er betritt des Schlafes Raum
und auf dem Boden, in den Ecken
muss fette Wollmäuse entdecken.

Er hascht nach ihnen mit den Fingern,
doch der Erfolg bei diesen Dingern
ist dürftig, sie entfliehen leicht
bis unters Bett, dort unerreicht.

Er kniet sich nieder, will sie locken.
Ein Mäuschen hängt an seinem Socken.
Die andern harren wohl geschützt
im Dunkel aus. Was da wohl nützt?

Der Mensch kratzt nachdenklich sein Ohr,
holt dann den Staubsauger hervor.
Der saugt die Flusen unter Lärm
und gnadenlos in sein Gedärm.

Den Staubsauger schnell fortgebracht,
des Menschen reines Herze lacht.
Der Sieg des Tages wird genossen,
mit einem Gläschen Wein begossen.

Freitag, 31. Oktober 2008

Halloween

Geistermasken, Kürbisfratzen,
Werwölfe mit scharfen Tatzen,
blutverschmierte Vampiressen,
halbverweste Zombifressen
ziehn gemeinschaftlich im blassen
Mondenschein durch unsre Gassen.

Schreien, kreischen an den Türen,
um der Menschen Angst zu schüren,
drohn mit wüsten Grausamkeiten,
wissen Schrecken zu verbreiten.

Soll'n sie sich nicht an uns rächen,
muss die Monster man bestechen.
Süßes Naschwerk macht geschwind
aus dem Gruselgeist ein Kind.

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Schwein gehabt

Ich fütterte ein ganzes Jahr
mit jedem Cent, der übrig war,
ein freundlich-grinsend rosa Schwein.
Doch irgendwann muss es mal sein,
und heute auf den Tag genau,
da schlachte ich die arme Sau.

Drum hol' ich aus der Abstellkammer
den großen, schweren Eisenhammer.
Ich schau dem Schwein ins Angesicht
und denke: Nein, das kann ich nicht!
Es muss doch einen Schlüssel geben
für zukünftiges Schweineleben.

Ich finde ihn, er passt am Bauch,
der kleine Schlüssel dreht sich auch.
Das Schloss geht auf, der Groschen fällt,
mein Schwein ist noch von dieser Welt.
Erleichtert blinzelt es mich an.
Ab Morgen ist wieder Sparen dran.

(30. Oktober ist Weltspartag)

Mittwoch, 6. August 2008

Amphibisch

Beim Unkrautjäten um den Teich
hör' ich ein Rascheln und sogleich
bewegt sich wie von Geisterhand
ein Farn, der still am Ufer stand.

Neugierig will ich näher rücken,
mich langsam in die Tiefe bücken,
vorsichtig Blätter, Stengel teilen,
um in die Schatten nun zu peilen.

Das Wesen, das sich hier versteckt,
hat mich ganz klar zuerst entdeckt
und hechtet elegant ins Wasser.
Der Farn wird dabei etwas nasser.

Geduldig wart' ich eine Weile.
Zwei Augen tauchen ohne Eile
herauf und zwischen Wasserlinsen
scheint mich das Froschmaul anzugrinsen.

Frosch

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