Reiseimpressionen

Freitag, 29. Oktober 2010

Kurz vor Tagesende ...

... melde ich mich noch im Blog.
Eben nach Hause gekommen von einem "Mädelsabend" mit einer Freundin. Wir haben es uns mit Kunst und leckerem Essen gut gehen lassen.
"KünstlerInnen bitten zu Tisch" - immer wieder ein Erlebnis.

Zu müde, um heute lange zu erzählen, aber das hole ich morgen nach.

Ein schönes Wochenende - ein langes in manchen Bundesländern, auch in NRW - wünsche ich euch.

Uta

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Herbsturlaub (2)

Schlumpfhausen im Elsass

"Und wenn wir dann ins Elsass fahren, möchte ich gerne in Mühlhausen ins Schlumpf-Museum."
Ich schaute meinen Schatz verwirrt an. Seit wann interessierte er sich für die niedlichen kleinen blauen Wichtel mit ihren weißen Zipfelmützen? Er hatte - soweit ich weiß - nie die Comics gelesen, keine Gummifiguren gesammelt, geschweige denn ihre Sprache "geschlumpft".
"In Frankreich heißen die 'Les Stroumpfs'", kehrte ich die Neunmalklluge heraus.
Jetzt erntete ich von ihm einen irritierten Blick, dann lachte Schatz.
"Ich rede vom Automuseum, dem größten der Welt, der Collection Schlumpf."
Nun sind Autos nicht gerade meine Leidenschaft, aber beim Stichwort Oldtimer bekam ich trotzdem glänzende Augen. Eine alte Spinnerei, aufwändig renoviert zum Jahrtausendwechsel, in dem über hunderte von Autos vom Beginn ihrer motorisierten Geschichte bis in die 1970er Jahre stehen. Ein spezieller Bereich für Rennwagen und einer für die Meisterwerke, dazu verschiedene Motorenmodelle und Informationen zu Bau und Technik in früheren Zeiten. Das klang auch für mich verlockend.

Bevor ich euch zu einem Foto-Rundgang einlade, möchte ich ein bisschen über die Geschichte der Sammlung erzählen. Die ist nämlich gar nicht ohne.

Fritz Schlumpf wurde Anfang des 20. Jahrhunderts geboren und baute mit seinem Bruder Hans zwischen den Weltkriegen ein Textilimperium auf. So umsichtig er als Unternehmer war, so groß war seine Leidenschaft für die Luxusautos seiner Kindheit. Nach und nach kaufte er Oldtimer auf, ließ sie von extra angestellten Arbeitern restaurieren und stellte sie in einer Fabrikhalle ab. Eine rein private Sammlung, unzugänglich für die Öffentlichkeit.
In den 1970er Jahren fiel die Textilindustrie in eine tiefe Krise, der auch das Schlumpf-Imperium zum Opfer fiel (wobei mögliches Desinteresse des Chefs dazu beigetragen haben könnte). Als die entlassenen Arbeiter - ich habe von rund 2000 gelesen - die Fabrikhalle besetzten, um ihre ausstehenden Löhne einzufordern, waren die Schlumpfs bereits vor den rechtlichen Konsequenzen in die Schweiz geflohen.
Eine Gesellschaft, der auch die Stadt Mulhouse angehört, erwarb Sammlung und Gebäude und betreibt seither das "Musée National de l'Automobile".

Allein die Front des Museums ist sehenswert: eine hohe Glaswand, die von Karosseriemodellen durchbrochen wird. Eine beeindruckende Eingangshalle, von dort ein geneigter Gang der in einer dämmerigen Halle zu schweben scheint. Vitrinen mit Kühlerfiguren - früher mehr individueller Schmuck als Markenzeichen - und dann die große Halle, in der die Geschichte des Automobils lebendig wird. Reihe um Reihe bummeln wird an Jahrzehnten Autobauerkunst vorbei, von motorisierten Kutschen mit fransengeschmücktem Dach über die Klassiker "Doktorwagen", diverse Bugatti bis hin zum schwarzen Citroen aus Gangsterfilmen. Autos in allen Größen, Farben, Formen. Ein eigener Bereich für Rennautos, eine edle Halle mit den Spitzenmodellen von Rolls Royce und - was sonst - Bugatti. Für diese Marke schien Monsieur Schlumpf ein besonderes Faible zu haben.
Ich habe fotografiert und fotografiert, konnte mich nicht satt sehen, während ein Audio-Guide Holger zusätzliche Infos ins Ohr flüsterte.
Mein Resumee: Auf jeden Fall ein lohnender Ausflug in die Zeit, als Autos einfach schön waren.

Und hier geht's ins Museum.

Montag, 18. Oktober 2010

Herbsturlaub (1)

Der letzte Kurzkrimi lässt es ahnen: wir haben im Urlaub eine kleine Brennerei besichtigt.

Der Campinghof in der Nähe von Salem, auf dem wir die ersten Urlaubstage verbracht haben zusammen mit einer großen Runde anderer Pickup-Verrückter, hält seit vier Generationen Brennrechte für Obstler. Und der Senior-Chef hat mit uns eine Verkostung veranstaltet.
Mit viel Liebe zum Detail hat er uns erklärt, wie man einen guten Obstler erzeugt: von den Äpfeln über die Maische, den Brand bis hin zur Lagerung.
Wir haben fleißig nachgefragt, wie denn die Kontrollen sind, ob der Zoll während des Brennvorgangs daneben steht, und ob man vielleicht kleine Mengen für den Hausgebrauch brennen dürfte. Es gibt doch so hübsche kleine Hausdestillen.

Natürlich mussten wir probieren und einige von uns haben dann wohl auch an der Camping-Rezeption ein Fläschchen eingekauft, denn der Obstler und der Williams-Birnengeist waren vom Feinsten. Klar, mild, ein bodenständiger Tropfen.

Ihr wollt ein paar Bilder sehen? Dann kommt mit zur Verkostung

Mittwoch, 8. September 2010

Notizen aus Dänemark (7)

Dem Ende zu

Irgendwann geht auch der schönste Urlaub zu Ende. Aber im Laufe der letzten Woche freue ich mich auch jedes Mal auf zu Hause. Drei Wochen raus aus dem Alltag, drei Wochen herumfahren, schauen, Eindrücke aufsaugen und (relativ) faul sein. Schließlich gelüstet es mich wieder nach Arbeit. Muss nicht gleich das volle Programm sein, aber ein bisschen Wäsche waschen und bügeln zum Beispiel werden langsam reizvoll.
So haben wir uns ganz gemütlich gen Süden und zurück nach Deutschland geschlichen.

Die Orte an der Ostseeküste sehen schon ein bisschen anders aus als an der Nordsee. Häfen und Städte sind größer, Ferienhaussiedlungen weniger. Mehr Alltag auf dieser Seite, scheint mir.
Wir sind gebummelt in Aarhus und Randers, in Haderslev und Aabenraa. Haben noch ein paar Leuchttürme gefunden, die Insel Als umrundet, die fast wie Festland ist. Und wir hatten herrliche Sonnenuntergänge, bei denen ich fotografiert habe wie blöde.

An der Schlei - einer flussähnlichen Förde, die rund 40 Kilometer weit ins Land ragt bis nach Schleswig - haben wir nochmal kurz Station gemacht, und zwar in Maasholm kurz vor der Mündung in die Ostsee.
Kindheitserinnerungen auffrischen war angesagt, denn damals habe ich mit meinen Eltern viele Jahre lang an der Schlei den Sommerurlaub auf dem Campingplatz verbracht.
Und kaum las ich die Hinweisschilder nach Süderbrarup oder Kappeln, fühlte ich mich zu Hause.
Maasholm ist ein hübsches Fischerdorf mit Yachthafen und Wohnmobilstellplatz gleich nebenan. Wer würde da nicht am Abend in eins der gemütlichen Restaurants bummeln und eine leckere Fischplatte oder Scholle mit Krabben essen? Und am nächsten Tag natürlich vor der Weiterfahrt noch in der Räucherei einkaufen.
Stationen auf der Heimfahrt:
Kappeln, das Städtchen mit den Heringszäunen. Dicht gesetzte Holzpfähle und Flechtwerk leiten die Fischschwärme, die im Frühjahr von der Ostsee in die Schlei ziehen, in Reusen, so dass sie dort gefangen werden.
Arnis, die kleinste Stadt Deutschlands, sowohl von der Einwohnerzahl als auch von der Fläche, wirkt eher wie ein gemütliches Dorf. Bummelt man die lange Hauptstraße bis ans Ende erreicht man die Fischerkirche mit Holzturm, in deren Innerem mehrere Modellschiffe unter der Decke hängen.
Auf dem Weg nach Lindaunis, wo eine Klappbrücke die Schlei überquert, haben wir einen spontanen Stopp bei einem Bauernhof gemacht, der mit der Bezeichnung "Angler Sattelschweine" warb. Diese alte und robuste Schweinerasse wird kaum noch gezüchtet, es gilt sie zu "erhalten durch Aufessen". Der Hofladen duftete verführerisch (wir haben gründlich eingekauft) und wir durften sogar einen Blick in den Stall werfen.

Ein paar Impressionen von diesem letzten Reiseabschnitt habe ich für euch in diesem letzten Urlaubs-Fotoalbum.

Samstag, 4. September 2010

Notizen aus Dänemark (6)

Kunst und Design

Ein Regentag - selbst ein halber - hat auch einen Vorteil im Urlaub: Ich habe Holger in ein Museum in Kolding an der Ostsee geschleppt, und er hat das über zwei Stunden mitgemacht.
Das Kunstmuseum Trapholt liegt auf den Hügeln am nordöstlichen Rand von Kolding mit Blick aufs Meer. Ein Skulpturenpark umrahmt ein verschachteltes weißes Gebäude, das auf mehreren Ebenen Bilder, Skulpturen und Designobjekte ausstellt.

Von der Eingangshalle aus landeten wir zuerst in einem runden Gebäudeteil, wie ein dicker Turm mit einer Treppe, die sich um die Außenwand nach unten schlang. Dezente Beleuchtung, in der Außenwand kleine Vitrinen mit Informationen rund um dänisches Design, Schwerpunkt: Stühle. Dänische Designerstühle sind weltbekannt, viele von uns haben sicher schon auf den klassischen Bürostühlen mit der runden Rückenlehne und schmalen "Taille" gesessen. Stühle, die zum Teil mehrere Jahrzehnte alt sind, wirken immer noch aktuell und schön.

Malerei: Als wir dort waren, gab es eine Ausstellung einer dänischen Künstlerin, die im 20. Jahrhundert gelebt und gearbeitet hat, von verschiedenen Strömungen beeinflusst, und deren Entwicklung an einer Reihe von Exponaten dargestellt wurde. Ich habe mich nicht bei jedem Gemälde lange aufgehalten, weil mein Schatz sonst nervös geworden wäre. Aber die verschiedenen Perioden in einem Gesamtwerk zu sehen, fand ich spannend.
Ein weiterer Teil zeigte Werke dänischer Maler aus den 1970ern und 1980ern unter dem Titel "Colourful". Diese Bilder - sehr farbige, mit groben Pinselstrichen gemalte Motive, häufig Personen - gaben mir ein Gefühl, als habe der Künstler unter Drogen gestenden, so grell, schrill und drastisch waren sie.

Was mir an Trapholt allerdings sehr gut gefiel: es gibt dort für Kinder jede Menge Möglichkeiten, sich mit der Kunst auf spielerische Art auseinander zu setzen. Ecken, an denen sie Bilder nachmalen können, ihre eigene Interpretation davon geben. Ein Quiz, das sie durch das Museum führt und dazu bringt, genau hinzuschauen. In der Designabteilung Stuhlmodelle zum Benutzen, um die Wirkungen der unterschiedlichen Bauweise zu studieren, und "Grabbelwände", bei denen man in Löcher fasst, um die unterschiedlichen Materialien zu erspüren, bevor man sie auf der anderen Seite in Acrylglaskugeln sehen kann.

Und auch für große Spielkinder wie mich gibt es ein interessantes Projekt: Die Ausstellung der Woche.
In einer großen Halle stehen auf einer Seite eine Reihe unterschiedlichster Stühle, in der Mitte jede Menge Skulpturen und auf der anderen Seite ist die Wand behängt mit Bildern in allen Größen und Stilen.
Am Eingang zu dieser Halle findet man eine Menge Klemmbretter mit fünf "Aufhängern" darauf. An einem hängt bereits ein Kärtchen mit einem Gemälde.
Aufgabe: Man darf selber Museumsdirektor spielen und soll rund um dieses Gemälde eine Ausstellung gruppieren. Zu jedem der aufgebauten Werke gibt es kleine Kärtchen, die an die Aufhänger gepinnt werden. Ist die eigene Auswahl komplett, gibt man ihr einen Namen, schreibt auf dem Blatt kurz, was man sich dabei gedacht hat und kann an einem Computer noch passende Hintergrundmusik aussuchen. Dann noch Name und Mail-Adresse drauf und am Ende der Halle abgeben.
Dort steht gerade die Ausstellung der laufenden Woche und aus all den neuen Vorschlägen wird dann - ich vermute vom Chef des Ganzen - die Ausstellung der nächsten Woche ausgewählt.

Mit dieser Aufgabe haben wir die Zeit überbrückt bis zu einer Führung am Mittag durch "Arne Jacobsens Sommerhaus". Der Designer hat 1970 ein Konzept für ein wachsendes Haus entworfen. Würfelförmige Elemente mit einer Grundfläche von 10 x 10 Metern können zusammengestellt werden, so dass ein Paar mit einem kleinen Haus starten kann, es mit Kindern erweitert oder auch im Alter wieder verkleinert. Die komplette Inneneinrichtung ist ebenfalls von Jacobsen entwickelt und wirkt schlicht und funktional.
Der Prototyp wurde für eine Messe gebaut und ist bis heute das einzige Exemplar. Einerseits war es für den damaligen Geschmack anscheinend zu modern, andererseits auch etwas teuer für Durchschnittsverdiener. Dazu starb Jacobsen kurz nach der Messe und die mit ihm zusammen gegründete Produktionsfirma wurde aufgelöst.
Eigentlich schade, denn die Idee gefiel uns gut.

Insgesamt ein vielseitiges Museum, dass uns den Regentag angenehm verkürzt hat.
Und am Nachmittag kam dann wieder die Sonne heraus. Alles gut also.

Freitag, 3. September 2010

Notizen aus Dänemark (5)

Plötzlich überall

Ihr kennt sicher dieses Phänomen:
Ein Wort begegnet euch, und plötzlich hört ihr es ständig. Ein Thema berührt euch, und mit einem Mal wird überall darüber gesprochen und geschrieben. Als ob es genau in diesem Augenblick Mode geworden wäre.
Natürlich wurde das Wort auch vorher schon benutzt, das Thema immer wieder in den Medien diskutiert. Aber jetzt seid ihr sensibilisiert, habt eure Antennen ausgefahren und nehmt es war, selektiert es sozusagen aus der Informationsflut heraus.

Im Urlaub ging es mir genau so mit der Malerei. Zur Zeit beschäftige ich mich ja wieder intensiver damit, versuche meinen Weg in Aquarell und Acryl zu finden. Also war klar, dass ich unterwegs sicher verstärkt Kunst in allen Formen sehen würde.
Allerdings glaube ich, dass Dänemark beim Thema Galerien und Ausstellungen eine ganz besondere Rolle spielt.

Seit Jahren freue ich mich jedes Mal, wenn ich in Städten kleine Geschäfte entdecke, in denen Bilder verkauft werden. Und wenn Werke dabei sind, die mir gefallen (oft abstrakte Gemälde), dann versuche ich sie zu fotografieren. Entweder durch eine Fensterscheibe oder aus der Hüfte heraus im Geschäft, wenn keiner zuschaut. Nicht, dass ich ein Bild kopieren wollte, nein, einfach als Erinnerung und Inspiration. Ich habe die Fotos der letzten Jahre durchgesehen, hier und da sind einzelne Bilder-Aufnahmen dabei. Nichts Tolles, denn Fensterscheiben spiegeln und je nach Aufnahmewinkel sind die Kanten verzerrt, aber das ist ja egal für meine Zwecke.

In Dänemark kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. In jedem Dorf schien es eine kleine Galerie zu geben, an den Straßen überall Hinweisschilder auf Ausstellungen. Manch Leuchtturm kann nicht nur bestiegen werden gegen ein kleines Entgelt (zu entrichten in eine Kassette, keiner kontrolliert das), sondern in den ehemaligen Wohnhäusern finden heute Ausstellungen lokaler oder landesweiter KünstlerInnen statt.
Anscheinend ist Dänemark ein Land, in dem fast jeder einer kreativen Tätigkeit nachgeht, entweder beruflich oder in seiner Freizeit.
Ich glaube, in den drei Wochen hat es höchstens vier Tage gegeben, an denen ich mir nichts angeschaut habe.
Könnt ihr euch vorstellen, wie ich gestrahlt habe? Da waren so viele spannende Werke, so viele fantastisch gemalte Bilder, dass ich ganz tief atmen musste. Am liebsten hätte ich sofort an einer Staffelei gestanden und gearbeitet, alles ausprobiert, was ich hier an Anregungen sah. Das machte ganz kribbelig.
Ich habe dabei gespürt, wie wichtig mir die Malerei ist. Und ich bin froh, dass ich mich nicht zwischen Schreiben und Malen entscheiden muss.

Dienstag, 31. August 2010

Auf die Spitze getrieben

Fährt man Jütlands Nordseeküste immer weiter, erreicht man Skagen, Dänemarks nördlichste Stadt. Von unserem letzen Besuch vor rund fünfzehn Jahren hatte ich Skagen als gemütliche Kleinstadt mit lebendigem Hafen in Erinnerung. Lebendig ist die Stadt wirklich, inzwischen allerdings so touristisch, dass ich nicht mehr so begeistert wie damals war.
Die roten Fischerhäuser im Hafen, an denen wir früher in einfachen Läden Fisch gekauft hatten, sind heute zu Lokalen geworden, vor denen unter Schirmen und Pavillons lange Reihen Tische und Bänke auf Gäste warten. In Zentrum reihen sich Geschenkläden, Cafés und Boutiken aneinander. Ein breiter Strom Touristen zieht daran vorbei.
Wenn man allerdings die Fußgängerzone verlässt, macht ein Bummel durch die schmalen Gassen immer noch Spaß. Gelb gestrichene Häuser mit roten Ziegeldächern, weiße Holzzäune um blühende Gärten und über allem das Rufen der Möwen.
Bekannt geworden ist Skagen als Künstlerkolonie im 19. Jahrhundert. Die sogenannten "Skagenmaler" um Holger Drachmann, P.S. Krøyer und das Ehepaar Ancher malten gerne an freier Luft, naturalistisch und impressionistisch trifft ihren Stil wohl am besten.
Holger Drachmann, der auch Dichter war (ich mag diese Kombination von Malen und Schreiben), ist in den Dünen nördlich von Skagen begraben.
Auch heute noch leben viele Maler in Skagen und dem Umland. Das Licht dort oben ist anscheinend ganz speziell und die Landschaft, die kargen Dünengebiete, die Häuser und Schiffe sehr inspirierend.

In Skagen konnte ich meiner Liebe zu Leuchttürmen ausgiebig frönen, es gibt auf der Ostseeseite drei solche Seezeichen aus ganz unterschiedlichen Epochen.
Das älteste Leuchtfeuer überhaupt ist das Vippefyr von 1561, ein Holzgestell mit einem Feuerkorb, der an einem langen Arm auf und ab geschwenkt wurde (heute steht dort ein Nachbau).
Der "Weiße Turm" sieht aus, wie von einem Schachbrett entsprungen, stammt - wenn ich das richtig gelesen habe - aus dem 18. Jahrhundert und wurde noch mit Feuer beleuchtet.
Im 19. Jahrhundert baute man dann den "Grauen Turm", der mit 46 m Höhe der zweithöchste Leuchtturm Dänemarks ist.

Vor dort aus ist es nur noch ein kleines Stück, bis zur Halbinsel Grenen, der Spitze Jütlands, an der Skagerrak und Kattegat zusammenprallen.
Von einem Parkplatz aus wandern wir durch die Dünen, vorbei an Drachmanns Grab, und am Wassersaum entlang über den Sand. Hauptsaison, Menschenmassen auf der schmaler werdenden Landzunge. Alle wollen - genau wie wir - dort vorne stehen, am besten mit einem Fuß in der Nord-, mit dem anderen in der Ostsee. Wer nicht laufen kann oder möchte, fährt mit dem "Sandormen", dem "Wattwurm", einem traktorgezogenen Waggon. Was für ein Gedränge! Kaum schaffe ich es, ein Bild der hoch schlagenden Wellen zu machen, ohne dass Menschen mir vor die Linse kommen.

Wir bleiben nicht lange. Wir bleiben auch nicht in Skagen, wir fahren an der Ostseeküste langsam nach Süden und machen Stippvisiten in Aalbaeks Hafen (lecker geräucherter Fisch!) und in Saeby, einem malerischen Ort mit weißer Kirche, bunten Häusern und einem Hafen, dessen Wahrzeichen eine riesige Meerjungfrau ist.

Ein paar Impressionen von Skagen und der Weiterfahrt gibt's hier.

Donnerstag, 26. August 2010

Notizen aus Dänemark (4)

An der Nordseeküste ...

... gibt's herrliche Strände, viel Wind und jede Menge Leuchttürme.
Natürlich auch kleine Städte und Dörfer, Bauerngehöfte und Feriensiedlungen. Es macht Spaß, über die Straßen zu zuckeln in einem Land, das für mich die Bezeichnung "unaufgeregt" verdient (was ich ausgesprochen positiv meine).
Sanfte Hügel, am Meer von Dünenwäldern aus Kiefern gesichert, weiter im Inland von riesigen Getreidefeldern überzogen. Dänemark ist ein Agrarland, das war nicht zu übersehen. Der Mais stand hoch und grün, Weizen und Gerste, Hafer und Raps waren reif, Erntemaschinen schnitten und droschen und hinterließen leeres Stroh.

In unserer ersten Urlaubswoche war es ausgesprochen stürmisch. Auf Wegen durch die Dünen zu den Stränden mussten wir uns gegen den Wind stemmen, das Atmen fiel manchmal schwer. Das Meer brauste, rauschte, ließ seine Gischt spritzen. Manche Mole konnten wir nicht bis ans Ende gehen, oder wir wären klitschnass zurückgekommen. Die Möwen lachten nur darüber und segelten kunstvoll, wohin sie wollten.
In den Häfen lagen Fischerboote mit ihren hellblauen Rümpfen, Klampen, Rollen, Ketten rostig von der salzigen Luft. Ihren Fang konnten wir frisch oder geräuchert überall in kleinen Läden kaufen. Einfach lecker!
Dort, wo die Küste keine geschützten Hafenbecken bietet, haben die Fischer eine andere Möglichkeit gefunden, ihre Schiffe vor den Wellen in Sicherheit zu bringen. Sie ziehen sie mit Seilwinden und großen Traktoren auf den Strand.

Kilometerlange Strandbereiche sind sogar mit dem Auto befahrbar. An der "Einfahrt" stehen ein Tempo-30-Schild und Wegweiser, wohin es jeweils nach rechts oder links geht. Und dann reiht man sich auf dem Fahrstreifen ein und rollt über eine feuchte und feste Sandfläche. Und wenn man mag, schert man aus, parkt, holt die Campingstühle heraus und kocht Kaffee. Nach einer Pause in der Sonne geht's dann weiter, bis man irgendwann wieder auf asphaltierte Straßen abbiegt.
Løkken ist ein Ort, der am Ende einer solchen Strandpiste liegt, ein altes Fischerstädtchen, das heute vom Tourismus lebt und in der Saison ganz schön trubelig ist. Unser Campingplatz lag etwas außerhalb und direkt am Wasser. Oder besser über dem Wasser, denn die Küste ist dort steil und eine schmale Eisentreppe führt über 50 Stufen hinunter. Bei Westwind ein idealer Platz um am Abend Sonnenuntergänge und Gleitschirmflieger zu beobachten.

Verschiedene Leuchttürme haben wir auf unserem Weg nach Skagen natürlich angeschaut (meist von außen). Einer von ihnen war eine ganz besondere Herausforderung.
Der Leuchtturm an der Rubjerg Knude wurde im Jahr 1900 gebaut, wurde allerdings schon 1968 abgeschaltet. Und zwar, weil er auf dem Meer nicht mehr zu sehen war. Die Rubjerg Knude ist eine riesige Wanderdüne, die sich jeglichen Versuchen, sie zu zähmen, bis heute widersetzt. Die Kraft von Wind und Sand haben wir auf unserem Weg vom Parkplatz bis zur Düne und erst recht beim Aufstieg gründlich zu spüren bekommen.
Und zur Belohnung dann abends Sonnenuntergang und Mondaufgang. Zum Träumen!

Und natürlich könnt ihr wieder mitkommen

Montag, 23. August 2010

Notizen aus Dänemark (3)

Leckerei am Nachmittag

Wir schafften kaum geradeaus zu gehen, der Wind blies uns fast von der Hafenmauer. Er war nicht kalt, auch im kurzärmeligen Polohemd machte er mir keine Gänsehaut. Aber er machte Appetit. Mich gelüstete nach Süßem und der nächste Bäcker war nicht weit. Die dänischen Bäckerläden sind schon von weitem gut zu erkennen an einem Brezel-Emblem über der Tür und ich zog meinen Schatz quer über die Straße und ins Geschäft.
Von dezenten Lampen angeleuchtet lagen Brötchen - Rundstykker - in geflochtene Körben. Knackig goldbraun mit Mohn oder Sesam bestreut, andere aus dunklem Teig oder gelb vom Mais. In den Regalen warteten verschiedene Brotsorten auf Käufer, aber mich interessierten nur die Gebäckstücke hinter den Glastresen. Und von diesen auch nur eine ganz bestimmte Sorte: Kanel-Snegle - Zimtschnecken.

Schnecken - je nach Region manchmal Rollkuchen genannt - finden sich natürlich auch in unseren Bäckereien zu Hause. Mal aus Hefe-, mal aus Plunderteig, gefüllt oft mit Rosinen, Nüssen oder Mohn. Aber in Skandinavien gibt es etwas viel leckereres: eine herrlich klebrige Zimtfüllung!

Hier lagen sie nun vor mir, aufgerollt, braungebrannt und mit dickem Zuckerguss verziert. Wir kauften zwei Stück, verließen den Laden und rissen gleich auf der Straße die Papiertüte auf.
Ich schnupperte. Zimt, honigsanft und feinwürzig. Ich öffnete den Mund und biss ein ordentliches Stück ab. Der Teig leistete knusprigen Widerstand. Ich schloss die Augen und kaute. Zimt und Zucker trafen meinen Gaumen, ließen mich lächeln. Das war genau, was ich gerade brauchte. Happen für Happen verschwand zwischen meinen Zähnen und mit ihnen die Kühle dieses stürmischen Tages.
Genüsslich leckte ich die Finger ab und strahlte, gewärmt von einer spiraligen Zimtsonne.

P.S.: Ich muss unbedingt nach einem Rezept für die Kanel-Snegle suchen !
.

Sonntag, 22. August 2010

Notizen aus Dänemark (2)

Zwei Superlative

Fast unbemerkt haben wir die Grenze zwischen Schleswig und Südjütland überquert, unauffällig in einem Gebiet, das auf beiden Seiten sowohl deutsche als auch dänische Geschichte hat, wo mehrere Sprachen gesprochen werden und wo die Minderheiten der anderen Seite Wahlrecht haben.
Wir fahren an die Nordseeküste, machen eine Stopp in Dänemarks ältester Stadt (gut, es gibt noch eine andere, die dieses Prädikat beansprucht) und bummeln durch das kleine Ribe.

Klein heißt allerdings nicht ruhig. Ribe ist in jedem Reiseführer als hübsches und geschichtsträchtiges Städtchen genannt, dementsprechend viele Touristen laufen durch die Straßen, vor allem im Bereich der Fußgängerzone. Dort reiht sich ein Geschäft ans andere, Kleidung, Leckereien, Haushaltswaren und Dekorationsartikel (die in Dänemark "Brugskunst" - Gebrauchskunst - heißen). Überall ist gerade "Udsalg" - Ausverkauf, und die Läden überbieten sich mit Rabatten.
Verlässt man die Hauptrennstrecke, wird es schnell ruhiger. Die kleinen Häuser lehnen sich aneinander, gelb gestrichen neben rot geklinkert, die Balken über Toreinfahrten mal gerade, mal schief, und die Holztüren oft bunt lackiert mit hübschen Mustern. Ribe ist bekannt für die vielen und vielseitigen Türen. Auch die Fenster laden zum Schauen ein. Gardinen gibt es nur vereinzelt, dafür sind die Fensterbänke abwechslungsreich dekoriert, ein paar Pflanzen, Lampen, Kerzenständer, Modellsegelschiffe und hin und wieder eine lebendige Katze.

Als wir genug vom Bummeln haben, machen wir uns auf den Weg an den westlichsten Punkt Dänemarks, nach Blavands Huk. Dort steht - wie könnte es anders sein - ein Leuchtturm. Mit 42 Metern der zweithöchste im Land. Für ein paar Kronen Eintritt darf man ihn besteigen und hat von der Platform einen weiten Blick über Meer, Küste und Ferienhäuser, die sich in die Dünenlandschaft schmiegen.
Dort oben weht mir eine steife Brise die Salzluft um die Ohren und treibt mir die Tränen in die Augen. Und doch möchte ich am liebsten bis zur Dunkelheit bleiben, bis die Fresnel-Linse das Licht des Leuchtturms übers Meer schickt.

Natürlich habe ich für euch auch von Ribe und Blavands Huk ein kleines Album.

.

Auf Travellers Pfaden

unterwegs - Geschichten, Gedichte und Bilder

Wolkenlicht und Meeresatem

Buchcover

Meine Bücher ...

... können am einfachsten über mich bestellt werden. Auf Wunsch signiere ich sie gerne. Schickt mir einfach eine Mail an: uta (ät) loeskenweb (punkt) de

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Auf zu neuen Ufern !
. Der Frühling steht vor der Tür und mit...
Uta-Traveller - 1. März, 08:34
Fragment
. Atempause unter freiem Himmel. Die Sterne funkeln,...
Uta-Traveller - 28. Februar, 13:53
ehrenWORT: Platzmangel!
Nochmal erst am Dienstag alle Beiträge dann...
Uta-Traveller - 27. Februar, 16:28
Zu Hause in Venedig
Vor zwei Wochen gab es im Fernsehen einen Dokumentarfilm,...
Uta-Traveller - 26. Februar, 20:01
Gelb-Rot-Blau
Mischtechnik auf Leinwand, jeweils 20 x...
Uta-Traveller - 25. Februar, 13:01

Achtung !

Texte und Bilder unterliegen - soweit nicht anders vermerkt - meinem Urheberrecht und dürfen nicht ohne vorherige Nachfrage kopiert, verändert oder verwendet werden. Wenn Interesse an einem Text oder Bild besteht, bitte ich, mich anzuschreiben.

AN ALLE KURT-FANS

Kurt soll noch viele Geschichten erleben. Kurt soll noch vielen Menschen begegnen. Habt Ihr Ideen für Kurt's Geschichten? Dann schreibt mir eine E-Mail an: uta at loeskenweb dot de

Suche

 

Status

Online seit 3747 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 8. August, 02:00

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this topic

twoday.net AGB


Advent 2009
Advent 2010
Advents-Geschichte
AMidP
Bilder
Bücher
ehrenWORT
Erlebtes
erzählt
Gereimtes
japanisch inspiriert
Kritzeleien
kurz und prosaisch
Kurzkrimis
Limericks
Lyrik
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren