Reiseimpressionen

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Wo die Nordseewellen ... (2)

Ein paar Kilometer vom Meer ins Inland liegt Leiden, die alte Universitätsstadt. Um genau zu sein ist die Leidener Universität die älteste der Niederlande, gegründet 1575. Die Stadt selber stammt mindestens aus dem 11. Jahrhundert (Stadtrechte: 1266), es werden aber auch römische Ursprünge angenommen.
Wir sind mit dem Bus dorthin gefahren und dann den ganzen Tag kreuz und quer gebummelt.
Rund um eine große Gracht breitete sich der lebhafte Markt aus. Kleidung und Stoffe, Geflügel, Obst und Gemüse und natürlich Fisch, Fisch, Fisch. Den neuen Matjes haben wir ignoriert, dafür den Hunger mit Kibbeling gestillt. Kibbeling? Das sind Kabeljau-Stücke, die in einem Backteig fritiert und mit einer Kräuter- oder Knoblauchsauce serviert werden. Einfach lecker!
Kreuz und quer verlaufen die kleinen Gassen, immer wieder trifft man auf Wasser, Brücken überspannen die schmalen Kanäle, Bäume lassen ihre herbstlich gelben Blätter auf das Wasser segeln. Vor den Kneipen und Restaurants stehen Tische und Stühle, die Gäste nutzen die Sonnenstrahlen, um ihren Kaffee oder ihr Bier im Freien zu genießen.
Und überall Fahrräder. Mich hat verblüfft, dass Jung und Alt fast ausschließlich auf Holland-Rädern unterwegs ist, oft recht alte Modelle. Hier zählt nicht, was gerade "modern" oder "angesagt" ist, hier zählt die Zuverlässigkeit. Sie rollen, lehnen an Brückengeländern oder Hauswänden, sind aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Am Bahnhof gibt es riesige Fahrradständer, an denen Hunderte von Fahrrädern ihren Platz finden. So viele Fahrräder auf einem Haufen habe ich noch nie gesehen.
In Leiden finden sich noch viele der typischen niederländischen Wohnhöfe, die früher als Unterkünfte für die arme Bevölkerung von reichen Bürgern gestiftet wurden. Stille Flecken im Trubel der Stadt, die wir leider meist nur hinter verschlossenen Türen ahnen konnten.
Dafür haben wir dem Botanischen Garten einen ausgiebigen Besuch abgestattet. Beeindruckend, auch wenn er sich schon in sein etwas kargeres Herbstkleid hüllte. Aber in den Gewächshäusern wucherte es dafür umso mehr.

Ein paar Bilder von Leiden habe ich euch natürlich auch mitgebracht.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Wo die Nordseewellen ...

... Möwen und Surfer jagen, wo sie Schaumkronen an den Strand spucken, wo sie wie nebensächlich nach unseren Füßen haschen, da zieht es mich immer wieder im Herbst hin.
Drei Tage am Meer, in Sturm und Sonne, in salziger Luft und im Regenschauer. Drei Tage Energie tanken für den Winter, Freiheit atmen, den Kopf leer werden lassen und einfach nur laufen, laufen, laufen.

Katwijk an Zee liegt nördlich von Den Haag und hat eine lange Geschichte, sogar die Römer sollen dort schon gesiedelt haben. Im Krieg wurden Teile des Ortskerns von den deutschen Besatzern abgerissen für den Bau des Atlantikwalls. In den 50er Jahren entstanden moderne Gebäude, so dass das alte Fischerdorf nicht mehr zu erkennen ist. Katwijk lebt heute hauptsächlich vom Tourismus.

Fantastisch ist der breite und viele Kilometer lange Strand, der zu ausgiebigen Spaziergängen einlädt. Junge und alte Menschen, Paare, Einzelne und Freundesgruppen bewegen sich parallel zur Wasserkante wie auf einer breiten Promenade. Hunde tollen im und am Wasser, jagen Bällen nach, die ihre Herrchen weit fort schleudern, beschnuppern sich gegenseitig und spielen miteinander. Kaum, dass man Bellen hört, geschweige denn aggressives Gerangel. Menschen und Tiere wirken entspannt und gelöst.

Als wir am Freitag in Katwijk ankommen, fegt uns ein kräftiger Sturm um die Ohren. Kaum ist das Wohnmobil auf seinem Platz, kaum ist der Kaffee gekocht und ausgetrunken, zieht es uns ans Wasser. Den Wind im Rücken lassen wir uns über den Strand treiben vom Nordende des Ortes bis ans Südende und zum Leuchtturm. Vor einem kräftigen Regenschauer flüchten wir in den Strandpavillion, ein guter Grund für ein "Grimbergen", ein belgisches Abteibier. Über dem Meer vor dunkelgrauer Kulisse ein Regenbogen und Kitesurfer, die durch die Wellen hetzen und in waghalsigen Sprüngen darüber segeln.
Nach der kleinen Verschnaufpause stemmen wir uns gegen den Wind und erreichen das Ortszentrum. Geschäfte, Ladenpassagen, Restaurants am Boulevard. Wir bekommen Hunger und kehren ein, um Kraft zu sammeln für den anstrengenden Heimweg. Der Sturm lässt nicht nach, pfeift auch in der Nacht noch ums Wohnmobil. Aber nach so viel frischer Luft schlafen wir tief und fest rund zehn Stunden bis zum nächsten Morgen.

Am Sonntag haben wir bei viel weniger Wind noch eine Wanderung Richtung Norden am Strand entlang nach Nordwijk und zurück gemacht.

Ein paar Strandimpressionen könnt ihr euch hier anschauen.

Von unserem Ausflug am Samstag nach Leiden, der alten Universitätsstadt gleich um die Ecke, erzähle ich dann morgen.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Notizen aus dem Ländle (6)

Eine letzte kleine Geschichte möchte ich noch erzählen.

Wir sind durch Heilbronn gebummelt, eine Stadt, die ich jetzt nicht wirklich so toll fand. Vielleicht war es auch der falsche Tag oder die falsche Stimmung.

Ich hatte in einem Veranstaltungs-Prospekt der Stadt (so etwas liegt oft in der Rezeption von Campingplätzen aus) gelesen, dass im Städtischen Museum Deutschhof eine Ausstellung des Künstlers Ben Willikens (der Name sagte mir erst mal nichts) zu sehen sei, verlängert bis zum 4. Oktober.
Der Titel: 70 Aquarelle.
Da wollte ich hin.

Der Deutschhof ist ein Gebäudekomplex mit Innenhof, ich vermute, ein ehemaliges Kloster, das neben den Städtischen Museen auch ein Bistro beherbergt.
Die Ausstellung von Ben Willikens war im 1. Stock, Eintritt frei.
Gespannt sind wir die breite Treppe hinauf gestiegen und sahen die ersten Werke.
Ich war hin und weg.

Diese Aquarelle waren - laut eines Informationstextes - ganz anders als seine sonstigen Bilder.
Kompositionen aus Fotografien und Gemaltem.

Die Fotos zeigten meist Räume in Baustellen oder Abbruchhäusern (sah für mich jedenfalls so aus), Raumecken, Leitern, Fenster, Zementsäcke, Holzbalken.
Diese Fotos waren auf Aquarellpapier geklebt und dann mit Aquarellfarben zum Teil übermalt, hauptsächlich aber auf die gesamte Malfläche ausgeweitet worden. Strukturen, Linienführungen, Farbstimmungen ergänzten sich perfekt.

Den Flyer der Ausstellung habe ich mir gespeichert. (Hoffentlich ist er auch noch nach Ende der Ausstellung erreichbar.)

Ich hätte noch ewig vor diesen Bildern verharren können.
Und ich habe wieder eine Idee, eine Möglichkeit (auch für mich) mitgenommen.
Bisher habe ich noch nie Unterricht gehabt in Malerei, keinerlei Ausbildung bei anderen Künstlern. Aber ich versuche in solchen Ausstellungen immer ein Stückchen dazuzulernen.

Montag, 28. September 2009

Notizen aus dem Ländle (4)

Urlaubszeit ist Bücherzeit. - Normalerweise jedenfalls bei mir.
Auch in diesen Urlaub hatte ich einen dicken Stapel Bücher mitgenommen. Mehr als ich in einer Woche bewältigen konnte, zur Auswahl eben.
Gelesen habe ich in zwei Büchern, keins davon zu Ende (nicht im Urlaub, hinterher schon). Das eine ist ein "Schreib-Buch", bei dem es um Anregungen für Schreibnächte, also kreatives Schreiben in Gruppen geht (dazu demnächst mehr), das andere ein Wein-Krimi. Ich liebe Wein und ich liebe Krimis.
Statt zu lesen, was ich dabei hatte, habe ich allerdings noch mehr Bücher gekauft. Vom Wühltisch. Und ein kleines schwäbisches Kochbuch. Und dann noch eins aus dem "modernen Antiquariat". Wobei wir beim Stichwort wären.

Antiquariat. Dabei denke ich an halbblinde Fensterscheiben, Auslagen mit vergilbten Preisschildern und an Türen, die beim Öffnen ein Glockenspiel anschlagen. Ich denke an sanfte Düsternis zwischen hohen Regalen aus uraltem Holz und den Geruch nach Papier und Staub und etwas Undefinierbarem.
Aber es geht auch ganz anders.
Hoheneck ist ein Stadtteil von Ludwigsburg, eigentlich ein Städtchen für sich. Und zu Hoheneck gehört Alt-Hoheneck, das ursprüngliche Zentrum, wohl schon über 750 Jahre alt. Ein Dorf mit wenigen schmalen Gassen direkt am Neckar, mit Kirche und Fachwerkhäusern. Und mit einer alten Kelter, einer Art Scheune, in der früher der Wein gepresst und vergoren wurde.
Heute finden sich unter dem Vordach der Kelter Regale, Bücherregale im Freien. Ein offenes Antiquariat, in dem jeder zwischen Sachbüchern und Romanen, zwischen gebundenen und Taschenbüchern stöbern darf, und zwar 24 Stunden am Tag. Auf der ersten Buchinnenseite steht jeweils der Preis mit Bleistift geschrieben, und wer ein Buch kaufen möchte, wirft das Geld einfach in den Schlitz einer einbetonnierten Kassette. Erstaunlicherweise scheint dieses Prinzip zu funktionieren, das lässt doch hoffen.









Freitag, 25. September 2009

Notizen aus dem Ländle (3)

Samstags ist Markt in Kaiserslautern. Richtig viel Markt. Ein großer Markt mit unzähligen Gemüseständen, mit Fleisch, Fisch, Geflügel und mit Blumen. Viele der Händler kommen aus dem fruchtbaren Umland mit regionalen Produkten, andere reisen von weiter her an.
Ich kaufe Äpfel aus der Pfalz, die mich mit dicken rotbehauchten Wangen anlachen. Und Strauchtomaten, ebenfalls von "um die Ecke". Käse nehmen wir mit und Honig direkt vom Imker.
Ich liebe Märkte, habe ich das schon mal gesagt? Ich liebe den gemächlichen Trubel, die Atmosphäre, die bunten Stände mit ihren Auslagen, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Markt im Sonnenschein, das ist wie Urlaub im Süden.

Ein kurzer Stadtbummel durch die Fußgängerzone. Eine Innenstadt mit Blumenkübeln, Bäumen, viel Grün und den üblichen Geschäften. Und über allem ein Gefühl von Gemütlichkeit (mag an meiner Urlaubsstimmung liegen). Kaiserslautern ist mir sofort sympathisch.
Die Mittagszeit treibt uns Richtung Altstadt. Ein Biergarten unter Kastanien, Tische auf wackeligem Kopfsteinpflaster, harte Metallstühle mit bunten Sitzpolstern. Die Biergläser glitzern golden in der Sonne und schwupps, sitzen auch wir dort und halten die Speisekarte in Händen. Ich entscheide mich für den ersten Tafelspitz meines Lebens, mediterran verfremdet, dafür mit hausgemachten Spätzle.
Nach und nach füllen sich auch die anderen Tische. Leise plätschern Gespräche und Lachen und ich habe das Gefühl, ganz weit weg zu sein von zu Hause.





Donnerstag, 24. September 2009

Notizen aus dem Ländle (2)

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An der Abfahrt "Bad Kreuznach" verlassen wir die Autobahn und zuckeln noch ein kleines Stück über gemütliche Landstraßen zwischen Feldern und Weinbergen Richtung Guldental. Eigentlich laut Navigationsgerät ganz einfach.
Eigentlich ...
"Biegen Sie in 300 Metern links ab." Dieser klaren Aufforderung kommen wir nicht nach, denn die Straße ist gesperrt. Umleitungsschilder weisen geradeaus.
Die freundliche Dame im Navi berechnet flugs die Route neu und bittet uns, die nächste Straße links zu fahren. Straße? Welche Straße? Da ist nur ein geschotterter Feldweg. Wir ignorieren ihren Protest und fahren weiter. Wir ignorieren ihre Anweisungen noch mehrfach, denn all die kleinen Wege, die sie uns mit sanfter Stimme ans Herz legt, scheinen nicht wirklich zu unserem Ziel führen zu können.
Irgendwann zeigt dann auch das Umleitungsschild nach links und wir zuckeln in einem kleinen Ort durch eine verkehrsberuhigte Wohnstraße. Madame Navi bleibt gelassen und meint: "Biegen Sie an der nächsten Kreuzung rechts ab." Wir vertrauen ihr und - landen sackgassenähnlich vor einem schmalen Weg, halb zugewachsen von Büschen, die uns die Sicht versperren. Wenden!
Jetzt haben wir die Nase voll und fahren nach Gefühl, Sonnenstand und - nachdem wir aus dem Wohngebiet heraus sind - wieder nach Straßenschildern. Und siehe da, wir entdecken den gesuchten blauweißen Hinweis und stehen kurz darauf neben einem alten Feldbahndepot (heute ein Museum) und auf einem gepflegten, kleinen Campingplatz.

Der Herr an der Rezeption begrüßt uns mit einem Lächeln und mit niederländischem Akzent (praktisch für die vielen Gäste aus unserem Nachbarland). Und kaum dass wir die Formalitäten erledigt haben, lädt er uns zu der freitäglichen Weinprobe in der Rezeption ein, so etwa in einer Viertelstunde. Das lassen wir uns nicht zwei Mal sagen.
Zuerst sind wir zu fünft. Unser Gastgeber, ein niederländisches Ehepaar und wir. Wir beginnen mit einem trockenen Grauburgunder, der - wie die folgenden Weine auch - direkt vom Winzer aus dem Ort stammt. Lecker!
Erklärungen zu Rebsorte, Anbaugebiet und Aromen erfolgen anfangs sowohl auf Niederländisch als auch auf Deutsch. Als der Herr vom Campingplatz merkt, dass wir Niederländisch einigermaßen verstehen, braucht er nicht mehr alles doppelt zu erzählen, nur etwas langsamer.
Beim Öffnen der zweiten Weinflasche, einem halbtrockenen Riesling, stößt ein weiteres Paar (woher wohl? ja!) zu uns. Mit Mineralwasser spülen wir Gläser und Kehlen und genießen fröhlich weiter.
Ein Wohnmobil hält auf dem Platz vor der Rezeption. Die neuen Gäste staunen nicht schlecht über unsere muntere Runde, melden sich an und trinken gleich bei der dritten Flasche, einem Dornfelder, mit. Dann folgen noch eine Rotwein-Cuvée und eine liebliche Scheurebe. Die hätte gepasst zu Dessert oder Käse, dabei hatten wir noch nicht mal das Abendessen. Nur zwei, drei Stückchen Weißbrot zwischendurch. Hicks.
Inzwischen knubbeln sich zwölf Leute (inklusive Platzbesitzer und niederländischem Schwiegersohn) in der kleinen Rezeption, trinken die letzten Reste aus den Flaschen und schwatzen sprachlich durcheinander und miteinander.
Und danach nichts wie ein paar Meter weiter ins platzeigene Restaurant, um die fehlende Grundlage nachzuholen.
Was für ein Start in den Urlaub!



Natürlich haben wir ein paar Fläschchen mitgenommen von diesen zwei Sorten.

Mittwoch, 23. September 2009

Notizen aus dem Ländle (1)

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Eine Woche durch den Südwesten Deutschlands - einen Teil davon jedenfalls. Und jetzt möchte ich nach und nach ein paar Impressionen mit euch teilen.

Zuerst eine Übersicht unserer Route:
(Wir haben übrigens nur an zwei Stellen zwei Nächte verbracht, sonst sind wir täglich mit unserem "Häuschen auf Rädern" weiter gezogen. Allerdings nie sehr weit.)

Freitag: Erste Station die Nahe nahe Bad Kreuznach. Von uns aus ein Ziel, dass man ohne Mühe noch nach einem halben Arbeitstag erreichen kann. Dort habe ich nicht fotografiert, aber eine kleine Geschichte gibt's morgen dazu.

Samstag: Über Kaiserslautern durch ein Stück Pfälzer Wald und Frankreich an den Rhein zu einem großen Campingpark mit Badeseen südlich von Rastatt. Dort sind wir einen faulen Sonnentag lang geblieben.

Montag: Mit Abstecher in die Rheinauen nach Karlsruhe zum Stadtbummeln, der neue Campingplatz danach war nur wenige Kilometer vom letzten entfernt (ich weiß, wir sind etwas verrückt).

Dienstag: Über Rastatt weiter in Richtung Osten nach Pforzheim und Leonberg, wo wir eine Freundin besucht haben. Übernachtung im Wendebereich ihrer Wohnstraße.

Mittwoch: Weiter über Ludwigsburg und Hoheneck, Bummel in der Schiller-Geburtsstadt Marbach und am Neckar entlang Richtung Heilbronn. Wieder ein Campingplatz an einem schönen See.

Donnerstag: Von Heilbronn durch den südlichen Kraichgau mit vielen schönen, kleinen, alten Fachwerkstädtchen Richtung Bruchsal und irgendwo dahinter aufs Dorf.

Freitag: Weiter nach Heidelberg, immer über kleinere Straßen und durch nette Orte, die Bergstraße rechtsrheinisch entlang und mit einer kleinen Fähre auf die linke Seite. Westlich von Mainz liegt das Städtchen Wörrstadt, in dem ein Forums-Kollege von Holger lebt, der dort ein kleines Pick-Up-Treffen organisiert hat. Wochenende auf einem freien Stellplatz.

Sonntag: Heimfahrt - jetzt wieder über die Autobahnen - bei schönstem Spätsommerwetter.

Haltet uns für verrückt, aber wir empfinden dieses "Herumzigeunern" (soll jetzt kein abwertender Begriff sein) als ausgesprochen entspannend und erholsam. Das liegt vor allem an den kurzen Tagesetappen (zwischen 80 und 130 km), den kleinen Straßen durch schöne Landschaft und den vielen Zwischenstopps zum Bummeln und Schauen.

Montag, 10. August 2009

Notizen aus Nordspanien (5)

Küste, Kühe und immer wieder Sidra

Spanien kann so grün sein. Kühe stehen auf saftigen Wiesen, dass wir glauben, im Allgäu zu sein. Dann wieder schlängelt sich die Straße an der Küste entlang durch Eukalyptuswälder (ökologisch nicht unproblematisch). Die Flussmündungen sind fjordartig und weit, von starkem Tidenhub gezeichnet. Bei Ebbe ziehen sich schmale Rinnsale durch Binsen bewachsenen Sumpf. Ein Schwarm Möwen steigt kreischend auf.
Die Straße schwenkt ein Stück ins Inland bis zur nächsten Brücke, ein Ort breitet sich in der Bucht aus, eine kleine Stadt mit Hafen, alten Häusern, Geschäften und Restaurants.
Die Menschen sitzen an den Tischen auf dem Bürgersteig, erzählen, essen und trinken.
Und weil wir in Asturien sind, der schmalen Provinz zwischen dem Kantabrischen Gebirge und dem Meer, trinken viele die klassische Sidra, ein Apfelwein in grünen Flaschen.

Asturien sieht so ganz anders aus, als man sich Spanien vorstellt, denn das Klima ist ozeanisch, also kühler und feuchter als Zentralspanien. Einerseits ist die Provinz durch die Landwirtschaft geprägt, ist die Milchkammer Spaniens (laut Wikipedia) und reich an Apfelbäumen. Andererseits ist es eine Industrieregion, in der vor allem Bergbau und Schwerindustrie vorherrschten, deren Rückgang inzwischen zu einer hohen Arbeitslosigkeit geführt hat. Die meisten Menschen leben in den größeren Küstenstädten, die Gebirgsregionen - vor allem der Naturpark der Picos de Europa - ist nur dünn besiedelt.

Und hier folgen ein paar Impressionen aus Ribadesella in Asturien.

















Dienstag, 4. August 2009

Notizen aus Nordspanien (4)

Ein Stück Weltkulturerbe

Burgos, Hauptstadt der gleichnamigen spanischen Provinz, am Jakobsweg nach Santiago de Compostela gelegen, lässt mich immer an den blinden Bibliothekar Jorge von Burgos aus "Der Name der Rose denken"
Und ähnlich wie das Labyrinth im Buch ist auch die Kathedrale von Burgos (seit 1984 UNESCO-Weltkulturerbe) riesig, verzweigt, unübersichtlich aber faszinierend.

Um 1220 als gotische Kathedrale begonnen, wurde sie im Laufe der Jahrhunderte erweitert und verändert: kreuzförmiger Grundriss mit Seitenschiffen und fünfzehn (ja, fünfzehn) Kapellen, Chor, Kreuzgang um einen kleinen Innenhof. Reich verziert - innen und außen, 2007 renoviert, so dass der Sandstein hell strahlt.

Wir schlendern gemächlich den Wegweisern folgend durch die Kathedrale, die auch innen hell und luftig ist. Überall Figuren, filigrane Ornamente, fantastische Steinmetz- und Schnitzarbeiten. Dazu Gold, Gold und nochmal Gold.



















Als wir uns dem Innenhof nähern, erklingen matte Glockentöne in unregelmäßigem Rhythmus. Darunter liegt ein Stimmenteppich mit einer Melodie, die an gregorianische Choräle erinnert. Künstler haben hier eine Installation geschaffen, die uns mit ihrer meditativen Stimmung sofort gefangen nimmt.









Donnerstag, 30. Juli 2009

Notizen aus Nordspanien (3)

Stadtbummel in Vitoria / Gasteiz

Von der Küste am Golf von Biskaya haben wir einen Abstecher ins Hinterland gemacht, in die Hauptstadt der autonomen Region Baskenland. Entlang eines Flusstales verläuft die Straße zwischen bewaldeten Bergrücken, steigt an und führt uns auf eine Hochebene, auf der Felder und Weiden in reifem Korngelb das satte Grün der Bäume ablösen.
Vitoria selbst ist nach dem spanischen Bürgerkrieg zu einem Industriezentrum gewachsen, doch in der Innenstadt mit weitläufigen Fußgängerbereichen spürt man davon praktisch nichts.
Wir parken unser Wohnmobil (manchmal findet man ganz unkompliziert einen Platz am Straßenrand), peilen ungefähr die Richtung, in der die Altstadt liegen müsste und marschieren los. Alte, hohe Stadthäuser - oft liebevoll renoviert - bilden lange Straßenzüge, die sich anscheinend ringförmig um das Zentrum legen. Plätze, Kirchen, Baum beschattete Geschäftsstraßen. Es ist kurz nach eins, manche Läden sind noch geöffnet, bei anderen zeigt das Rollgitter vor dem Eingang die Siesta an. Menschen sitzen in Straßencafés vor einer Tasse Kaffee oder häufiger vor einem Glas Wein, knabbern an Kleinigkeiten und schwatzen fröhlich.









Wir lassen uns durch die Stadt treiben und bewundern den Palast, in dem die Post residiert, alte Geschäfte voller Leckereien im Schaufenster und Hotels mit Jugendstilverglasungen.











Und immer wieder die typischen, nordspanischen Glasbalkone. Haus an Haus ziehen sich die weißlackierten Holzbalkone vom ersten Stockwerk bis unters Dach. Die einen einfach, schlicht und gerade, andere mit Schnitzereien und Schnörkeln. Ich frage mich, ob es hier so kühl wird, dass man quasi Wintergärten benötigt.







Wir wollen zwar weiterziehen, aber augenscheinlich kann man es hier auch länger aushalten.

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