Schlaglichter
Ich werde heute ganz leise sein, werde nicht schreien, sondern flüstern. Und ich hoffe, ihr hört mich trotzdem.
Trotz all der lauten Geräusche um euch herum, Motorenheulen, Handydudeln, Musikberieselung. Umweltgeräusche eben, denen wir kaum entgehen können. Umweltgeräusche, die uns drangsalieren, die an unseren Nerven zerren, die uns krank machen können. Lärm ist akustische Umweltverschmutzung!
Heute ist der
Internationale Tag gegen den Lärm (der 11., wenn ich richtig gezählt habe). Ein Tag, an dem mit Aktionen auf die steigende Belastung durch Lärm aufmerksam gemacht wird.
Aufgrund einer Umgebungslärmrichtlinie werden Lärmkarten erstellt, wird die Bevölkerung aufgeklärt über die gesundheitlichen Risiken von Lärm, soll Lärmbelastung verhindert oder wenigstens gemindert werden.
Ich genieße, dass ich in einer ländlichen Region wohne, selbst bei offenen Fenstern wenig Straßenlärm zu uns dringt. Vogelzwitschern und Kinderlachen empfinde ich als freundliche Geräusche. Der Lüfter meines Computers auf dem Schreibtisch surrt nur leise und kein Radio plärrt durch die Zimmer. Das Klacken der Tastatur ist wohl das Lauteste, das momentan um mich ist.
Der Wechsel ist mir wichtig. Wenn ich Musik höre, dann darf sie gerne laut sein, egal ob Bon Jovi oder Cat Stevens. Wenn ich koche, bläst die Dunstabzugshaube, ich klappere mit den Töpfen und höre Nachrichten im Radio. Aber zwischendurch brauche ich die Stille, damit die Ohren sich erholen können. Und dann nehme ich sogar die leisen Katzenpfoten wahr, die sich anschleichen.
Wie sehr seid ihr von Lärm belastet? Wie geht ihr damit um?
Uta-Traveller - 16. April, 19:49
... wäre Hans Christian Andersen heute geworden.
Als Kind war ich von seinen Märchen hin- und hergerissen. Sie faszinierten mich, schreckten mich aber auch, denn viele gehen eben nicht aus mit dem üblichen "... und lebten glücklich ..."
Seine Geburtsstadt Odense auf Fünen (Dänemark) haben wir vor zwei Jahren besucht. Und dort sitzt er in der Fußgängerzone und scheint allen Passanten seine Geschichten erzählen zu wollen.

Uta-Traveller - 2. April, 20:07
an Bruno, den "Problembären"? Im Juni 2006 wurde er erschossen und jetzt hat man ihn ausgestopft. Er soll ab Morgen im Münchner Museum für Mensch und Natur im Schloss Nymphenburg ausgestellt werden. Als Honigdieb !
Damals habe ich ihm ein Gedicht gewidmet:
Requiem auf einen Bären
Der Sommer naht, es ist soweit:
in Deutschland ist Touristenzeit.
Den Ruf nach Schliersee hat vernommen
auch Bruno und ist gleich gekommen.
In Südtirol beginnt die Reise,
bringt ihn nach Bayern still und leise.
Doch als der erste ihn entdeckt,
hat der sich fürchterlich erschreckt.
Denn wilde Tiere hat Mensch gerne
nur hinter Gittern, aus der Ferne.
Im Süden war Geschrei dann groß:
Zu Hilfe, Weh, der Bär ist los!
Die Politik hat ein Problem
mit Bruno. Der ist unbequem.
Weil man den Wildtiertrend verpennt,
fehlt hier das Bärenmanagement.
Der eine will den Bären fassen,
will ihn nach Hause bringen lassen.
Der nächste meint: Lasst ihn doch wandern,
wohin er mag. Protest der andern.
Die meinen, Bruno sei gefährlich,
kein Teddy - seien wir mal ehrlich -
ein Raubtier, das man töten muss.
Punktum, sie fassen den Beschluss:
Wenn innerhalb bestimmter Zeit
der Bär nicht in Gefangenheit
und auch nicht fort aus freiem Willen,
dann dürfen Jäger Bruno killen.
Kaum ist das Urteil stadtbekannt,
geht laut ein Aufschrei durch das Land.
Es spaltet sich die Nation
in pro und contra Bärensohn.
Die einen wollen Bruno schützen,
die andern seinen Pelz besitzen.
Der dritte Part in diesem Spiel
hat keine Wahl, ist nur das Ziel.
Das Ende der Geschichte zeigt
ein Kreuz am Weg. Ein Mann verneigt
sich tief, dann wird ganz schnell vergessen,
dass hier einmal ein Bär gesessen.
© Uta Lösken 2006
Uta-Traveller - 26. März, 20:17
Der Wind lässt den Bambus vor dem Fenster in der abendlichen Dunkelheit winken. Wenn er von Emma gehört hat, wird er wohl eine Warnung winken. Bleib zu Hause, geh ja nicht raus. Es reicht, wenn ich durchgeschüttelt werde.
Emma kommt von Westen, vom Atlantik. Sie hat auf ihrer Seefahrt Kraft gesammelt und stürmt vorwärts über Land. Sie soll allerdings nicht ganz so rabiat sein wie Kyrill im letzten Jahr. Aber bei Frauen weiß man nie ...
Liebe Emma, ich möchte dich bitten: sei gnädig mit uns.
Rausche durch Täler und über Berge und knick dabei nicht zu viele Bäume um. Und du weißt ja, Dachpfannen gehören auf Dächer und nicht in Vorgärten. Lass die Strommasten stehen und die Leitungen intakt. Was nützt es dir, wenn wir nach deinem Durchzug im Dunkeln und Kalten sitzen.
Schau mal, für die Meteorologen beginnt morgen der Frühling. Und deshalb wollen wir in unserem Dorf das Spielplatzgelände auf Vordermann bringen und im Dorf den Müll einsammeln. Der Container, den uns die Gemeinde zur Verfügung stellt, wird aber nicht reichen, wenn du mit geballter Faust zuschlägst.
Emma, ich gönne dir ja den Spaß, mit Schwung durch die Natur zu tanzen. Der Frühling macht wach, macht Lust auf Leben. Dabei sollte man nur die Ameisen am Boden nicht ganz vergessen.
Uta-Traveller - 29. Februar, 19:53
Nein, ich bin nicht unter die Militaristen gegangen. Ich habe nur vorhin gehört, dass die Augsburger Puppenkiste heute auf den Tag genau 60 Jahre alt wird.
Und deshalb möchte ich den Kater Mikesch grüßen, das Urmel, den Löwen, Prinzessin Ding-Ding, Jim Knopf, Lukas, den Lokomotivführer und alle anderen, die mir den Sonntagnachmittag meiner Kinderzeit unvergesslich machten.
Märchen an Fäden, Holzköpfe mit Humor und viel Herz, Marionetten statt animierter Computerfiguren. Einfach und klar.
Ich wünsche euch, dass noch viele Kinder mit euch aufwachsen können. Dass sie eure Lieder mitsingen, eure Abenteuer erleben, mit euch zittern in brenzligen Situationen und lachen, wenn am Schluss sich Gefahr in Wohlgefallen auflöst.
Es lebe die Augsburger Puppenkiste !
Uta-Traveller - 26. Februar, 19:45
Für die Physiker ist die Zeit die vierte Dimension, eine Koordinate wie die drei Raumachsen der Länge, Breite und Höhe. Zur Beschreibung eines Punktes braucht man seine Raumkoordinaten und eine Zeitangabe. So einfach ist das. Mathematisch gesehen. Aber sich das vorzustellen, einen Raum in der Zeit, das ist nicht so einfach.
Länge, Breite, Höhe messen wir mit demselben Maß, mit dem Meter. Für die Zeit gibt es eine ganz andere Einheit, die Sekunde, und eine ganz andere Messmethode. Es wäre einfach, könnte man die Zeit mit dem Zollstock bestimmen, genauso wie die Länge einer Straße, die Breite eines Hauses, die Höhe eines Tisches.
Aber für uns Menschen ist Zeit etwas ganz anderes als räumliche Ausdehnungen. Vielleicht fällt den meisten deshalb so schwer, Einsteins Relativitätstheorie zu verstehen. Abgesehen von der doch recht komplexen Mathematik, die zu ihrer Beschreibung notwendig ist. Die Vorstellungen dieser Theorie reichen weit hinaus über unseren Erfahrungshorizont. Deshalb sind wir nur ganz normale Menschen und Einstein war ein Genie.
Wo bleibt die Zeit? Wenn sie eine physikalische Dimension ist, ist sie immer da. Sie verschwindet nicht, sie währt dauerhaft. Dann müsste die Frage allerdings anders gestellt werden: Wo bleiben wir in der Zeit?
Gemessen am Alter der Erde, gemessen am Alter des Universums, ist die Menschheit eine verschwindend kurze Spanne auf der Zeitachse unterwegs. Und gemessen am Alter der Menschheit lebt jeder Mensch kürzer als eine Eintagsfliege. Und doch nehmen wir uns so wichtig, sehen uns als Krone der Schöpfung. Welche Einbildung, welche Arroganz.
Auch wenn wir in der Schule - in Erdkunde, Biologie und Geschichte - über die Entwicklung des Menschen, über sein Dasein auf der Erde von den Anfängen bis heute hören, lesen, lernen, so hat wohl jeder von uns seine eigene, ganz persönliche Zeitachse in sich.
Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft: Wir gliedern diese Koordinatenachse nach einem sich ständig verschiebenden Nullpunkt, dem Jetzt. Vergangenheit ist alles, was vor dem Jetzt liegt, was geschehen ist, an was wir uns erinnern - wenn wir uns erinnern können oder wollen. Zukunft ist das Unbekannte vor uns, was geschehen wird, was wir uns vorstellen, aber was wir nicht kennen können. Und dieses Nichts dazwischen, dieses Weniger-als-ein-Augenblick, nennen wir Gegenwart und nehmen es ungeheuer wichtig.
Dabei ist es kaum gedacht, schon vorbei, ist die Gegenwart zur Vergangenheit geworden und die Zukunft hat sich bereits zur Gegenwart gewandelt.
Vielleicht haben wir deshalb das Gefühl, die Zeit fließe, bewege sich, ziehe an uns vorbei. Von der Zukunft über die Gegenwart in die Vergangenheit. Vielleicht fragen wir uns deshalb immer wieder:
Wo bleibt die Zeit?
© U.L., Dezember 2005
Uta-Traveller - 21. Februar, 19:36
Wo bleibt die Zeit? Wo bleiben alle diese Sekunden, Minuten, Stunden, die an uns vorbeiziehen? Wer denkt jetzt nicht an Michael Endes Geschichte vom Mädchen Momo und den Zeitdieben? Graue Männer mit glimmenden Zigaretten im Mund überreden die Menschen, ihre Zeit zu sparen, sie nicht unnütz auszugeben. Die Menschen beginnen, die Zeit zu verplanen. Ihre Zeit wird umso rarer, je mehr sie damit geizen. Sie haben plötzlich keine Zeit mehr für Freundlichkeit, für ihre Mitmenschen. Sie werden gehetzt und unzufrieden, können sich aber nicht an die grauen Männer erinnern, wissen also nicht mehr, wie sie in ihre unglückliche Situation geraten sind. Erst das kleine Mädchen Momo befreit die gestohlene Zeit und gibt sie den Menschen zurück.
Oft bräuchten auch wir eine Momo, denn wir sind gefangen in Terminen, in Zeitplänen, gefangen zwischen den Minuten und Stunden. Wir leben im Takt mit dem schwingenden Quarz an unserem Handgelenk. Er fordert und wir folgen. Unsere innere Uhr übertönt er, selbst wenn wir sein Ticken nicht hören können. Oft genug leben wir gegen diese innere Uhr, gegen unsere Natur. Die Konsequenzen erfahren viele Tag für Tag am eigenen Körper und an der Seele. Unruhe, Unzufriedenheit, Unglücklichsein, bis hin zur Krankheit, zum Burn-out. Getrieben von der Zeit in einen zeitlosen Zustand des Nicht-mehr-Könnens.
Und wie genießen wir es dagegen, wenn wir uns Zeit nehmen dürfen, wenn wir die Zeit mit vollen Händen verschwenden, wenn wir tief durchatmen und den Blick in die Ferne schicken, weit weg von allen Uhren.
Wo bleibt die Zeit? Wo kommt sie her? Wo geht sie hin? Ist sie unendlich? Fängt sie irgendwann und irgendwo an? Gibt es einen Geburtstag der Zeit, einen Geburtsort? Stirbt sie? Hört sie einmal auf? So viele Fragen. Und was ist mit den Antworten? Die Künstler und die Philosophen haben sich mit der Zeit beschäftigt. Die Naturwissenschaftler, vor allem die Physiker.
Und die Zeit? Sie vergeht. Einfach so. Panta rhei - Alles fließt.
Fließt die Zeit wirklich? Worin fließt sie? Was ist ihr Flussbett, ihr Kanal? Hat sie eine Richtung? Strömt sie immer gleich von hier nach dort? Oder scheint sie nur zu fließen? Steht sie stattdessen ruhig da wie ein riesiger See, in dem sich die Menschen wie Fische bewegen? Umgibt sie uns wie tiefes Wasser? Können wir darin versinken, in der Zeit ertrinken? Schon wieder Fragen ohne Ende.
Fortsetzung folgt
Uta-Traveller - 20. Februar, 19:54
Im Dezember 2005 habe ich mir Gedanken gemacht zu einem Thema, das die Junge Akademie (Berlin-Brandenburg) als "Frage des Jahres" gestellt hatte. Und weil der Text gerade gut passt, werfe ich ihn euch nun in Einzelteilen zu.
Wo bleibt die Zeit?
Das fragen sich die meisten Menschen wieder und wieder. Wenn der Arbeitstag vorüber ist und immer noch ein dicker Stapel unerledigter Aufgaben auf dem Schreibtisch liegt. Wenn die Kinder auf die weiterführende Schule wechseln, dabei hat man vorhin erst das Bild mit der Schultüte aufgenommen. Wenn man mit der eigenen Mutter umgeht, wie diese es früher mit der Oma getan hat.
Wo bleibt die Zeit? Die Minuten, die Stunden, die Tage und die Jahre.
Als Kind waren drei Wochen Schulferien eine Ewigkeit, als Erwachsener ist ein Jahr oft nicht viel mehr als ein Augenblick. Einstein hatte Recht: Zeit ist relativ.
Eine Stunde ist ausgesprochen dehnbar. Wartet man auf einen Telefonanruf, auf das Ergebnis einer Prüfung, auf die Ankunft eines ersehnten Menschen, zieht sich die Zeit wie Kaugummi. Eine Minute muss mehr als sechzig Sekunden haben, eine Stunde unsagbar viele Minuten, wenn man auf ihr Verstreichen lauert. Immer neue Sekunden, immer neue Minuten stellen sich in die lange Reihe der vergangenen Zeit.
Die Zeiger der Wanduhr rücken vorwärts. Nach sechzig Schritten des dünnen Sekundenzeigers klickt der lange Minutenzeiger einen Strich weiter, der kompakte Stundenzeiger rührt sich ein Winziges der nächsten Zahl entgegen. Die Stunde geht nicht um. Du hast das Gefühl, du müsstest nur einmal für einen Wimpernschlag zur Seite blicken, dich ablenken lassen vom Ziffernblatt, und die Zeiger springen hinterhältig zurück, um dann ihr Vorwärtsschreiten scheinheilig wieder aufzunehmen.
Aber wehe das Ende der Stunde ist auch das Ende einer knapp gesetzten Frist. Dann fliegen die Zeiger von Strich zu Strich, von Zahl zu Zahl und eilen voran, um uns unter Druck zu setzen. Treffe ich pünktlich zum Essen bei Freunden ein? Erreiche ich den Zug, bevor er den Bahnhof verlässt? Werde ich rechtzeitig fertig mit meiner Arbeit, meinem Test, meiner Klausur?
Zeit scheint keine feste Größe, verändert ihre Länge wie ein elastisches Band, staut sich auf oder schmilzt dahin. Salvador Dalís zerfließende Uhren als Sinnbild, als Symbol für die flüchtige, nicht greifbare Zeit.
Unser Gefühl ist wohl nicht zuverlässig genug, um Zeit wirklich zu erfassen. Doch der Mensch ist erfinderisch, der Mensch erfand die Uhr. Die Kirchturmuhr gibt die Stunden an. Sie schlägt sogar alle Viertelstunden, in Bayern oft Tag und Nacht. Bewusst nimmt man diese Zäsuren erst wahr, wenn sie einmal fehlen, wenn die Glocke nicht schlägt. Armbanduhren lassen uns die Zeit immer bei uns tragen. Wanduhren ziehen unsere Augen wie magisch an. Unbewusst werfen wir immer wieder einen Blick auf die Zeit. Wecker mit großen, digitalen Leuchtanzeigen geben uns selbst in den halbwachen Momenten unseres Schlafs Orientierung über die Stunden und Minuten, die wir noch unter der warmen Decke verbringen dürfen.
Uhren teilen unseren Tag in 24 Stunden, geben uns ein Maß, um einzuteilen, was wir tun. Acht Stunden für die Arbeit, acht Stunden für den Schlaf und acht Stunden für alles andere. Für Essen und Trinken, für Gespräche mit Freunden, für Lesen und Schreiben, für all die Kleinigkeiten, die unsere Zeit ausfüllen. Und für die die Zeit oft nicht ausreicht.
Immer genauer, immer penibler wird diese Einteilung. Früher genügte der Lauf der Sonne, von ihrem Aufgang bis zum Sonnenuntergang, um die Arbeitszeit festzulegen. Im Sommer war der Tag länger als im Winter, doch das empfanden die Menschen als sinnvoll, gab es doch in dieser Jahreszeit auch mehr Arbeit.
Die Industrialisierung beschleunigte den Takt. Arbeitszeit war rund um die Uhr. Hell oder dunkel, Sonne oder Mond, Tag oder Nacht, es musste produziert werden. Maschinen durften nicht still stehen. Schichtdienst. Akkord. Zeit wurde vom natürlichen Rhythmus abgekoppelt, wurde eine Macht für sich.
Für unsere schnelllebige Welt musste die Zeitmessung immer präziser werden. Der Tee soll drei Minuten ziehen, das Ei viereinhalb Minuten kochen. Der Kurzzeitwecker erinnert uns durch schepperndes Klingeln oder durchdringendes Piepsen an den Ablauf der eingestellten Zeitspanne. Sklaven der Zeit sind wir geworden.
(Fortsetzung folgt)
Uta-Traveller - 19. Februar, 20:01
Auf der genoppten Platte wächst mit leichtem Knacken ein Haus empor. Zwei mal vier Punkte in Gelb oder Blau, Rot oder Weiß, immer im Verbund. Fenstersteine dazwischen und zum Ausgleich Vierer an die Ecken. Dachschindeln gibt es auch, aber die muss man vorsichtig verbauen, sonst kippen sie weg.
Im Vorgarten des Hauses stehen zwei Männlein mit schwarzen Haaren und gelben Armen und schauen über den Gartenzaun in Grün.
Irgendwo auf dem Speicher habe ich auch noch eine Kiste mit den bunten Steinen aus Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat, abgekürzt ABS und besser bekannt als Lego-Steine. Die gesammelten Schätze stammen aus meiner Kindheit, sind inzwischen wohl fast vierzig Jahre alt, weisen deutliche Gebrauchsspuren auf. Ich habe zwar lange nicht mehr mit ihnen gespielt habe, weggeben würde ich sie jedoch nie.
Einfache Geometrien und ein bisschen Fantasie genügten, um eine Welt zu erschaffen. Auch wenn es damals noch keine Bausätze für Piratenschiffe, Ritterburgen oder Space Shuttles gab, waren Regennachmittage keineswegs langweilig. Mitten im Zimmer die Kisten auf dem Teppichboden ausgeschüttet, grob vorsortiert nach Größe oder Farbe und dann munter gestöpselt und gebaut und die Zeit vergessen.
Heute werden die Lego-Steine 50 Jahre alt. Ole Kirk Christiansen hatte 1932 eine Firma für Holzspielzeug gegründet, 1934 den Namen Lego erfunden als Abkürzung des dänischen "leg godt" (spiel gut). Am 28. Januar 1958 wurde auf die Kupplung der Lego-Steine ein Patent erteilt. Das Patent lief zwar 30 Jahre später aus, das Prinzip blieb aber erhalten. Und Steine von heute passen immer noch mit den alten Steinen meiner Kindheit zusammen.
Vielleicht sollte ich mal auf dem Speicher stöbern gehen ...
Uta-Traveller - 28. Januar, 20:56
... mich erschreckt die momentane politische Diskussion sehr.
Seit kurzem kocht das Thema Jugendkriminalität in vielen Radio- und Fernsehsendungen hoch: zunehmende Brutalität der Straftaten und ein - laut Statistik - hoher (steigender) Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund.
Ich habe gerade ein wenig nachgelesen, z.B.
hier, und dabei festgestellt, dass diese anscheinend klare Auslegung von Daten gar nicht so klar und eindeutig ist. Vor allem besteht die Frage, ob wirklich mehr Straftaten begangen oder ob nur mehr Straftaten angezeigt werden.
Das Problem um gewaltbereite Jugendliche darf natürlich nicht unter den Tisch gekehrt und ignoriert werden. Ich glaube allerdings nicht, dass verschärfte Strafen das Problem selber lösen können.
Warum reagieren Jugendliche aggressiv? Warum prügeln sie auf andere ein, auf Schwächere, auf Wehrlose? Was lässt ihren Frust so groß werden? Warum gerade Kinder aus ausländischen Familien?
Im Fernsehen habe ich vor zwei Tagen einen Wissenschaftler gehört, der einen deutlichen Zusammenhang aufzeigte zwischen der Integration der Kinder und ihrer Gewaltbereitschaft. In Stadtvierteln, in denen ausländische Kinder nicht ausgegrenzt werden, in denen sie zum Beispiel von Schulkollegen zu Geburtstagspartys eingeladen werden, in diesen Stadtvierteln ist die Kriminalitätsrate deutlich geringer.
Sollte uns das nicht zu denken geben?
Was meint ihr zu diesem Thema?
Uta-Traveller - 12. Januar, 20:20