erzählt

Sonntag, 17. Januar 2010

Hundert Farben Rot

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Karmin, Zinnober und Krapplack, gemischt miteinander und mit Kadmiumgelb oder einem Hauch Umbra ergaben eine weite Palette von Rottönen.
Verena stand vor ihrer Staffelei und starrte auf das weiße Rechteck. Nach ein paar Atemzügen nahm sie mit einem breiten Spatel Farbe auf und zog ihn in wellenförmigen Schwüngen über die Leinwand. Hin und her. Eine Bewegung aus dem Handgelenk, die auf den ganzen Arm, den ganzen Körper übergriff. Verena neigte sich von einer Seite auf die andere, während der Spatel immer wieder über die Palette und die Leinwand fuhr. Die Fläche verschwamm vor ihren Augen.
Nach einer Weile wurden ihre Bewegungen schwächer, sie schien aus einer Art Trance aufzuwachen und trat einen Schritt zurück. Eine Falte erschien zwischen den Augenbrauen, als sie das Bild fixierte.
Sie legte den Spachtel zur Seite, füllte die Palette auf und griff nach einem dicken Borstenpinsel. Mit geübten Strichen setzte sie Konturen, die an eine Landschaft erinnerten. Dunkles Braunrot deutete Schatten an, helles Orange die sonnenbeschienene Seite. Wieder arbeitete sie ein paar Minuten konzentriert, ehe sie erneut Abstand nahm.
Irgendetwas stimmte nicht. Sie suchte einen feineren Pinsel, arbeitete die Konturen nach, verstärkte die Kontraste. Eine Phantasielandschaft mit Fluss und Bergen schälte sich heraus, mit Weidenbäumen, die über das Wasser hingen und einem Zaun, der eine Hütte umgab.
Verena schnaubte unzufrieden. Lebendiges Rot in vielen Schattierungen. Warum wirkte das Bild trotzdem so tot? Sie knallte die Palette auf den Tisch. Die offene Flasche mit der maigrünen Acrylfarbe kippte um, schickte lange Spritzer und fette Kleckse mitten in das Rot. Verena fluchte.
Dann schüttelte sie den Kopf, ihre Mundwinkel zuckten, sie begann, schallend zu lachen. Mit den Fingern fuhr sie durch die Farbe auf der Leinwand, wischte und tupfte und ließ endlich die Hände sinken.
Sie lächelte. Und hätte ich hundert Farben Rot, flüsterte sie, würde immer etwas fehlen. Nur ein einziges Grün dazu, und ich halte die Welt in den Händen.
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Sonntag, 29. November 2009

Island für Augen, Ohren und Gaumen

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Bilder in zarten Farben, verwaschene Formen, unklare Flächen. Viel Weiß-Bläulich-Grau, dazu Rötlich-mit-Dunkel. Gestricheltes in Grün.
Gemalt? Womit? Mit Pastellkreiden? Oder doch fotografiert?
Ich bin fast in die Bilder hinein gekrochen und konnte mich nicht entscheiden. Eine Gratwanderung zwischen Fotografie und Malerei.
Die Motive: Landschaften in Island hauptsächlich, aber auch ein wenig Lanzarote.
Die Künstlerin: Gisela Schwarz, Journalistin und Fotografin, Jahrgang 1948.
Der Ort: Mal wieder der letzte Freitag im Monat im Hotel artgenossen in Lindlar. "KünstlerInnen bitten zu Tisch" entführte uns dieses Mal nach Island, auch literarisch und kulinarisch.

Angemeldet hatten wir uns schon vor längerer Zeit. Ich hatte von einer Freundin, unserer SchreibWerkstatt-Leiterin Monica Buchfeld, erfahren, dass sie an diesem Abend lesen würde. Isländisches und eigenes. Und dass der isländische Botschafter mit Frau und einigen anderen Island-Verbundenen sich angekündigt hatten. Der Abend war rasend schnell ausgebucht - aber wir waren dabei.

Gisela Schwarz erzählte von ihrer Liebe zu Island, das sie mehrmals im Jahr besucht. Von ihren Touren zu Gletscherseen und einsamen Hütten ohne Strom aber immerhin mit Wasser. Von ihrer tiefen Verbundenheit mit den Menschen dort, deren Lebensart sie schätzen gelernt hat und die sie gerne in unseren oft hektischen Alltag bringen würde.
Sie verriet ein wenig über ihre Art zu fotografieren und dass die Bilder, die wir schon bewundert hatten, fast genau so entstanden seien, wie wir sie hier sahen. Die Ausschnitte hatte sie bereits vor Ort gewählt, das Unscharfe, Verwaschene durch ihre Aufnahmetechnik erzeugt. Der Eindruck von Malerei wird verstärkt durch den Druck auf Büttenpapier.

Die Lyrikerin Monica Buchfeld las mit ihrer klaren, warmen Stimme Auszüge aus "Weltlicht" von Halldor Laxness, dem isländischen Literaturnobelpreisträger und Gedichte anderer Schriftsteller, deren Namen ich nicht aussprechen, geschweige denn mir merken konnte. Und im letzten Teil folgten eigene Gedichte, die aus jeder Zeile Island atmeten, obwohl sie noch nie dort war.

Das Menü des Abends war nicht nur isländisch inspiriert, einige Produkte hatte Gisela Schwarz selber mitgebracht.
Als Vorspeise: auf Birkenblättern geräucherte Lammkeule als Carpaccio mit einem kleinen Kartoffelsalat.
Als Hauptgang: Lasagne von Nordatlantikfischen mit einem Eisbersalat in Zitronenmarinade (klingt simpel, war genial abgeschmeckt).
Als Dessert: kleine Pfannkuchen mit Rhabarber-Beeren-Kompott, Schlagsahne und isländischem "Püdersücker", der grob, dunkelbraun und voller Melasse ist. Ein Nachtisch, bei dem wir am liebsten die Küche gestürmt und um Nachschlag gebettelt hätten.

Damit wir auch ein paar Originaltöne Isländisch hören konnten, schaffte es Gisela Schwarz in ihrer charmanten Art, den isländischen Botschafter zu einer Kostprobe zu überreden.
Er rezitierte ein Volkslied, in dem Reiter dunklen Wesen auswichen, und erklärte dann:
"Wenn ich singen könnte, würde sich das Lied in etwa so anhören ..."
Wer kommt schon in den Genuss, den isländischen Botschafter live singen zu hören.
Ein unvergesslicher Abend !
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Donnerstag, 26. November 2009

zu "Unter Verdacht"

Gut, gut, ich werde mich der Mehrheit beugen.
Ihr wollt, dass die Geschichte noch weiter geht. Kann ich verstehen.
Mir ging es erst mal nur drum, Jana aus der Bredouille zu holen.
Aber so recht zufrieden bin ich noch nicht.

Heute Abend habe ich die Geschichte bei unserem Autorentreff gelesen. Die anderen mochten sie, genau wie ihr. Und auch sie meinten: schreib weiter.

Allerdings hatte ich heute keine Zeit, über den Fortgang nachzudenken. Und morgen wird das wohl auch nichts.
Also bitte ein bisschen Geduld, am Wochenende geht es wohl weiter.

Lieben Gruß
Uta

Mittwoch, 25. November 2009

Unter Verdacht (4)

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"Das kann nicht sein!", hauchte die Verkäuferin. "Das ist nicht möglich!"
Ihr Blick huschte von der Hand mit dem Ring zu Janas Gesicht, dann zu Fredrich und zurück zum Ring.
"Natürlich kann das sein", schnaubte Fredrich. "Deshalb ist sie ja hier. Ladendiebstahl. Wir rufen die Polizei und ..."
"Nein, nein, warte", unterbrach Frau Müller den Sicherheitsmann, der nach dem Telefonhörer griff. "Da stimmt was nicht."
Fredrich krauste die Stirn, bis sich seine Augenbrauen trafen.
"Hör mal, ich mach hier nur meinen Job. Ich kann mir nicht aussuchen, wen ich erwische."
Jana rührte sich plötzlich. Sie warf den Ring auf den Schreibtisch, als hätte sie sich daran verbrannt. Tränen liefen über ihr Gesicht.
"Ich", schluchzte sie, "ich hab ... nichts gestohlen. Glauben Sie mir doch."
Hilflos sackte sie auf einen Stuhl.
"Ist ja gut, Kindchen, ist ja gut."
Frau Müller tätschelte ihr die Schulter, während sie weiter Fredrich fixierte.
"Ich dachte ja auch zuerst, sie ist eine Diebin. Wie sie durch die Parfümabteilung geschlichen ist. Hier ein bisschen sprühen, dort einen Flakon in die Hand nehmen. Und dann weiter schlendern, als ob nichts wäre. Ich hätte gewettet, dass sie den neuen Duft von 'Lady Lou' in der Tasche hat."
"Ist doch egal", stoppte Fredrich den Wortschwall. "Geklaut ist geklaut."
"Aber sie kann den Ring nicht gestohlen haben."
Fredrichs Mund stand offen und Jana wischte sich mit dem Handrücken die Tränen aus dem Gesicht.
"Ich hab sie genau beobachtet. Die ganze Zeit. Sie ist gar nicht bis zur Vitrine mit den Ringen gekommen."
Jana schniefte.
"Wie zum Teufel ist dann ..."
"Die Frau!", rief Jana dazwischen. "Die Frau mit den Handschuhen. Die hat sich an mir vorbei gedrängt."
"Schon wieder diese mysteriöse Frau", winkte Fredrich ab, die Verkäuferin dagegen nickte.
"Ich hab mich noch gewundert, warum sie nicht anders um den Uhrenständer herum gegangen ist. Fredrich, das Mädchen hier ist unschuldig. Du hast die Falsche erwischt."

Ende

Dienstag, 24. November 2009

Unter Verdacht (3)

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Der Mann war nicht viel größer als Jana aber sicher doppelt so breit in den Schultern. Seine schwarze Lederjacke trug ein Namensschild mit der Aufschrift "Fredrich" und darunter eingestickt "Security".
"Du kommst jetzt mit ins Büro", forderte er. "Wollen doch mal sehen, was alles in deinen Taschen steckt."
Jana versuchte sich loszureißen, aber Fredrich hielt gnadenlos fest.
"Ich bin keine Diebin", schrie sie. "Die ist gerade raus hier. Die Frau mit den schwarzen Handschuhen. Die müssen Sie festhalten."
Fredrich lachte.
"Schon klar, sind immer die anderen. Los, komm jetzt."
Er zerrte Jana hinter sich her, die unter den Blicken der Kunden blutrot anlief.
"Frau Müller, kannst du auch mit?", rief Fredrich zu der Verkäuferin in der Parfümerie. "Ich brauch was Weibliches im Büro."
Frau Müller sah sich um, winkte einer Kollegin kurz zu, damit diese Bescheid wusste, und folgte Fredrich und Jana.
Das Mädchen stand neben dem überladenen Schreibtisch und zitterte.
"Taschen leeren", befahl Fredrich und schob zwei Papierstapel zusammen, um Platz zu schaffen. Jana rührte sich nicht.
"Frau Müller, darf ich bitten?"
Die Verkäuferin näherte sich Jana betulich. Das Mädchen kam ihr zuvor, fasste mit einer Hand in die rechte Jackentasche und zupfte das Futter an einem Zipfel heraus. Nichts. Dann langte sie mit der anderen Hand in die linke Tasche und erstarrte.
"Na, wird's bald?" Fredrich bleckte die Zähne, als wolle er gleich zuschnappen.
Jana zog die geschlossene Hand heraus, drehte sie und öffnete die Finger. Sie stierte auf die Handfläche, auf der ein Ring mit einem rosa Stein funkelte.

wird fortgesetzt

Montag, 23. November 2009

Unter Verdacht (2)

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Jana suchte mit den Blicken nach einer Angestellten. Passte denn niemand auf? Gab es hier keinen Kaufhausdetektiv, wie sie das im Fernsehen immer zeigten?
Die junge Frau ließ etwas in ihre Jackentasche gleiten und ging zum nächsten Stand.
Jana überlegte nicht lange, folgte ihr und schob sich näher heran. Fasziniert starrte sie auf die Frau, die nur Augen für die schmalen Goldketten auf einem Ständer zu haben schien, während ihre Finger unterhalb der Gürtellinie an einem Schloss hantierten.
Die einzige Verkäuferin in der Schmuckabteilung zeigte einer Familie bunte Kinderuhren, wandte dabei Jana und der Frau den Rücken zu. Keiner interessierte sich für das, was hier passierte.
Wut stieg in Jana hoch. Die Verkäuferin bei den Parfums hatte sie vorhin angeschaut, als wolle sie etwas stehlen. Und hier ließen sie eine Ladendiebin ungeschoren ihre Taschen füllen. Klar, ein bisschen Schwund ist immer. Den rechnete man gleich in die Preise ein. Sollten die sich doch selber drum kümmern, was ging Jana der Diebstahl an?
Sie machte ein paar Schritte Richtung Ausgang, als sie von hinten angerempelt wurde. Die Frau mit den schwarzen Handschuhen drängte sich an ihr vorbei, warf ihr einen kurzen Blick zu und verließ das Kaufhaus.
Jana musste hinterher, sie wollte wissen wohin die Frau ging. Krimis liebte sie und hier bot sich eine mustergültige Gelegenheit, um Detektivin zu spielen.
Kaum hatte sie einen Fuß vor die Tür gesetzt, legte sich eine Hand schwer auf ihre Schulter und krallte sich fest.
"Hast du nicht etwas vergessen, Mädchen?"

wird fortgesetzt

Samstag, 21. November 2009

Ansichten eines Gartenzwergs (3)

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Ich glaube es kaum. In einem Monat ist Winteranfang.
Gut, der Garten hat seine Herbstfarben verloren, da leuchtet nichts mehr in Gelb oder Rot. Die Blätter des Apfelbaums liegen matschig-braun auf der Wiese und die Stiele vom Phlox strecken sich als Gerippe in die Luft.
Aber Temperaturen haben wir wie im September. Milde Was-weiß-ich-wieviel-über-zehn-Grad. Trocken ist es, auch wenn die Sonne sich heute hinter grauen Schleiern verbirgt. Gutes Wetter für Gartenarbeit.
Und in meinem Garten wäre noch viel zu tun, bevor er in den Winterschlaf fällt. Eigentlich.
Rundum sind die Nachbarn fleißig, rechen letztes Laub vom Rasen, schneiden Stauden zurück, zupfen Unkraut aus den Beeten.
Überall, nur nicht bei mir. Es ist eine Schande!
Ich bin ein ordentlicher Gartenzwerg. Die Zipfelmütze sitzt gerade auf dem Kopf, mein Bart ist glatt gebürstet und den Moosfleck auf meiner grünen Hose kann man fast nicht sehen.
Aber was sollen die Leute von mir denken? Die sehen doch nur das wüste Durcheinander um mich herum. Verblühte Sommerheide und verdorrte Zierlauchstängel, vom ersten Bodenfrost erlegte Impatiens - Verzeihung, Fleißige Lieschen - und überall dieses hinterhältige Springkraut. Es ist eine Schande! Das sagte ich bereits.
Man kann sich seine Menschen leider nicht aussuchen. Die Nachbarn, ja, die wären was für mich. Gerade jagt er mit dem Laubbläser alles vom Pflaster, was dort nicht hingehört, und sie schneidet und häckselt, was das Zeug hält.
Lärmbelästigung? Ich bitte Sie! Wo gehobelt wird, fallen Späne und Ordnung hat nun mal ihren Preis. Die Beete schauen anschließend aus wie geleckt. Das lob ich mir!
Wie? Was? Igel? Winterquartier? Stimmt, bei uns treibt der sich immer unter den Büschen hinterm Kompost herum. Weil da so viel Laub und Gestrüpp liegt. Und die Meisen picken an den vertrockneten Blütenständen, die den Garten verschandeln.
Naturschutz? So kann man das auch nennen. Billige Ausrede. Ich sage dazu Faulheit.
Sie schütteln den Kopf? Wachsen und wachsen lassen? Ich rede mir die Keramik-Lippen fusselig, dabei sind Sie genau so ein Dem-Garten-seine-Freiheit-Typ wie meine Menschen.
Ich sehe schon, wenn ich nicht in Zaunwinde und Giersch versinken will, muss ich in den Nachbargarten auswandern.

Donnerstag, 2. Juli 2009

Verspielt (6)

"Ich könnte kotzen!"
Heike war aufgesprungen und hatte dabei ihr Glas umgestoßen. Der Rotwein bildete eine blutige Lache auf den Steinfliesen.
"Du hast schon damals alles kaputt gemacht", fuhr sie Corinna an und schlug mit der Hand auf die Lehne der Ledercouch. "Du hast immer nur getan, was du wolltest. Ohne Rücksicht auf Verluste. Immer nur Ich, Ich, Ich."
Sie schnaufte und holte tief Luft. Die anderen starrten sie sprachlos an.
"Beruhige dich doch, Schatz", murmelte Manfred und verstummte unter Heikes Blick. Dirk studierte betreten das Teppichmuster. Nur Corinna lehnte sich entspannt zurück.
"Endlich kommst du aus dir raus", sagte sie und nippte an ihrem Wein. "Hast du all die Jahre diese Wut auf mich mit dir herum getragen? All die Jahre?" Sie hob die Augenbrauen. "Ich dachte, du hättest mir die Sache mit dem kleinen Bozo verziehen."
"Es geht nicht um Bozo", fauchte Heike. "Nicht nur. Es geht um Verantwortung. Ein Begriff, der anscheinend nicht zu deinem Wortschatz gehört."
Corinnas Augen funkelten.
"Jetzt kommen wir der Sache also näher. Verantwortung."
"Ja, Verantwortung. Du hast immer nur gespielt. Wenn es ernst wurde, hast du gekniffen und bist abgehauen. Wie damals nach dem Abi."
Heike warf einen Blick auf Dirk, der den Schlagabtausch der Frauen inzwischen gespannt beobachtete.
"Ich will dir mal was sagen, Heike." Corinnas Stimme vibrierte dunkel. "Wenn ich gespielt habe, dann mit offenen Karten. Ich habe jedem klar gemacht, dass ich meinen Weg gehen will. Meinen, verstehst du? Jeden Schritt habe ich getan, weil ich das wollte. Nicht, weil es so üblich ist oder weil ich dadurch Ansehen gewinne oder Geld oder ..."
Sie trank ihren Wein aus und stand auf.
"Ich glaube, ich gehe jetzt besser. Manfred, danke dir für die Einladung. Es tut mir leid, dass ich euch den Abend versaut habe."
Manfred reichte ihr die Hand.
"Du hast den Abend nicht versaut, Corinna. Wir haben den Sinn des Spieles anscheinend aus den Augen verloren. Ich zumindest sehe jetzt Ziel und Regeln wieder deutlicher."
Heike drehte sich um und verließ mit steifen Schritten den Raum.



* * E N D E * *

Mittwoch, 1. Juli 2009

Verspielt (5)

"Schon wieder in den Knast!"
Dirk stöhnte und setzte seine grüne Spielfigur in das Monopoly-Gefängnis.
"Bin ich eigentlich der Einzige, dem das passiert? Mir ist es ein Rätsel, warum ihr immer nur zu Besuch vorbei kommt."
Er schaute Trost heischend zu Corinna. Die würfelte gerade, zog sieben Felder weiter und jubelte: "Schlossallee! Schlossallee!"
Blitzschnell zählte sie Geld ab, nahm von Heike die Besitzkarte entgegen und erklärte:
"Ich baue Häuser. Je zwei auf die Parkstraße und die Schlossallee. Und dann werden wir sehen, wer zuerst Miete zahlen muss."
Sie zwinkerte Manfred zu, dessen Spielfigur nur wenige Felder von Corinnas Besitztümern entfernt stand.
"Übernimm dich nicht", zischte Heike, zählte sorgfältig das Geld und warf der früheren Freundin vier kleine, grüne Häuschen hin.
"Hättest doch mitspielen sollen", meinte die, stellte die Klötzchen in eine Reihe und reichte die Würfel an Manfred weiter.
Eine Weile hörte man nur das Klicken der Würfel und das Tippen der Spielfiguren. Ab und zu ein "Ich kaufe" oder "Miete bitte". Dirk wanderte aus dem Gefängnis auf ein Gemeinschaftsfeld, sollte seine Häuser renovieren und lachte, weil er noch keine besaß.
Die Weinflasche leerte sich schnell und Manfred öffnete eine neue.
"Wie lange wollen wir eigentlich spielen?", wollte Heike wissen. "Wir haben gar nichts ausgemacht."
"Bis ich gewonnen habe", kokettierte Corinna. "Oder muss einer von euch morgen früh aus den Federn?"
Dirk und Manfred schüttelten den Kopf. Heike seufzte.
"Sagt mal, hat das immer schon so lange gedauert? Haben wir uns wahrhaftig die Nächte um die Ohren geschlagen für ein albernes Spiel?"
"Haben wir. Früher haben wir dabei von der Zukunft geträumt", sagte Dirk. "Von unseren Karrieren und wie wir die Welt verändern wollen."
"Und dann hat die Welt uns verändert", ergänzte Manfred bitter. "Abschied von all den Träumen und hehren Zielen. Puff, und schon bist du in der Wirklichkeit angekommen."
"Ist aber eine recht komfortable Wirklichkeit, oder?", fragte Corinna und sah sich im Raum um.
Manfred nickte. "Um den Preis von viel Stress, wenig Freizeit und noch weniger Freiheit."
Er sah Corinna direkt in die Augen.
"Ich glaube, du hast das besser gemacht als wir."
Mit einem Klirren zerbarst Heikes Weinglas auf dem Schieferboden.

Dienstag, 30. Juni 2009

Verspielt (4)

Heike pustete imaginären Staub von der Schachtel, ehe sie den Deckel öffnete.
"Ich übernehme die Bank. Ich mag heute nicht um Grundstücke und Häuser schachern."
Sie klappte den Spielplan auseinander, während die drei zukünftigen Immobiliengroßgrundbesitzer die Gläser auf dem Tisch zur Seite räumten.
"Ich möchte bitte die rote Figur", sagte Corinna und sah die beiden Männer an, ohne wirklichen Widerspruch zu erwarten.
"Grün oder Blau?" Manfred hielt die Holzmännchen in die Höhe.
"Grün ist die Hoffnung, oder?", grinste Dirk und griff zu.
Heike legte die Stapel mit den Ereigniskarten in die Spielfeldmitte und breitete die Geldscheine vor sich aus.
"Du bekommst so ein gieriges Glitzern in die Augen", stichelte Dirk und Heike verzog die Lippen.
"Um was spielen wir?", wollte Corinna wissen und die anderen sahen sie verblüfft an.
"Stimmt", meinte Manfred, "früher hatten wir immer einen Jackpot. Irgendwie hat das den Reiz erhöht."
Heike neigte den Kopf und überlegte kurz.
"Ich hätte da was." Sie verschwand kurz aus dem Zimmer und kam mit einem Briefumschlag zurück.
"Ein Gutschein. Ich verrate euch nicht, wofür und wieviel er wert ist. Aber ich garantiere euch, er ist noch gültig. Ich stifte ihn als Preis für den Sieger dieser Partie Monopoly."
Corinna, Dirk und Manfred starrten sie an, dann griff Corinna zu den Würfeln.
"Lasst uns beginnen!"

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