nicht ganz ernst

Mittwoch, 26. August 2009

Er.schöpft

.
Die Kreativität geht heute baden.
Kopfüber stürzt sie sich ins kühle Meer.
Das reicht ihr leider nur bis zu den Waden,
drum schmerzt ihr Schädel jetzt natürlich sehr.

Sie hält ihn fest mit beiden linken Händen,
verdreht die Augen, schielt mich fragend an,
und ihre kreisenden Pupillen senden
Signale, ob ich ihr nicht helfen kann.

Ihr Hirn sei völlig leer, sie könne heute
- und keine Ahnung für wie lange noch -
nicht einen Einfall schaffen. Und der Leute
Erwartungen, die seien schließlich hoch.

Ich glaub' es kaum, dass andere sich brüsten
mit Geistesblitzen, die sie nie erzeugt.
Da sollte mancher Mensch sich laut entrüsten,
der seine Knie vor den Genies gebeugt.

Lass sie doch einfach mal im Dunkeln sitzen,
beschwichtige ich Kreativität,
und lass sie die Ideen selber schwitzen,
dann lernen sie mal endlich, wie das geht.
.

Freitag, 14. August 2009

Zurück.bleiben



der Bahnsteig leer
gefegt und still
für einen Moment
ehe der Zug
abfährt
ohne dich

schau
auf die Uhr
es wird ein
neuer Zug
kommen

Mittwoch, 24. Juni 2009

unüberhörbar

.
Ein Mensch will hoch und heilig schwören,
er kann den Garten sprechen hören.
Im Winter flüstert Wiesengras,
es sei so kalt und pitschenass.
Und Tulpen würden leise fluchen,
wenn sie den Weg ans Licht sich suchen.
Die Federnelken wiegen sich
im Wind und kichern fürchterlich,
derweil die Pfingstrosen voll Güte
stumm lächelnd neigen ihre Blüte.

Doch was der Mensch zuletzt vernommen,
hat ihm den Atem fast genommen.
Von seinen Stauden klingt ein Stöhnen,
weil Unkräuter sie laut verhöhnen.
Der Hahnenfuß macht sich zur Zeit
zwischen den Rosen mehr als breit.
Springkraut hüpft frech in jedes Beet,
was gärtnerisch ja gar nicht geht.
Der hohe Phlox fühlt sich bedrängt,
wenn Zaunwinde schwer an ihm hängt.

Das alles kommt nicht über Nacht.
Im Garten seine Zeit verbracht
hat unser Mensch schon lang nicht mehr.
Er schämt sich dafür denn auch sehr,
zieht gleich die grüne Hose an,
geht mit Elan das Unkraut an.
Er rupft und schneidet, hackt und schon
hört er erfreut der Arbeit Lohn:
Um ihn herum erklingen wieder
ganz zart die Blumen-Sommerlieder.

.

Donnerstag, 14. Mai 2009

Limerick 08/2009

Ein Seiltänzer aus der Provence
fiel hoch in der Luft fast in Trance.
So ganz in Gedanken
kam er schwer ins Schwanken
und fand eben noch die Balance.

Dienstag, 17. März 2009

Frühlingsgefühlt

.

Wenn die Bienen und die Hummeln
nektarsuchend blütenbummeln,
auf den Krokuskelchen landen,
Halt nur heftig schwankend fanden,

wenn auf Leitungen und Kabeln
in der Höhe Krähen schnabeln,
Meisen helle Arien singen,
Amseln sich ein Ständchen bringen,

wenn der Kater mit der Katze
auf der grünen Moosmatratze,
weiß ich, dass der Wettermann
jetzt den Frühling melden kann.

.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Trommelwirbel

Begleitet habe ich den Meinen
durch langen Arbeitstages Mühn,
jetzt liege ich erschlafft am Boden
und sehe ihn von dannen ziehn.

Er hat mich einfach abgelegt,
als ob zu gar nichts ich mehr tauge.
Verschwitzt, zerknautscht und ungepflegt,
ich sehne mich nach Badelauge

und träume dem Moment entgegen,
an dem du wärmend mich empfängst.
Du wirst im Rhythmus dich bewegen,
wenn du mich in den Armen schwenkst.

Der Tanz beginnt mit sanftem Wiegen,
doch bald beschleunigt unser Schritt.
Ich fühle mich, als würd' ich fliegen.
Ein wohlig wilder Wasserritt.

Mal rechts, mal links drehn unsre Kreise,
bis dann das kleine Licht erlischt.
Ich danke dir. Auf diese Weise
hast du mich fasertief erfrischt.

Freitag, 30. Januar 2009

Entfaltung

Ein Mensch kann sich beim Hemden-Bügeln
in einer Fensterscheibe spiegeln.
Er bügelt hin und bügelt her
und überlegt, wie es denn wär',
per Dampfbügeln die Mimikfalten
wie die im Hemd im Zaum zu halten.

Er würde wöchentlich beim Plätten
auch sein Gesicht ganz einfach glätten.
Er könnte ohne Hemmung schmunzeln,
die Stirn verlöre ihre Runzeln,
die Augen das Plissée rundum.
Da wäre jedes Lifting dumm.

Jetzt wird es noch ein Stück verzwackter:
Wo bleibt bei all dem der Charakter?
Die Fältchen, die gehören eben
zu einem reichen Menschenleben,
und unser Mensch - kann ich berichten -
will auf die seinen nicht verzichten.

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Silvester 2008

K omm, an diesem Jahreswechsel werden wir
E ndlich mal keine guten Vorsätze fassen.
I dealerweise sehen wir das ganz locker und
N ehmen uns nichts vor, was wir nicht halten.
E infach nur ins neue Jahr hinüber rutschen.

V ielleicht sollten wir überlegen, was uns gut täte.
O rdentlich Kalorien sparen, damit die
R inge um den Bauch schrumpfen. Und natürlich
S port treiben, fit und flott werden.
Ä rger kann man nicht immer aus dem Weg gehen,
T rotzdem sollten wir den Stress reduzieren. Uns
Z eit nehmen für die Dinge, die uns wichtig sind.
E igentlich das Gleiche, wie jedes Jahr.

Samstag, 8. November 2008

Limerick 22/2008

Eine Putzfrau aus Hof an der Saale
warf sich heute früh schon in Schale,
weil am Putzfrauentag
sie nicht arbeiten mag.
Der Chef feuert sie. Das ist fatale.


(8. November - Internationaler Tag der Putzfrau)

.

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Apfeltraum



Seh ich in des Geästes Fülle,
so leuchtet mich ein Apfel an
mit seiner grün-gelb-roten Hülle,
dass ich die Süße ahnen kann.

Die Wangen sind perfekt gerundet,
das Fleisch erscheint mir knackig-fest.
Ich ahne, dass er mir wohl mundet,
wenn er sich nur noch pflücken lässt.

Er hängt zu hoch, dass ich ihn fasse,
auch Recken, Springen reicht nicht dran.
Ich pack' den Ast - wie ich das hasse -
und schüttele so fest ich kann.

Der Apfel fällt, rollt auf die Seite,
die meinem Blick bisher verdeckt,
zeigt Loch, in dem vermaledeite
und freche Made sich versteckt.

Es wirkt die Schönheit in der Ferne
oft glänzend, glatt und makellos.
Die Nähe legt dagegen gerne
die kleinen Fehler grausam bloß.

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